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SATELLITE PARTY - "Der Kapitalismus wird die Welt retten."

Satellite Party, das neue, frischgebackene Projekt von Perry Farrell ist im Grunde ein Musical, eine Geschichte, die mit musikalischen Mitteln erzählt und fortgeschrieben wird und in der es um nichts Geringeres geht, als um eine grundlegende Revolutionierung der Welt.

“Stell dir Folgendes vor: Es gibt da diese Gruppe von Leuten, keine gewöhnlichen Leute sondern Philanthropen, Künstler und Extremsportler. Sie nennen sich selbst 'The Solutionists', da sie auf der Suche nach revolutionären Lösungen sind; Lösungen die Welt und den Kosmos betreffend. Zu diesem Zwecke haben sie eigens einen Think-Tank eingerichtet, der es ihnen erlaubt, über eine Vielzahl medialer Knotenpunkte mit der Welt in Kontakt zu treten und überall Lösungen anzubieten, wo diese dringlich vonnöten sind. Eines Nachts erscheint ihnen im Traum Jim Morrison und versichert seinen himmlischen Beistand. Zu diesem Zweck lädt er sie ein, sich zu ihm in den Himmel zu begeben und an einer großen, hedonistischen Party teilzunehmen: The Satellite Party.”

So beschreibt Perry Farrell den Plot jener musikalischen Erzählung, die er beileibe nicht als bloße Fiktion verstanden wissen möchte. Satellite Party sei, so Farrell, keine Band, kein herkömmliches musikalisches Projekt, sondern im Kern der Versuch einer Revolution mit künstlerischen Mitteln, der Versuch, mit Hilfe einer ganzheitlichen Konzeption die Welt zu verändern. Die Idee zu dieser kolossalen Unternehmung, deren ungewöhnlich weiträumige Zielsetzung sich auch in anderen Projekten Farrells wiederfindet - man denke nur einmal an das von ihm ins Leben gerufene Lollapalooza-Festival - entstand vor ungefähr drei Jahren:

“Nachdem sich Janes Addiction wieder einmal aufgelöst hatten und die Arbeit an Lollapalooza für dieses Jahr beendet war, saß ich tagelang alleine im meiner Garage. Nun hatte ich diesen Song, diesen einen Song, den ich mir die ganzen Jahre über aufgespart hatte und der zufällig den Titel ‘Ultra Payloaded Satellite Party’ trug. Und so nahm ich dieses Lied und schuf daraus ein ganzes Universum von Ideen: ein Film ist in Planung, einige Theaterstücke wird es geben und nicht zuletzt plagt mich die Vorstellung einer globalen Party.”

Das musikalische Fundament all jener Unternehmungen erscheint freilich schon dieser Tage: ‘Ultra Payloaded’, so der Titel jenes Albums, auf dem neben Farrell und seiner Frau zahlreiche namenhafte Gastmusiker vertreten sind und dessen Musik man als eine hybride Mischung aus Big Beat und Rock beschreiben könnte. Was hierbei zählt ist allein die große Geste, das große Spiel auf der Klaviatur globaler Emotionen. Dazu wartet etwa der Filmkomponist Harry Gregson-Williams (Chronicles of Narnia) mit einem ganzen Symphonieorchester auf, Peter Hook und Flea spielen Bass und Fergie von den Black Eyed Peas verschenkt Herz, Seele und Stimme, um ihren Teil zur musikalischen ‘Revolutionsolution’ beizutragen. Die Ehre des Most Valuable Player gebührt in diesem Reigen prominenter Mitstreiter jedoch ganz allein Jim Morrison:

“Ich bin ein alter Freund der Doors und ihres Managements und so bin ich einfach zu ihnen gegangen und habe sie um Erlaubnis gebeten, etwas von dem wenigen noch unberührten Material verwenden zu dürfen. Nach einem langen Prozess der Annäherung haben sie mir letztlich gestattet, diese unglaubliche und noch völlig unbekannte Gesangsaufnahme von Jim Morrison zu verwenden und ich habe daraus dann den Song 'Woman In The Window' gemacht, der ja im Hinblick auf das ganze Album eine Art Schlüsselfunktion erfüllt.”

Es ist beileibe kein Zufall, dass eben dieser Song zur Hymne und zum Markenzeichen der weltweit agierenden Global Cool Organization geworden ist. So sieht Farrell in dieser bewußten Indienstnahme seiner Musik die Möglichkeit zur Lösung globaler Probleme; ein Anliegen, das ihn jüngst sogar über die Schwelle der Downing Street Nr. 10 getragen hat.

“Wir sind dort einfach durch die Tür marschiert, mit diesem Song in der Hand. Wir wussten dass das klappen würde, denn Tony Blair ist schließlich ein großer Doors-Fan. Naja, und nebenbei hatten wir auch einige der bedeutendsten Kapazitäten auf dem Felde der Klimaforschung und zudem den Betreiber eines der größten Hedge Fonds der Welt im Gepäck. Was einem zeigt, dass die Zusammenarbeit von Ökonomie, Wissenschaft und Kunst durchaus fruchtbar sein kann und durchaus helfen könnte, Probleme wie den Klimawandel einzudämmen. So witzig sich das auch anhören mag, aber ich denke, dass auf diese Weise der Kapitalismus die Welt retten wird.«”



Aktuelles Album: Ultra Payloaded (Sony/BMG)
© 01. Juni 2007  WESTZEIT ||| Text: Bastian Stoppelkamp
Juni 2007

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