interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
TIGER ARMY - Never Die

Kreischende Mädchen, verschwitzte ekstatische Fanscharen, ausverkaufte Hallen: Die neuen Psychobilly Popstars heißen Tiger Army!! Die Combo um Nick 13 haben sich einen Hype zu eigen gemacht, der derzeit in den Staaten grassiert: 28 Jahre nach seiner Schöpfung ist Psychobilly wieder eine der angesagtesten Subkulturen überhaupt. Und Tiger Army machen sich auf, zu einer Kultband zu avancieren. Es begann alles 1995 in Good Old Germany...Ein hoffnungsvoller junge Amerikaner geriet in München unter die Räder, sprich auf ein Psycho-Festival. Dieses ging in die ´Analen´ der Szenegeschichte ein, und nein, ich habe hier kein ‚N‘ vergessen: Demented are Go waren Headliner und Freund Sparky erfreute die veehrte Fangemeinde damit, dass er sich einen Plastikfisch in den Arsch schob und dann ins Publikum warf. Remember the times, when Psychobilly still was exciting!!
Dieses Intermezzo schien auch auf Nick (den hoffnungsvollen Ami) einen bleibenden Eindruck gemacht zu haben, denn er flog zurück mit dem festen Willen, Schmutz und Schande über sein Land zu bringen:

„Deutschland war eine wichtige Erfahrung. Ich wollte die Band schon vorher gründen, aber als ich dann zurück kam, Musste ich es einfach tun. Deswegen sind wir auch sehr froh, dass wir hier einige Gigs hatten. Wir hoffen, im nächsten Jahr wiederzukommen.“

Naja, der Fisch alleine war es wohl nicht.

„In den Achtzigern war ich Skatepunkmäßig unterwegs und stand total auf die Cramps. Später kriegte ich das erste Meteors Album in die Finger, ohne zu wissen, dass dahinter eine ganze Musikwelt steckt.“

Die Sunnyboys aus SoCal haben längst einen Status erreicht, von dem alte Ikonen wie Sunny Domestoz, Demented Are Go oder sogar die Meteors von der kommerziellen Seite betrachtet, nur träumen können. Klar spielt eine Rolle, dass die drei Jungs sich den Arsch abtouren und fast das ganze Jahr unterwegs sind:

„Wir arbeiten härter als andere Psychobands, mit Ausnahme der Meteors. Wir geben uns nicht mit ein paar Festivals im Jahr zufrieden, wir haben eine Europatour hinter uns, Australien steht auf dem Programm und hoffentlich auch noch Japan.“

Ein anderer wesentlicher Aspekt ist aber bestimmt auch, dass Tiger Army nicht als Hardliner in Sachen Psychobilly unterwegs sind. So begrüßt Nick auf Konzerten Hardcore Kids, Punks, Gothics, Skins, Daisy Duck und alles was sonst noch auf der Straße rumhängt: Sehr zum Verdruss der Psychos, die immer eine sehr abgeschottete Szene darstellten und auf eine, nicht für jeden nachvollziehbare Art und Weise elitär waren. Wenn ein mit Emily Strange Dekor behängtes MTV-Punkmäuschen vor mir auf und ab hüpft und vor Aufregung quietscht, weil es die Chance hat, das erste Mal Tiger Army sehen zu können, muss ich mich schwer zusammenreißen, nicht sehnsüchtig an Zeiten zurück-zudenken, als man man noch echter Underground war.

Man will offen bleiben und sich nicht auf eine Szene limitieren. Limitieren wollen sie sich eh nicht. Weder bei den Fans noch bei musikalischen Einflüssen:

„Wir sind von allem zwischen New Order und Judge inspiriert.“

Klar, alte Helden wie Guana Batz, Long Tall Texans, Frantic Flintstones etc. verstehen sich von selbst. Derzeit bestehen sie gerade ihre Feuerprobe auf der diesjährigen Vans Warped Tour. Sie spielen Main Stage und jeder, der auch nur ein bisschen Rock‘n‘Roll in den Knochen hat, weiß, dass dies eine ziemlich große Sache ist. Selbst ein smarter Typ wie Mr. 13 kann nicht umhin, sich ein bisschen flau zu fühlen:

„Ey Mann, wir sprechen davon zwei Monate lang fast jeden Tag zu spielen, und das bei einer unglaublichen Hitze. Das sind extreme Bedingungen und eine große Herausforderung.“

Ihre neue Scheibe ‚Music from Regions beyond‘ wird sehnsüchtig erwartet und ehrfürchtiger gehütet als die Kronjuwelen. Ich fühle mich quasi erleuchtet, dass ich zu den Wenigen gehörte, die mittels eines Geheimzugangs mal reinhören durfte. Bei allem Genöle um Staralluren, muss man auch gerecht bleiben: „When it comes to rockin‘ they are the kings“.

Sie haben die Bühne bereits mit all denen geteilt, die sie früher toll fanden: Social Distortion, Morrissey, AFI, um nur einige zu nennen. Gar niemand mehr, mit dem man gerne spielen würde?

„Um die Frage zu beantworten muss ich mir wohl einen rauspicken, der nicht mehr unter uns ist...Hmm, Roy Orbison vielleicht...“

Tja, sagt was ihr wollt, aber Nick 13 ist so cool, dass gerade meine Zunge dran kleben geblieben ist.

Aktuelles Album: Music From Regions Beyond (Epitaph)
© 01. Juni 2007  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Juni 2007

Links

suche