interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
SOLOMON BURKE - Auf der Country-Universität

Franz Müntefering muss Leute wie Solomon Burke im Sinn gehabt haben, als er proklamierte, das Renten-Eintritts-Alter hochsetzen zu wollen. Auch im Alter von immerhin 65 Lenzen und einer Arbeitsleistung in Form einer legendären 50-jährigen Karriere als Soul-Sänger auf dem Buckel, denkt der 21-fache Vater und Bischof „König“ Solomon Burke noch nicht daran aufzuhören oder kürzer zu treten.

Ganz im Gegenteil: Jetzt dreht der kürzlich mit dem Grammy ausgezeichnete Mann, der mit „A Change Is Gonna Come“ Musikgeschichte schrieb, noch mal so richtig auf. Zusammen mit Buddy Miller, der grauen Eminenz des Outlaw-Country-Sounds, spielte er in Nashville eine waschechte Country-Scheibe ein. Solomon geht sogar noch einen Schritt weiter. Auf die Frage nämlich, was denn für Ihn der Begriff „Nashville“ bedeute, meint er nämlich Folgendes:

„Oh, das bedeutet, dass ich die Universität für Country Musik in Nashville besucht habe. Ich war dabei der Schüler und habe die ersten Semester absolviert mit Buddy Miller als meinem Trainer und Lehrer. Und ich hatte auch die Gelegenheit, Gastdozenten wie Dolly Parton, Gillian Welch, Emmylou Harris, Patty Griffin und Patty Loveless erleben zu dürfen, mit denen ich Duette aufnahm. Und dann hatten wir Songs von Leuten wie George Jones, Earl Montgomery, Jim Lauderdale, Don Williams und Springsteen. Das waren meine Lehrer und das waren die Themen, die wir an der Universität von Nashville durchgenommen haben. Das war eine tolle Erfahrung für mich.“

Heißt das, dass Buddy Miller für den musikalischen Teil zuständig war?

„Nein, er war für alles zuständig“, widerspricht Solomon „außer für ‚Vicious Circle', den Sean Eamus und meine Tochter Candy für mich arrangiert haben. Ich habe mich da voll und ganz auf Buddy verlassen. Ich liebe es nämlich, mich überraschen zu lassen. Das ist ja das schöne am Leben, dass es Dich immer wieder überrascht.“

Überraschend ist auch, dass Solomon überhaupt in Sachen Country macht.

„Meine ersten Country-Stücke nahm ich schon 1960 für das Label Atlantic auf“, verrät er „es waren aber nur drei Songs und es war mir nie möglich, dieses Projekt zu Ende zu führen, weil die Zeiten damals andere waren. Als schwarzem Künstler blieb Dir da der weiße Markt verschlossen. Und da sitze ich heute nun und nach all den Jahren ist es mir endlich möglich, eine ganze Country-CD aufzunehmen, und die Sache zu Ende zu bringen. Und welch ein Segen war das!“

Wie kam Solomon denn dabei auf Buddy Miller?

„Buddy trägt Country in seinem Herzen, es kommt alles aus seiner Seele“, begründet Solomon diese Wahl „und wenn jemand wie Emmylou Harris Buddy als ihren musikalischen Partner auswählt, dann sollte Dir das schon etwas verraten. Auch Dolly Parton meinte, dass sie alles tun würde, worum Buddy sie bäte. Und Gillian Welch sagte, dass Buddy ihr Freund sei.“

Was gefällt Solomon persönlich an der Country Musik?

„Es sind sowohl die Geschichten, die erzählt werden, wie auch die Musik“, überlegt Solomon, „es ist diese geheimnisvolle Seele, die die Country Musik hat. Country-Soul, wenn Du so willst. Deswegen nenne ich das auch ‚Revival Of The Soul'. Ein Revival ist etwas, dass Du aufleben lässt, etwas, das dich wieder aufrichtet, Deine Stärke zurückbringt, Deine Erinnerungen auffrischt, deine spirituelle Energie erneuert.“

Und wer wäre geeigneter dazu beizutragen, als ein König und Bischof in Personalunion? Mit „Nashville“ betritt Solomon Burke Neuland und wird viele neue Fans hinzugewinnen. Das ist dann auch das Ziel der ganzen Mühe:

„Also am schwierigsten für mich ist es, so viele Leute wie möglich zu erreichen“, meint er, „mir ist es schließlich klar, dass ich nicht alle erreichen kann, aber ich bemühe mich darum …“

Aktuelles Album: Nashville (Snapper / SPV)
© 01. November 2006  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
November 2006

Links

suche