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BROILERS - Die musikalische Wahrheit der Broilers

Wer aus dem Umfeld des Beton-Brutalismus des Düsseldorfer Südens kommt, für den ist es immer ein harter Weg. Nämlich der da heraus. Fußball wäre eine Möglichkeit. Oder die Musik. Das Mädchen und die Jungs um Frontmann und Gitarrist Sammy Amara sind an der musikalischen Weggabelung abgebogen. Verdammt früh schon. Bei der Veröffentlichung der ersten Single „Schenk mir eine Blume“ waren die damaligen Bandmitglieder mal eben 16 Jahre alt.

Wer übt, läuft Gefahr, etwas

zu lernen

In pubertären Zeiten haben Sammy Amara und sein Kumpel Andreas Brügge dem Konzert einer Schülerband gelauscht und sind unmittelbar der Musik verfallen.

„Wir fanden dieses Konzert so geil“, erinnert sich Sammy Amara, „dass wir Weihnachten nicht erwarten konnten. Auf unserem verfrühten Wunschzettel standen bei mir eine Gitarre und bei Andreas Brügge ein Schlagzeug. Und bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag nahm unsere Spaßkapelle Formen an. Ganz nach dem Prinzip ‚alles wird möglich/es muss immer nur Musik da sein’, einer Textzeile aus unserem Stück „33rpm“ sind wir in die Zukunft gerockt. Diese Anfänge liegen im Jahr 1992 und da waren wir 12 Jahre alt.“

1994 geht, neben zwei heute nicht im Aufgebot stehenden Freunden, auch Bassistin Ines Smentkowski an Bord. Als Musikrichtung hat man sich Oi! auf die flatternde Fahne geschrieben. Und deutsche Texte sind von Beginn an ein Muss.

„Aus dieser Zeit stammt auch unser Bandname“, rekapituliert Sammy Amara, „das Oi! sollte irgendwie im Bandnamen auftauchen. Ein ostdeutscher Kumpel erzählte uns dann etwas von der in der DDR üblichen Bezeichnung für Brathähnchen, Broiler. Ohne Zögern hießen wir ab sofort und bis heute Broilers.“

So beginnt eine uralte Musikererfahrung auch bei den Broilers Wirkung zu zeigen. Nämlich die, dass derjenige, der übt immer Gefahr läuft, etwas zu lernen.

So haben die Broilers im Herbst 1997 dann soviel gelernt, dass sie genügend Stücke auf Lager haben, um ihre erste CD „Fackeln im Sturm... arme Lichter im Wind“ zu veröffentlichen. Drei weitere Platten bringt die Truppe auf den Markt: 2001 „Verlierer sehen anders aus“, 2004 „LoFi“ und 2007 „Vanitas.“



Wer lernt, läuft Gefahr, etwas zu

erreichen

Diese drei CDs dokumentieren eindrucksvoll, dass die Broilers nicht nur was gelernt haben, sie haben sich immens weiter entwickelt. Von der Oi!-Szene emanzipiert. Sind mutiger geworden und haben auch Popklänge und Soul-Anleihen integriert. Eine melodische Mischung aus dem Genannten und Punk, Rockabilly und Ska gepaart mit der verbliebenen Rauheit der Anfangstage ist inzwischen die musikalische Wahrheit der Broilers. „Wir sind keine Oi!-Band mehr“, stellt auch Sammy Amara klar, „wir wissen aber exakt, wo wir herkommen und wir vergessen das nicht. Ich glaube, dass die meisten Fans dies anerkennen.“

Die üblichen Kommerzvorwürfe blieben auch den Broilers nicht erspart. Besonders, als sie Festival um Festival spielen, bei den Düsseldorfer Kollegen von den Toten Hosen im Vorprogramm auftauchen, und eins ihrer legendären Weihnachtskonzerte bereichern.

„Ganz abgesehen davon, dass wir beide aus Düsseldorf sind, gab es mit der Zeit immer mehr Berührungspunkte“, erklärt Sammy Amara, „ich mache zum Beispiel viel für deren Merchandising, das heißt, ich gestalte unter anderem Die Toten Hosen T-Shirts. So kam es dazu, dass sie uns irgendwann fragten, ob wir nicht mal Lust hätten, mit ihnen zu spielen.“

Beim bloßen gemeinsamen Spielen ist es dann auch nicht geblieben, seit 2011 übernimmt die Tote Hosen-Firma JKP das Management der Broilers. Und beim aktuellen Album „Santa Muerte“ gibt es erneut einen interessanten Berührungspunkt zu den Toten Hosen, die Principal-Studios in münsterländischen Senden.

„Dort haben die Toten Hosen soundmäßig eins ihrer besten Alben aufgenommen“, ist sich Sammy Amara ganz sicher, „und den Tonmann, der das umgesetzt hat, Vincent Sorg, den haben wir uns mit seinen frischen Ohren gleich mit gesichert.“



Wer etwas erreicht, läuft Gefahr, mehr zu wollen

„Bislang war jedes Jahr besser als das zuvor“, freut sich Sammy Amara, „Stückchen für Stück-chen ist es immer weitergegangen. Es waren kleine Schritte. Wir haben einen langen Weg hinteruns gebracht und sind wirklich dankbar, dass wir dorthin gekommen sind, wor wir jetzt mit ‚Santa Muerte’ stehen.“

Mit diesem Album sind die Broilers verdammt gut aufgestellt; denn sie haben sich nicht im Dickicht der Möglichkeiten verlaufen. Sie haben sich konzentriert und den bereits bestehenden musikalischen Vorzügen, den Stücken dadurch einen weiteren Kraftschub verliehen, dass sie sich auch in der Szene der Singer/Songwriter umgetan haben und so den Spannungsbogen der Lieder weiter gestärkt.

Aktuelles Album: Santa Muerte (People Like You Records/EMI)
© 01. Juni 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: Erik Weiss
Juni 2011

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