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ROGERS - Eine Ode an die Querdenkerei

Kein Genre wird so seit über 30 Jahren so penetrant immer wieder für tot erklärt und keine andere Bewegung ruft so viele Unkenrufer auf den Plan wie Punkrock: The Clash wurden zu erfolgreich und fielen dem schnöden Mammon anheim, Joe Strummer wurde erst wieder gnädig beäugt, als er mit den viel erfolgloseren Mescaleros durch die Lande zog, alle 77er Helden sind zu müden alten Säcken verkommen, wenn sie nicht das Glück hatten, ikonenhaft früh zu sterben.

Und deutsche Punkrockbands – ich bitte Euch, die Zeiten als Slime sich authentisch über linke Spießer erbosten und Normahl lieber an die Unschuld einer Hure, als die Gerechtigkeit der deutschen Justiz glaubten, liegen mittlerweile mehr als eine Generation zurück. Was bleibt also noch?

Gott sei Dank, gibt es noch jene Bands und jene Fans, die die eigentliche Unwiderstehlichkeit von Punkrock begriffen haben: Bedingungslose Freiheit und Engagement, kritisches Querdenken und Courage – das ist Punkrock, ihr kleinen buntgefärbten Pisser aus guten Hause, die Ihr so gerne einen auf räudig macht, weil Ihr glaubt, es sei schick.

Eine der Combos, die durch einen wohlverdient wachsenden Bekanntheitsgrad von sich reden machen, sind die Rogers aus Düsseldorf – sie geben weniger auf Attitude als vielmehr auf anbetungswürdigen Sound, harte Riffs, kritische Texte und eine Stimme, die alles kann. Im Juli erscheint ihr neuestes Album ´Nichts zu verlieren´ bei People Like You und ich hatte die Gelegenheit, mich ein bisschen mit Artur zu unterhalten.

Ihr spielt ja schon länger zusammen, aber seit 2010 ging es eigentlich so richtig los mit Euch, oder?

„Wir kennen uns eigentlich schon aus der Schule, aber irgendwie haben wir es nie hingekriegt, einen zuverlässigen Drummer zu finden, das waren immer nur so temporäre Geschichten, bis irgendwann glücklicherweise Simon zu uns stieß, und mit ihm kam die Sache so richtig in Schwung. Seitdem wir bei ´People Like You´ sind, veröffentlichen wir alle zwei Jahre ein neues Album und ich finde, das ist so der normale Zyklus, schließlich gehen wir auch noch normalen Jobs nach.“

Ihr habt bereits mit Bands wie Pennywise, Slime, Rise Against, Flogging Molly und den Broilers die Bühne geteilt. Wie hat sich das angefühlt?

„Wir konnten es manchmal gar nicht fassen, dass wir da tatsächlich mit Pennywise oder Rise Against zusammen spielen. Es ist ja nun mal für uns als Musiker auch ein großes Kompliment, da diese Bands natürlich auch ein Mitspracherecht haben und sie unsere Musik wohl gut finden, wenn sie uns als Vorgruppe akzeptieren. Die meisten von denen waren sehr nett und wir hatten echt eine Menge Spaß. Einige waren aber leider auch echt arrogant und haben die Nase ziemlich hochgehalten, eigentlich die, von denen wir es am wenigsten erwartet hätten, das war auch eine Erfahrung, aber die hätte man sich auch sparen können.“

Um auf die Broilers zurückzukommen, viele Leute behaupten, Ihr hört Euch ein bisschen so an wie die, ich hingegen finde, dass Ihr stellenweise sogar ein wenig an die Toten Hosen erinnert. Wie findet Ihr solche Vergleiche?

„Ich glaube, es gibt dieses Phänomen, dass Bands, die aus der gleichen Gegend oder wie in unserem Fall aus der gleichen Stadt kommen, sich oft ähnlich anhören, weil sie tagtäglich den gleichen Eindrücken ausgesetzt sind, an den gleichen Straßenecken und Häuserfronten vorbeikommen und all diese Dinge. Das prägt natürlich auch das Lebensgefühl und somit den gesamten Stil. Mit den Broilers haben wir witzigerweise jahrelang quasi Tür an Tür geprobt haben, ohne überhaupt zu wissen, um wen es sich da eigentlich handelt.“

Ihr unterstützt die Umweltorganisation “Sea Shepherd” – Was hat es damit auf sich, wofür stehen die?

„´Sea Shepherd´ ist eine internationale Meeresschutzorganisation, die sich für den Schutz maritimen Lebensraumes einsetzt, zum Beispiel gegen illegalen Walfang, der ja gerade in Japan immer noch ausgiebig betrieben wird. In ihren Methoden sind sie sehr radikal, aber tun trotzdem keinem weh. Sie blockieren zum Beispiel Walfangflotten mit ihren Schiffen und benutzen auch Wasserwerfer, aber sind nicht militant. Es handelt sich um Freiwillige, die keinen Cent für Ihr Engagement bekommen, nur Verpflegung wenn sie teilweise wochenlang auf diesen Schiffen unterwegs sind. Uns war wichtig bedenkenlos für ihre Arbeit einstehen zu können, und das tun wir (checkt www.seashepherd.org).“

Tja,und all Jenen die Lust auf eine wirklich gute Punkrockshow haben, ist das Glück hold: Die Rogers kommen auf Tour, u.a.mit den schwedischen Punk’n’Roll Helden The Bones.

(facebook.com/RogersPunkrock)

Aktuelles Album: Nichts zu verlieren (PeopleLikeYou)
© 01. Juli 2015  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Juli 2015

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