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SHOUT OUT LOUDS - Anziehende Gegensätze

Dunkle, kräftige Töne in Moll prägen das musikalische Schaffen unzähliger skandinavischer Formationen. Diese Musik dient oft als Soundtrack für düstere Wintermonate. Die Shout Out Louds aus Stockholm, Schweden, haben gerade ihren Major-Plattendeal verloren, und Sänger Adam Olenius komponierte die Tracks der neuen CD im Winter. Herausgekommen ist überraschenderweise ein fabelhaftes Sommer-Album! Die Westzeit eruierte...

„Ich habe wirklich die meisten Songs im Winter komponiert“, beteuert Olenius, neben den Vocals noch für Gitarre/ Percussion zuständig, im Interview.

„Keine Ahnung, warum es so sommerlich klingt. Das Album hat zudem etwas von einem Kino. Manchmal sehe ich es wie einen Film!“

Wer „Our Ill Wills“ im Dunkeln hört, sieht mit dem inneren Auge latent sicher Robert Smith, den Sänger der englischen Vorzeige-Düstermänner von The Cure.

„Ich denke nicht darüber nach, aber einige Leute haben mich bereits darauf angesprochen, dass meine Stimme klingt wie jene von Robert Smith. Ich stimme dem zu. Meine Stimme klingt so, ich kann sie nicht ändern. Diesen Vergleich nehme ich als Kompliment, denn ich mag The Cure. Smith ist ein großer Songwriter!“

Der Name Smith, im Plural, prägte den CD-Track „Meat Is Murder“, denn Olenius ist kein Vegetarier.

„´Meat Is Murder´ ist der Name des zweiten Albums von ´The Smiths´, dennoch hat der Song nicht wirklich etwas damit zu tun. Lediglich der Titel. Leider fühle mich mich nicht in der Lage, dezidiert darüber zu reden. Es ist alles zu persönlich. Inhaltlich geht es darum, welche Hilfe man durch Musik erfahren kann... .“

Bei der Produktion der Musik wird nicht immer geholfen. Die Shout Out Louds wurden kürzlich vom EMI-Konzern ´gedroppt´.

„Für den Rauswurf gab es keine Gründe. Wir standen bei der EMI in Los Angeles unter Vertrag, letztendlich waren wir nur eine ´kleine´ Band. Sie feuerten eine Menge der Leute, die mit uns gearbeitet hatten. Nun haben wir unseren Frieden, unsere Kontrolle zurück. Ich war zwar glücklich mit den Leuten, die direkt mit uns arbeiteten...aber soetwas passiert. Unsere Musik ist letztendlich der Gewinner! Die neue Produktion ist viel ´größer´, erdiger, es ist mehr Leben in den Arrangements, es gibt mehr kleine Details. Doch das Album ist nicht experimentell, es ist einfach auf der emotionalen Ebene. Ich möchte damit sagen, es ist verträumter.“

Dazu passt die Stimme von Bebban Stenborg (Piano, Orgel, Moog, Glockenspiel) vorzüglich.

„Bebban hat den Song komponiert, also singt sie ihn auch. Anfangs etwas schüchtern, sind nun eigentlich alle auch in die ´backings´involviert.“

Das schließt Ted Malmos (Bass), Eric Edman (Drums), jedoch besonders Carl von Arbin (Gitarren, Harfe) mit ein. Zusammen haben sie mit „Tonight I Have To Leave It“ eine hervorragende Single am Start.

„Egal, ob Major oder Indie, ich glaube, ´Tonight´ ist ein toller Song. Ich mag es, wenn unsere Lieder gehört werden, gerne natürlich das gesamte Album. Wir schreiben Popsongs, die ich gerne auch im Radio hören würde. Geld kann dir in dieser Situation nicht wirklich helfen. Die Frage, ob es ein Erfolg wird, kann ich nicht beantworten.“

Dafür kann Olenius die Bedeutung der „Ill Wills“ problemlos erläutern.

„´Kranke Wünsche´ sind...böse Gedanken! Der Albumtitel spiegelt für uns unsere dunkle Seite wider. In der Musik ist es einfach, rechtschaffend zu sein. Genauso einfach ist es, in der Musik ´böse´zu sein. Unsere Musik ist irgendwie beides. Es kommt darauf an, in welcher Stimmung wir beim komponieren gerade sind. Zwischen den Worten und der Musik besteht ein großer Kontrast. Darüber bin ich glücklich, doch es war nicht geplant. Ich sehe es mehr als Popmusik im klassischen Sinn. Die Musik sollte ein zeitloses Gefühl vermitteln!“

Aus heutiger Sicht erscheint dieser Wunsch nicht unrealistisch...



Aktuelles Album: Our Ill Wills (Haldern Pop Recordings / Cargo)
Weitere Infos: www.shoutoutlouds.com
© 01. Juni 2007  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
Juni 2007

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