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BOOTS ELECTRIC - are made for dancing

Schau’ mal, wer da hüpft. Nur mit drolligen Socken, Unterhose, Schnäuzer und Indianerkopfschmuck bekleidet führt er da Hüpftänze auf dem Plattencover auf. Jesse Hughes ist der komische Vogel. Und mit Vögeln kennt er sich aus. Mit den ganz großen sogar. Schließlich tummelt er sich ansonsten bei den Eagles Of Death Metal. Die Rede ist von Jesse "The Devil" Hughes. Er wandelt nun als Boots Electric auf Solopfaden und hat mit „Honkey Kong“ eine eigene Scheibe im Rucksack.

Plattenexamen

Ob es sich dabei wirklich um eine echte Soloplatte im herkömmlichen Sinne handelt, da ist sich Jesse Hughes gar nicht so sicher: „Wenn du drei Platten mit den Leuten von Eagles Of Death Metal gemacht hast, allen voran mit Josh Homme, dann hast du nicht nur gelernt, wie man zusammen Musik macht. Es ging dabei immer auch um Fragen der Produktion, des Mischens und was weiß ich sonst noch. Es ging immer um alles. Deshalb sehe ich mein Album ´Honkey Kong´ eher als abschließendes Examen, bei dem ich zeigen will, was ich alles gelernt habe.“

Doch neben Eagles Of Death Metal schleppt Jesse Hughes noch eine weiteres musikalisches Päckchen mit sich umher.

„Als ich von meiner Großmutter ein wenig Geld bekam, um mein Leben zu starten, habe ich alles in Konzertkarten für die George Clinton/Parliament Wiedervereinigungstour investiert“, lacht er kehlig.



Klangzauberer

Auf ´Honkey Kong´ deckt Jesse Hughes fast die gesamte musikalische Landkarte ab.

„Was willst du machen, wenn du eine fabelhafte Familie hast, die musikalisch in alle Richtungen denkt“, lacht er noch kehliger, „meine Mutter ist eine Motown-Funkadelic-Fanatikerin, mein Vater war Mitglied der Marshall Tucker Band, die einen Stilmix aus Rock, Country-Musik und Jazz zelebrierte und meine Großmutter mütterlicherseits liebte Bigband Musik, Glen Miller und Kay Kyser. Die Mutter meines Vater hörte tagein tagaus Gospel, ihr mann hörte andauernd Hank Williams. Und der letzte Großvater der Familie war auf dem Klassiktrip und ließ Bach und Mozart auf dem Plattenteller rotieren. Ich wurde so in die Schönheit der vielen musikalischen Welten eingeführt.“

Und die hat sich Jesse Hughes alle zunutze gemacht. Wie ein Klangdompteur hat er den einzelnen Stilen beigebracht, durch den Feuerring des jeweils anderen zu springen. Von Gospel über Country zu Doo-Wah - alles da. „Es kann nicht falsch sein, was sich gut anfühlt“, schiebt er augenzwinkernd nach.



Zuarbeiter

Wer so unbefangen in die musikalische Welt hinauszieht und keiner kreativen Blüte am Wegesrand abgeneigt ist, der findet auch veritable, schöpferische Zuarbeiter. Dazu gehört Josh Hommes Ehefrau Brody Dalle, die ihm beim Stück ´Boots Electric Theme´ ihre Aufwartung macht. Musikalisch hat sie sich ihre Meriten mit The Distillers und neuerdings mit Spinnerette verdient. Der vielleicht wichtigste Zuarbeiter bei diesem Album ist wohl Money Mark. Sein Tastenspiel bereicherte so manche Beastie Boys-Komposition. Er hat an der Platte nicht nur mächtig mitgeschrieben, seine legendären Synthesizer-, Orgel- und Pianoklänge hört man ständig. Unter der Regie von Produzent Tony Hoffer, der seine Finger schon im Spiel von Beck, Depeche Mode oder The Kooks hatte, erhält jedes der Stücke eine zusätzliche Politur.

Aktuelles Album: Honkey Kong (Dangerbird Recs./Coop Music/ Universal Music)
© 01. Oktober 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Oktober 2011

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