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DEAD GUITARS - Die Zeiten überdauern

Wenn eine Band in Neil Youngs Top 300 der ‚Living with War‘ Songs aufgenommen wird, ist das eine Ehre, die nur wenigen zuteil wird und deutschen Bands in der Regel schon mal gar nicht. Eine gute Gelegenheit zu einer Combo von größenwahnsinnigen Arschgesichtern zu mutieren oder ebenfalls eine gute Gelegenheit sich einfach nur geehrt und erfreut zu fühlen, dass der gute Mr. Young ihren Tunes gelauscht hat. Die Jungs, von denen hier die Rede ist, gehören natürlich zu den Letzteren: die Dead Guitars!! Drei Musikmaniacs, die gewohnt sind, Aufmerksamkeit direkt aus dem Producer Olymp zu bekommen. Keine Geringeren als Dave Allen (The Cure) oder Gareth Jones (Depeche Mode) gehörten zu den Fans ihrer Vorgängerbands Twelve Drummers Drumming, die in den Achtziger Jahren als ‚die innovativste deutsche Band‘ gefeiert wurde und Convent, die ebenfalls zu den Größen einer Zeit gehörte, als der Begriff Alternative Pop gerade dabei war sich zu etablieren und noch für Authenzität bürgte.

Wenn mann so erfolgsverwöhnt ist, stellt sich die Frage, mit welchen Erwartungen man das Wagnis einer Bandneugründung angeht: Will man an alten Ruhm anknüpfen oder sich die Chance eine kompletten Neuanfangs geben? Carlo, Sänger der Dead Guitars und Ex-Convent-Stimme sieht es lakonisch:

„Wir haben uns unter der Premisse zusammengetan, Musik zu machen. Das war unser Hauptanliegen. Sicher haben wir früher mit beiden Bands vor ausverkauften Hallen gespielt, wie zum Beispiel in der Großen Freiheit in Hamburg oder dem Aladin in Bremen, aber das waren auch andere Zeiten, da wurde für den Indie Bereich ja auch noch mehr im Radio gemacht. Ab Mitte der Neunziger war es ja dann auch verpönt Indie-Musik zu hören, weil ja alle nur noch auf Grunge standen. Bei unserem neuen Album haben wir mit soviel positiver Resonanz gar nicht gerechnet. Wir haben gedacht, das ist eine schöne Scheibe und mehr nicht. Das Feedback ist überwältigend.“

Ein bisschen erinnert der Sound an New Order. Aber die gehörten nicht zu den expliziten Favourites, obgleich Carlo sie allein deswegen schon in guter Erinnerung behalten hat, weil man auf deren Musik tanzen durfe, ohne peinlich rüberzukommen.

Nein, die Dead Guitars bedienen sich typischer Achtziger Elemente, wie melodiösem Bass, verzichten aber auf jeglichen Schnickschnack, die Scheibe ist extrem plain gehalten: keinen Loops die durch die Songs sirren, keine elektronischen Effekte, dafür überwältigende Gitarrensoli, eine Stimme, die über jeden Song wogt und es nicht nötig hat, sich zu erheben. Es wird nicht gedrückt, gequetscht und gezogen, bis einen das Bedürfnis überkommt, einen Zahn auszuspucken. Wenn man stattdessen einen Song von achteinhalb Minuten hinkriegt ohne seine Hörerschaft in Tiefschlaf zu versetzen, dürfte das wohl einem Ritterschlag gleichkommen. Ein Leichtes, wenn der Gitarrist einer der Besten ist, den die deutsche Musikszene vorzuzeigen hat.

Trotz der großen auch internationalen Begeisterung streben die Dead Guitars nicht zu einem Majorlabel. Sie ziehen es vor, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ihre Musik mögen, statt von einem Labelgiganten durchgeheizt zu werden. Derzeit haben sie ihr musikalisches Zuhause auf Echozone gefunden und sind dort vollkommen zufrieden:

„Echozone sind sehr engagiert und wir fühlen uns dort bestens aufgehoben, dort gab es eben auch jemanden der unsere Musik, in dem Fall Convent mochte. Mit Hardbeat haben wir einen richtig guten Promoter gefunden und es arbeiten mittlerweile so viele Leute daran, daß wir total gespannt sind, wo das hinführt. Viele aus dem Business kenne ich ja auch noch aus einer Zeit, als ich noch mit meiner eigenen kleinen Plattenfirma, Red Sun Records aktiv war. Also viele alte Bekannte, die jetzt sehr motiviert sind und auch ganz angetan von unserem Album.“

Puuh, die Frage, nach Inspirationsquellen gestaltet sich schwierig, wenn das Gegenüber eine schwindelerregende Plattensammlung sein eigen nennt: Die frühen Cure wären da zu nennen, aus jenen goldenen Zeiten, als statt Friedhofsgeschleiche noch Punkrock angsagt war, David Bowie und Jim Morrison.

Aber auch aktuelle Bands wie z.B. die Kaiser Chiefs finden Anklang:

„Ich find‘ deren Sachen wirklich gut und ich denke in ein paar Jahren, wenn der Hype vorbei ist, werden sie immer noch dated sein und man wird sich an sie erinnern.“

Naja, wie gesagt, bei viereinhalbtausend Vinylscheiben dürfte die Inspiration eine nie versiegende Quelle sein.

Aktuelles Album: Airplanes (Echozone/ SPV)
© 01. Juni 2007  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow ||| Foto: Maier!
Juni 2007

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