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BEASTIE BOYS - Ü40-HipHopper par excellence!

25 Jahre nach dem Durchbruch mit „Fight For Your Right To Party“ vom von Rick Rubin produziertem Album „Licenced To Ill“ sind die Beastie Boys immer noch Chartfähig. „Hot Sauce Committee Part Two“ stieg umgehend von Null auf Vier in die deutschen CD-Charts ein. Dabei hätte es dieses Album fast gar nicht gegeben....

Adam „MCA“ Yauch (b) Michael „Mike D“ Diamond (dr) und Adam „AdRock“ Horovitz (git) gelten seit den o.g. VÖs nicht nur als Trendsetter, sondern sie engagieren sich zudem seit Jahren in humanitären Bereichen, z.b. für die Rechte der Frauen bzw für die Befreiung Tibets. Derzeit setzen sich die HipHopper jedoch besonders mit ihrem achten Studioalbum virtuos in Szene. Beziehungsweise haben sie Letzteres eigentlich bereits vor über zwei Jahren getan, denn „Hot Sauce Committee“ war bereits für den Herbst 2009 eingeplant gewesen. Doch kurz nach der Ankündigung des Longplayers stellte sich heraus, dass der praktizierende Buddhist Yauch an Ohrspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. Konsequenterweise wurden alle Aktivitäten gestoppt, Yauch operiert und bestrahlt. Die Herausgabe des achten Studioalbums „Hot Sauce Committee Part 1“ wurde auf Eis gelegt. Im März gab das Trio dann bekannt, dass das lang erwartete Werk nun im Mai als „Part 2“ erscheinen würde. Zeitgleich solle ein Film namens „Fight For Your Right Revisited“, in dem „die jungen Beasties“ um „Brooklyns Straßenecken“ ziehen und auf ihre „Alter Ego-Boys“ aus der Zukunft treffen, z.B. via Tape.TV auf den Markt kommen. In dem halbstündigen Machwerk geben sich die nunmehr gereiften Musiker die Möglichkeit, mit den “gräulichen“ Taten ihrer vergnügungssüchtigen Jungspund-Egos abzurechnen. Nicht nur pc, sondern auch ein Beleg dafür, das den in Ehren ergrauten Spaßvögeln der Schalk noch immer im Nacken sitzt. Da tragen auch Statements wie „Sieh doch, ich trage einen Schlips, einen Blazer, und alles...“ nicht dazu bei, die drei Herren „seriöser“ erscheinen zu lassen. Auch wenn die B-Boys sich mittlerweile erwachsen fühlen (möchten), wie sie unisono in ihren namentlich nicht dezidiert gekennzeichneten, nun publizierten Statements zum Ausdruck bringen...

Was bedeutet der Albumtitel?

„Das können wir so nicht sagen. Es ist eher ein Code für verschiedene operative Manöver...“.

Warum trägt das neue Werk den Zusatz „Teil 2“? „Wir haben eine Menge an Songs aufgenommen. Als wir die Arrangements machten, beschlossen wir, daraus zwei Alben zu machen. Die verschrobenen Songs wollten wir in die richtige Richtung bringen, und noch mehr verschrobene Songs hinzufügen, um daraus den zweiten Teil für unseren ersten Teil zu kreieren.“

Entwirren wir die nackten Fakten: Im konkreten Fall heißt das, `Pt 2´ besteht aus denselben Tracks, die bereits 2009 für `Pt 1´ eingeplant waren. Die ursprünglich für `Pt 2´ geplanten wurden zurückgestellt, um Platz für das ehemalige `Pt 1´-Material zu schaffen. Sehr verwirrend, wie die enthaltene Musik. Und doch ganz einfach: Die Reihenfolge der ursprünglich 18 Songs wurde modifiziert; nunmehr gibt es 16 CD-Tracks plus 2 als Bonus für die Vinyl-Edition. Großartig überarbeitet oder verändert wurde angeblich nichts. Der Aufwand für geladene Gäste hielt sich ebenfalls in Grenzen: Santigold (eigentlich Santi White), eine ursprünglich aus Philadelphia stammende Sängerin, half, einen wunderschön groovenden Dub-Track namens „Don´t Play No Game That You Can´t Win“ zu einem wahren Highlight des Gesamtwerkes zu gestalten. Und neben dem hymnisch-parolenhaften Single-Hit „Make Some Noise“ dürfte besonders „Too Many Rappers – New Reactionaries Version“ ins Gewicht fallen. Denn für diesen Song kam es zu einer Kooperation mit NAS (Nasir Jones, einem Rapmusiker aus New Yorks Kriminalitäts-Brennpunkt Queensbrigde.

„Wir sind Fans von NAS seit seinem ersten Album `Illmatic´ (gilt seit seiner VÖ im Jahre 1994 als HipHop-Meilenstein - Anm. d. Verf.). Er war gerade dabei, ein neues Album aufzunehmen, als wir ihn fragten, ob er etwas zu unserer Musik beitragen möchte. `Klar, auf jeden Fall´ war seine Replik, und so sandten wir ihm ein Stück, von dem wir dachten, es würde musikalisch passen, obwohl es sich unterscheidet von dem, was er sonst so macht.“

Da drängt sich die Frage auf, wo die B-Boys ihr Werk selbst sehen...

„Das neue Album ist konzipiert als Vorläufer für `Licensed To Ill´. In der Geschichte der Beastie Boys fällt die Thematik von `Committee´ in den Zeitraum nach unserer ersten Hardcore-Platte `Polly Wog Stew´ (EP aus 1982), und vor`Licensed To Il´ (1986)!“

Wie sehen sich die HipHop-Pioniere nach Altersschock, Krankheit und dergleichen selbst?

„Ich finde, wir sind ehrliche, tüchtige Leute. Und teilweise erotisch, sexy für uns. Was Du als sexy empfindest, müssen ja andere nicht ebenso empfinden. Wir sind hartgesotten, abgebrüht, wahrscheinlich kreativ und sensibel. Es gibt eine Menge verschiedener Worte, mit denen ich um mich werfen könnte, um uns als Band zu beschreiben.“

Okay, verstanden: Die Lebenssäfte fließen noch, und die Beastie Boys sind trotz ihres für HipHopper subjektiv biblischen Alters immer noch scharf genug für ein schepperndes, innovatives, rockendes Rap-Album. Ohne Frage ist „Hot Sauce Committee Part Two“ stilistisch klar ein Beastie Boys-Werk in einer Reihe mit „Licensed To Ill“ und dem 1994er „Ill Communication“ (inklusive Smash-Hit „Sabotage“). Das neue Werk könnte, nach etwas „schwächelnden“ direkten Vorgängern, endlich den Platin-Reigen der erfolgreichsten Beastie-Alben fortsetzen. Denn trotz aller bekannten Stilistiken bietet das Machwerk eine Fülle an Überraschungen. Sehen sich die Beastie Boys denn nach einer insgesamt über 30jährigen Karriere noch immer als Reporter des „Lebens der Straße“?

„Im Kern sind wir, wie viele andere HipHopper und MCs auch, Straßenreporter. Wir verkünden, schreiben und dokumentieren, was wir sehen, oder was wir wahrnehmen...“

Stets pc, aber nicht immer bierernst, wie mir scheint...

Aktuelles Album: Hot Sauce Committee Part Two (Capitol)
Weitere Infos: www.beastieboys.com
© 02. Juni 2011  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Foto: Vanya Edwards
Juni 2011

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