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FRENZY - In Fleisch und Blut

Es gibt wohl kaum eine Subkultur, die nach Jahren des komatösen Dahindümpelns ein solches Revival erlebt, wie die Psychobillyszene. Was 1979 als Auflehnung gegen den zunehmend kommerzialisierten und ausgelutschten Punkrock sowie die anachronistische Teddyboybewegung begann, sollte mehr als ein Vierteljahrhundert später wieder die Venues von Tokio bis L.A. zum Kochen bringen. Alte Helden erleben nun Huldigung und materiellen Erfolg, wie es auf ihrem Zenit in den Achtzigern nie möglich gewesen wäre und eine Band hat wesentlich dazu beigetragen, Psychobilly zu dem Kult zu machen, der damals Tausende Verrückter dazu brachte, nur mit ein paar Kröten im Portemonnaie kreuz und quer durch Europa zu reisen, um ja keine Show zu verpassen: Frenzy!

1983 von Mastermind Steve Whitehouse gegründet, gehörten Frenzy zu den Allerersten, die sich dem aufkommenden Neorockabilly verschrieben und entgegen manch anderen Szene-Berühmtheiten ihr Publikum nie in irgendwelche Subkategorien unterteilten: Jeder war willkommen,  ob mit grünem Monsterflat oder eben ohne - eine liberale Einstellung, die damals durchaus nicht üblich und vielen 'puristischen' Psychos ein Dorn im Auge war.

“Psychobilly war durch seine feindselige Abgrenzung nach Außen zum Untergang verurteilt, neue Leute wurden kaum akzeptiert und wenn jemand mit dem falschen Aufnäher oder der falschen Haarfarbe auftauchte, konnte es auch passieren, dass er zusammengeschlagen wurde. Wer will denn zu so was schon hingehen? Ich bin früher oft dafür angefeindet worden, wenn ich darauf hingewiesen habe, dass Psychobilly schließlich auch maßgeblich deswegen entstanden ist, weil die Kids damals die Schnauze voll davon hatten, immer von den Teddyboys eins auf die Nase zu kriegen und Punk immer ein wichtiger Bestandteil der Musik war.

Die Kids heute sind offener und toleranter. Das Beste, was ich in Corona/Kalifornien mal auf einer unserer Shows gesehen habe, war ein junger Typ mit einer riesigen Tolle und Aufnähern von allen möglichen Genres auf der Jacke: Metal, Punkrock, Oi, Ska und Psycho... Das repräsentiert die Attitude der nachwachsenden Generation: Für die steht die Liebe zur Musik und Spaß im Vordergrund und dadurch ist diese Szene erst wieder lebendig geworden. Sich nicht zu limitieren hat schließlich auch Tiger Army in den Staaten so groß gemacht.”

Wie viele andere Bands der ersten Stunde haben auch mittlerweile Frenzy ihr musikalisches Zuhause auf People Like You gefunden, einem von Steves absoluten Wunschkandidaten.

“Wir wollten unser neues Album 'In the Blood' so professionell wie möglich rausbringen, weil mir diese Scheibe sehr viel bedeutet. Mal davon abgesehen, dass sie musikalisch hervorragend gelungen ist, sind die Lyrics persönlich wie nie zuvor. Unsere beiden Traumlabel waren von Anfang an Hellcat und PLY. Als wir dann letztes Jahr auf dem Ink 'n' Iron spielten, trat auch jemand von Hellcat an uns heran und wir verhandelten, aber ein Deal wäre nicht sofort möglich gewesen, weil sie gerade erst ´The Creepshow´unter Vertrag genommen hatten und nur ein gewisses Kontigent zur Verfügung stand. Wir wollten jedoch nicht warten und so kam nach einigen anderen Intermezzi, unter anderem mit einem anderen amerikanischen Label die Sache mit PLY zustande. Wir gehören jetzt mit Peacocks, Mad Sin und etlichen anderen zu einer großen Familie und fühlen uns bestens aufgehoben.”

´In The Blood´ ist übrigens mehr als nur ein willkürlich gewählter Titel. Er beschreibt Steves unerschütterliche Liebe zum Rock'n'Roll und die Unmöglichkeit selbst in toughen Zeiten von seiner Musik abzulassen.

“Ich bin überglücklich, dass Psychobilly/Neorockabilly ein solches Revival erlebt und wir vor so vielen neuen, großartigen Leuten spielen können. Wir haben ja seit unserer Gründung nie aufgehört zu spielen, weil uns dieser Stil ja nun mal in Fleisch und Blut übergegangen ist und ich verkümmern würde, wenn ich keine Musik mehr machen könnte. Es war eben nur traurig, dass so Viele sich abgewandt hatten. Als wir 2007 vor ein paar Tausend Kids ein Festival in den Staaten spielten, war das so ein Adrenalinkick für uns - die Kids lieben unseren Oldschool-Sound - nun ja, wir sind ja nun auch wirklich 'oldschool'. Das Einzige, was ich nicht möchte, ist dass man uns für alte Säcke hält, weil es uns schon so lange gibt.”

Fr 04.06. CD Release-Party Zwischenfall Bochum

Aktuelles Album: In The Blood (PeopleLikeYou / EMI)
© 01. Juni 2010  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Juni 2010

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