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ABSYNTHE MINDED - Der Wahnsinn, der das Herz zerfrisst

Yeah, bei Absynthe Minded denkt Ihr an die grüne Fee, Gaudi, der von der Straßenbahn überfahren wurde, an Rausch und Wahn...Gähn, es ist wirklich zum Verrücktwerden, wie ein einzelnes Wort ganze Assoziationsketten in Gang setzt...Okay, putzt Euer Hirn durch und hört zu. Absynthe Minded dürften wohl das Wildeste und Vielseitigste sein, was sich derzeit im Musikzirkus rumtreibt. Fünf Jungs aus Belgien, die in erster Linie eins sind: Nicht einzuordnen!

Was bei ich bei weniger interessanten Bands sofort als mangelnden Stil verurteilen würde, nenne ich hier Einzigartigkeit. Sie dröhnen, klimpern, scheppern und jaulen drauflos, dass sich die Ohren biegen und man ins Zweifeln gerät, wirklich nur fünf Sinne zu haben. Der Bandname ist Programm. Wie Bert es sehr treffend umschreibt: Man ist da und doch woanders - Den Kopf in den Wolken und die Gedanken in weiter Ferne. Eine eigene Welt von unterschiedlichsten Stilrichtungen tut sich auf und man hat nicht eine Sekunde das Gefühl, dass Bert und die anderen, irgendetwas anderes tun, als das, was ihnen gerade in den Sinn kommt.

„Natürlich waren wir auch von der Legende, die sich um Absinth rankt, angetan: All diese Künstler, die diese wirklich starke Zeug getrunken haben und dem Wahnsinn anheimgefallen sind. Sehr düster und verrückt.“

Ihre Heimatstadt Gent ist dafür bekannt, dass jeder, der ein Instrument halten kann, in einer Band spielt. Eine Stadt, die pulsiert, wo Verfall und Pracht einträchtig Hand in Hand gehen und in der jedes Jahr ein Musikspektakel der Extraklasse stattfindet: das Gentse Feesten, auf dem sich auch Absynthe Minded Jahr für Jahr ein Stelldichein geben.

Kein Wunder also, dass eine außergewöhnliche Band wie diese, hier ihre Blüten treiben kann.

Aber weit gefehlt: „Wir sind eigentlich die ganze Zeit immer nur auf Tour oder im Studio. Es ist echt selten, daß wir mal zu Hause sind und auch in Gent ausgehen. Aber es stimmt schon. hier gibt es unglaublich viele Bars in denen Live Musik gespielt wird und das hat natürlich auch dazu geführt, dass wir schon früh mit vielen unterschiedlichen Musikrichtungen in Kontakt gekommen sind. Aber wir sind kein fester Bestandteil der dortigen Musikszene.“

Von ihrem anarchistischen Stilmix mal ganz abgesehen, fällt einem die Diskrepanz zwischen dem fluffigen, flotten Sound und den sehr nachdenklichen und stellenweise negativen Texten auf. Besonders ‚Nowhere to go‘ ist mit Rockabilly Beats getupft, kommt in allerbester swingender Oldschool Absynthe Minded Manier daher und verleitet zum rumwippen, während die Lyrics eine ganze andere Sprache sprechen:

„Unsere Texte sind reflektiv. Wir halten die Augen offen, und gucken was um uns rum passiert. Es sind so viele schräge Leute auf der Straße unterwegs und ‚Nowhere to go‘ handelt von einem, der nicht allein sein kann und ständig Gesellschaft braucht, aber sich auch dann wie der letzte Nerd benimmt. Einer dieser Menschen, die einen aussaugen, weil sie ständig Aufmerksamkeit brauchen und besitzergreifend sind. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Song über die, die Trost im Alleinsein finden und sich selbst die beste Gesellschaft sind.“

Absynthe Minded haben erst kürzlich bei Universal unterschrieben und sind damit bei einem der Labelriesen gelandet. Für Geld,Gold und Glück?

„In erster Linie haben wir uns für den Deal mit einem Major entschieden, weil wir die Möglichkeit haben wollten, mehr international zu touren und nicht die ganze Zeit immer nur in den Beneluxländern rumzudümpeln. In Belgien haben wir alles selbst gemacht, aber wir verstehen uns als europäische Band, wir wollen nicht britisch, skandinavisch oder sonstwas klingen. Wir sind von so vielen unterschiedlichen Richtungen inspiriert: wie zu Gypsie oder generell der Musik Südeuropas und wir möchten deswegen durch ganz Europa touren und die Menschen dort auch erleben. Dafür sind die Vorraussetzungen jetzt ideal und das war uns wichtig.“

Wie immer gehört das letzte Statement der Band.

„Hey kommt zu einem unserer Konzerte. Wir werden versuchen, was Besonderes draus zu machen. Wir sind nicht just another Popband. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich denke Ihr solltet es versuchen.“

Die Atmosphäre, die Absynthe Minded umgibt, hat etwas Mysthisches: Es wäre der perfekte Soundtrack zu einem Tag in Barcelona 1936: Eine Zeit, als Hemingway und Orwell noch hoffnungsvoll und jung waren und Energie und Idealismus sich ihren Weg durch Zerstörung und Niedergang bahnten.

Aktuelles Album: There Is Nothing (Universal)
© 01. Juni 2007  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Juni 2007

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