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COEUR DE PIRATE - Die blonde Piratin

Coeur de Pirate – das Herz des Piraten – nennt sich die Kanadische Songwriterin Béatrice Martin. Wie so vieles in ihrem Leben - so auch die umfangreichen Ganzkörper-Tattoos - ist das wohl eine Reaktion auf irgendwelche persönlichen Lebensumstände. Alles ist bei Béatrice Martin schließlich irgendwie persönlich; auch, wenn ihre Musik - insbesondere auch die auf ihrem nun vorliegenden, zweiten Album „Blonde“ – als unverfängliche, aber infektiöse Popmusik daherkommt.

Während die therapeutisch motivierten Texte ihrer Chansons in ihrer Heimat Quebec sowie dem französischsprachigen Europa natürlich eine große Rolle spielen, sind es mit Sicherheit die zum Mitsummen anregenden Melodien ihrer perfekt inszenierten Folk-Pop-Chansons, die Coeur de Piraten auch hierzulande in die Charts katapultiert haben. Im Mai geht es jetzt auch erstmals auf eine (kurze) Deutschlandtour – vorher möchte Béatrice es noch in den USA versuchen; was für eine (zwar fließend bilinguale) Französisch-sprachig agierende Künstlerin natürlich ein gewisses Wagnis darstellt. Mit dem neuen Material – einer geschickt upgedateten Version der im Frankreich der 60’er Jahre als Antwort auf den britischen Beat erfolgreichen „Ye Ye“-Ästhetik – könnte das fast gelingen. Angesichts dessen, dass das CDP-Material auf der ersten Scheibe eher Folk-orientiert war, stellt sich die Frage, was Béatrice denn bereits auf der zweiten CD zu einer solchen Stilrichtung bewogen haben könnte?

„Ehrlich gesagt, wollte ich schon, dass das erste Album klingen sollte, wie das zweite es tut“, verrät Béatrice, „ich hatte damals lediglich noch nicht die Möglichkeiten, alles so umzusetzen, wie es notwendig gewesen wäre und wusste auch nicht so richtig, wie das ging, weil ich vorher noch nie in einem Studio gewesen war.“

Nachdem sich CDP – die Band – auf einer nahezu ununterbrochenen Tour die nötige Routine erspielt hatte, war die Umsetzung der ursprünglichen Vision dann möglich. Wie ist Béatrice die Sache aus songwriterischer Sicht angegangen?

„Was die neuen Stücke betrifft, so ging es mir darum, mir einige Dinge von der Seele zu schreiben. Die Stücke sind fast alle auf der letzten Tour entstanden und das war eine neue Situation für mich, da ich die ersten Stücke alle zu Hause am Klavier geschrieben hatte. Die neuen Stücke sind meist ohne Klavier entstanden – manchmal hatte ich sogar nur die Melodie im Kopf.“

Das schlägt sich musikalisch insofern nieder, als dass die neuen Tracks eben weniger Klavierspiel und dafür mehr orchestralen Bandsound bieten – sozusagen mit Pauken und Trompeten, wie es das Genre gerne sieht – und mit leichtem Retro-Touch auf die seligen 60er verweisen. Woher kommt eigentlich diese Vorliebe?

„Wahrscheinlich von meinen Eltern“, erklärt Béatrice, „mein Vater ist ein großer Dean Martin Fan und meine Mutter mag Doris Day und bei uns zu Hause lief immer Musik aus den 60's. Deswegen fühle ich mich zu dieser Art von Ästhetik hingezogen.“

Das Album wurde von Howard Bilerman produziert, der u.a. für seine Arbeiten für Arcade Fire, Godspeed You Black Emperor oder British Sea Power bekannt ist. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was hat Bilerman zu dem Konzept beigetragen?

„Geplant hatte ich das weniger“, gesteht Béatrice, „die Zusammenarbeit entstand eher zufällig. Howard hatte Interesse geäußert mit mir zusammenzuarbeiten und er hat ja eine gute Reputation. Er hat auch dieses analoge Studio und diese organische Herangehensweise, die recht gut zu meinen Vorstellungen passte. Es war also mit Sicherheit eine natürliche Wahl.“

Das Ergebnis zementiert mit Sicherheit den Status von Coeur de Pirate, denn gegen universell zugängliche, gutgemachte Popmusik dieser Art wird schließlich niemand so richtig etwas einzuwenden haben.

Aktuelles Album: Blonde (Le Pop / Groove Attack)
© 01. Februar 2012  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Februar 2012

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