interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
THE MIDDLE EAST - Der Trägheit ein Schnippchen schlagen

Sie hätten ein echtes Problem, meinen The Middle East: Egal welche Ideen und Vorstellungen in ihren Köpfen herumgeistern, diese umzusetzen, erfordere mehr Einsatz von ihnen, als Außenstehende vermuten würden. Dabei ist ihr Debüt „I Want That You Are Always Happy“ ein Vorzeigewerk des in Rock getränkten Folkpop geworden und hinterlässt keine Zweifel an der Klasse dieser Senkrechtstarter– doch stille Wasser sind tief und so brodelt weit unten ein Verhaltensmuster, welches für die Band alles andere als leicht zu handhaben ist.

Der Frühling ist über Hamburg eingekehrt und obwohl die beiden Abgesandten von The Middle East – Jordan Ireland und Kollege Rohin Jones – im Büro ihres Labels ausharren müssen, scheint sie nichts und niemand aus der Ruhe zu bringen. Gelassen, fast schon phlegmatisch, gibt ein Blick hinter die Fassade jedoch einiges mehr preis.

„Toll, dass du nicht als erstes nach dem Bandnamen fragst“, bedankt sich Chefschreiber Rohin Jones, während sein Kumpel Jordan ein deutsches Wochenmagazin durchblättert: „Ich habe einige Zeit in Berlin gelebt und immer versucht eure Sprache zu lernen, empfand sie aber als zu schwer. Alle Versuche scheiterten.“

Was dieser verwirrende Gesprächseinstieg zeigt, ist die Tatsache, dass The Middle East immer zig Sachen zugleich mit sich ausmachen müssen: In Queensland/Australien beheimatet, startete die kommerzielle Karriere vor gut drei Jahren mit einer kuriosen EP, die diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient – weil über 50 Minuten Musik auf ihr enthalten sind und doch können sich die beiden nur wage daran erinnern.

„Zum letzten Mal hörte ich das Ding vor zwei Jahren und dachte: Nein, dass müssen wir nicht erneut aufnehmen, lieber etwas komplett Neues“, gibt Jordan ohne Umschweife zu und betont, dass man mit dem aktuellen Debüt „I Want That You Are Always Happy“ viel früher um die Ecke kommen wollte.

Sie könnten halt so unfassbar faul sein, wenn ihnen niemand in den Hintern tritt, ergänzen The Middle East unverfroren:

„Wäre unser Kumpel Mark Myers nicht, wahrscheinlich säßen wir immer noch in Queensland und würde uns überlegen, wann nun endlich der erste Song fertig werden könnte“, lacht Rohin und ergänzt, dass es häufig Myers allein war, der die Jungs durch beständiges Drängel zu motivieren versuchte.

„Einmal gingen wir frühmorgens ins Studio und waren ziemlich übernächtigt – also beschloss ich, dass wir uns eine Auszeit verdient hätten, doch da platzte Mark der Kragen: Wenn wir nicht sofort an die Instrumente zurückgingen, würde er sie in Brand stecken.“

Kurzzeitig habe er sich diese Situation bildlich vorgestellt, gesteht Rohin lachend, doch dann sei bei ihm und Jordan der berühmte Groschen gefallen und sie erkannten die Wichtigkeit der Aufnahmen. Einmal losgelassen, verbrachten sie ein echtes Meisterwerk: „I Want That You Are Always Happy“ ist feinster Folk – gepaart mit Rock-Elementen, psychedelischen Versatzstücken und staubtrockenen Percussions.

Eigentlich der perfekte Startschuss für eine Karriere als Kritikerliebling mit anschließendem „Everybody’s Darling“-Status – jedoch nicht, wenn es nach The Middle East persönlichem Geschmack geht: Die wollen erst mal keine Konzerte geben, sondern nur ihre Ruhe haben.

„Zwei, drei Monate ausspannen und dann legen wir los, reisen um die Welt, absolvieren eine klassische Tour.“

Klingt so knapp formuliert nur wenig anstrengend. Bei genauerer Betrachtung verbirgt sich dahinter aber ein echtes Mammutprojekt – immerhin brauchte es fast drei Jahre, um die beiden Couch Potatoes zu professionellen Musikern umzuerziehen – „…und da haben wir uns wenig Entspannung verdient – findest du nicht?“

Unterbrechen sie mit grinsendem Blick und spontan beschleicht einen das Gefühl, dass sich sie jetzt auch noch über ihre eigenen „Bad Habbits“ lustig machen.

Damit aber niemand auf falsche Gedanken kommt, sei erwähnt, dass The Middle East trotz Slackertums genau wissen, was sie können und den Ball deshalb so flach halten, damit der Druck nicht zu stark auf sie lastet.

Aber was war jetzt mit dem Bandnamen? Welche Probleme gibt es da?

„In den Staaten hatten wir mal Ärger mit der religiösen Rechten, weil die dachten, wir sind Fans von Osama Bin Laden – nur weil wir übersetzt ‚Der mittlere Osten’ heißen. Darum danke, dass du es scheinbar nicht vermutest!“

Gern geschehen.

Aktuelles Album: I Want That You Are Always Happy (Play It Again Sam / PIAS / RTD)
© 01. Juni 2011  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Juni 2011

Links

suche