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BENZIN - Auf die elegant flegelhafte Art

Die Ulmer Band Benzin gibt es irgendwie schon ewig. Und gleichzeitig verfügt die Band über ein Kraftpotential, als sei die Gründung erst gestern gewesen. Doch genau unter die Lupe genommen, taucht ein Datum im Jahr 1996 auf. Zu diesem Zeitpunkt waren zumindest die beiden Zwillinge Sebastian Schwaigert und seine Gitarre sowie Simon Schwaigert und sein Bass schon da. Ein paar weitere Jahre gehen ins Land, bis Andy Wolf und seine Gitarre andocken und noch einmal zwei, dann ist auch Schlagzeuger Marc Huttenlocher mit von der Partie. Musik und Text sind über die Jahre gereift. Und die musikalischen Ambitionen werden ernster. Ein Band-Name muss her. Die Wahl fällt auf Uncle Benz. Doch der Markeninhaber von Uncle Ben’s lässt seine Anwälte von der Kette und untersagt die weitere Nutzung des Namens. Der Automobilbauer bleibt hingegen ruhig. Da die Musiker lieber Noten schreiben als Paragraphen reiten, wird aus dem Auto der Treibstoff: aus Benz Benzin.

Weder Platten- noch Lottomillionäre

Nach drei Alben und knapp 400 Konzerten sind Benzin immer noch nicht auf der ganz großen und breiten Erfolgsspur angekommen. Sind nicht reich. Weder Platten- noch Lottomillionäre Haben mit ihrem bisherigen Label und Management gebrochen. Haben dennoch die Faust weithin sichtbar in der Luft und geben diese Haltung ihren Liedern mit auf den Weg. Das funktioniert live schon hervorragend. Jetzt geht es darum, diese pure Kraft und Eindringlichkeit der neuen Stücke auf CD zu bannen.

„Das, was live auf der Bühne seit Jahren problemlos klappt, kam auf Platte immer nur mit gebremstem Schaum rüber“, gesteht Marc Huttenlocher.

Die Lösung ist einfach:

„Um die kreative und auch emotionale Qualität der Bühne zu erreichen, haben wir uns entschlossen, das komplette Album so einzuspielen, wie wir uns am wohlsten fühlen“, fährt Marc Huttenlocher fort, „und das hieß, unter Livebedingungen.“

Dazu geht die wilde Fahrt in die Horus-Studios nach Hannover.

„Dort wurde Geschichte geatmet; denn der Geist einer Vielzahl von Bands waberte durch die heiligen Hallen“, lacht Marc Huttenlocher, „etwa der von, Donots, Emil Bulls oder Guano Apes .“



Sauftouristen und Hamburger Schüler

An diesem historischen Ort entsteht die aktuelle Platte „Chor der Kaputten“. Diese spezielle Atmosphäre hat Benzin zu Höchstleistungen angestachelt. Dabei sind perfekte, äußerst vitale Popsongs gelungen. Raffinierte, ins Ohr gehende Refrains, getragen von robustem leicht raspeligen Satzgesang, laden wunderbar zum Mitsingen ein. Dabei wird der Pop immer ein wenig gebrochen und löst sich manches Mal ins punkig Dreckige auf.

„Auf besonders elegant-flegelhafte Art passiert das im Titelstück „Chor der Kaputten“, merkt Marc Huttenlocher an, „es huldigt dem Sauftouristen und dem Hamburger Schüler gleichermaßen. Sie werden und vor allem Dingen sie dürfen sich bei dieser Nummer in den Armen liegen.“

Im Titel „Chor der Kaputten“ ist die Frage verborgen, was der Mensch eigentlich braucht, um glücklich zu sein? Nicht allzu viel. Um genau zu sein, ein Paar Kopfhörer und die Scheibe „Chor der Kaputten.“ Dort setzen Benzin zum großen Sprung auf die Hörnerven ganzer Generationen an, umgarnen sie und bieten mit ihren Stücken zusätzlich einen fabelhaften Service für Tanzwütige an

Aktuelles Album: Chor der Kaputten (Hamburg Records/Soulfood)
© 01. Februar 2012  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Februar 2012

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