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HEATHER NOVA - Musikalische Freibeuterin der Karibik

Wer die Biografie und den Hintergrund von Heather Nova, der bermudischen Sängerin, ein wenig kennt, den verwundert der Albumtitel „300 Days At Sea“ nun überhaupt nicht. Nicht nur, dass sie auf einem Boot aufwächst, in ihrer Familie findet sich auch ein veritabler karibischer Pirat. Ganz anders als ihre früheren Aufnahmen, die in London und L.A. entstanden, schreibt sie die Songs für „300 Days At Sea“ in idyllischer insulanischer Isolation. Da muss der alles umgebende Ozean das große Thema sein.

Vertonte Kurzgeschichten

Das letzte Album, das rein akustische „The Jasmine Flower“ stammt aus dem Jahre 2008. Trotz ewig langer Tourneen entflammt Heather Novas musikalische Vision neu und sie schreibt und schreibt und schreibt. Am Ende stehen 12 leichfüßige Popkompositionen, voller Leidenschaft und rockiger und intensiver denn je. Wie vertonte Kurzgeschichten kommen Heather Novas neue Lieder daher. In Analogie zu Hemingway könnten sie mit „Die junge Frau und das Meer“ betitelt werden.

„Ja, absolut, es ist ein Album über den Ozean geworden“, blickt Heather Nova versonnen hinaus auf die Weite des grünen Meers, dass die Bermudas umgibt, „eins über Erinnerungen, über Verlust, aber auch über die Hoffnung. Doch, es ist eine sehr positive Platte geworden.“ Nicht wie von Zauberhand, aber doch vom Zufall gespeist wird Heather Nova von ihrer Kindheit und Jugend eingeholt.

„Letztes Jahr sprach mich in einem Lebensmittelladen ein Mann an“, plaudert sie über die Hintergründe des Liedes ´Turn The Compass Round´, „er war derjenige, der angeheuert wurde, um das an den Klippen zerschellte Boot meiner Eltern zurück auf das Meer zu ziehen. Er hatte den Kompass des Bootes gerettet und wollte ihn mir übergeben. Mitten im laden begann ich zu weinen und die Erinnerungen meine Kindheit waren sofort wieder da. Ich musste das Lied schreiben. Eins über den Zauber jener Tage, über das unglaubliche Abenteuer, auf das uns unsere Eltern mitgenommen hatten. Das symbolische Bild des Kompasses, der über mich den Weg zurück in unsere Familie findet, war sehr stark.“



Rock’n’Roll, wie ihn das Meer machen würde

´300 Days At Sea´ ist trotz des deutlich rockigeren Ansatzes eine behutsame Platte geworden. Man muss schon sehr achtsam zuhören, bei diesen Liedern, die leicht wie Schwebeteilchen im Meer sind. Die darüber hinaus über die beachtliche Magie verfügen, einen in den Sog dieser verzauberten Inselwelt zu ziehen. Doch übersieht der Zauber auch auf den Bermudas die soziale und ökonomische Kluft zwischen den Ethnien.

„Aus der Sicht derer, die sich hier Gangs anschließen, bin nichts anderes, als eine privilegierte Weiße, die beim besten Willen nicht versteht, was sie in ihrer Kindheit durchmachen mussten, um dahin zu kommen ´wo sie heute stehen´“, erklärt Heather Nova das Stück ´Stop The Fire´, „doch ich will verstehen und glaube fest daran, dass Verständnis der erste Schritt zur Problemlösung ist.“

Ein solches Stück muss deutlich wuchtiger und rockiger ausfallen.

„Da musst du die Saiten schon etwas härter anschlagen“, bekennt Heather Nova, „also habe ich die elektrische Gitarre ausgepackt. Und habe, wie es ein Freund von mir ausdrückte, Rock’n’Roll gespielt, wie ihn das Meer machen würde.“

´300 Days At Sea´ lebt von der Entwicklung, die Heather Nova jedem Stück gesteht. Es ist ein reifes Werk mit wunderschönen Melodien, tief empfundener Emotion. Abwechslungsreich und intensiv.

Aktuelles Album: 300 Days At Sea(Embassy of Music / Warner)
© 01. Juni 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Juni 2011

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