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BARBARA CARLOTTI - Durch die Blume

Barbara Carlotti ist der neueste Stern am an Himmelskörpern wahrlich nicht armen französischen Chanson-Firmament. Nur dass sie mit Chansons gar nicht so viel am Hut hat (dafür eher mit englisch gefärbter Musik) und ihre Debüt-CD „Les Lis Brises“ - die zerbrochenen Lilien - auf dem renommierten 4AD Label erscheint. Keinen Moment zweifelte sie dabei offenbar daran, es mit ihrer Musik „schaffen“ zu können:
„Mit 18 hatte ich das Abitur in der Tasche und beschloss Musikerin zu werden, weil die Musik die einzige Existenzform war, die ich mir vorstellen konnte“, erinnert sie sich, „ich habe mich an einer Jazz-Schule eingeschrieben, habe Gesangskurse genommen, Klavier spielen gelernt und schließlich, vor sechs Jahren beschlossen, meine eigenen Songs zu schreiben. Das war dann die natürlichste Art für mich, meine eigene Stimme zu finden. Ich sehe mich nämlich nicht als Interpretin, weil ich viel zu großen Respekt vor den großen Stimmen aus Jazz und Oper hatte. Dann traf ich meinen Gitarristen Jean-Pierre Petit und wir begannen in Pariser Bars aufzutreten. Irgendwann habe ich meine Songs an Bertrand Burgalat geschickt, weil ich mag, was er mit seinem Tricatel Label macht und er hat mir geholfen, ein paar Songs zu arrangieren. Schließlich hatte ich ein paar Stücke als Visitenkarte vorzuweisen und Laurent Rossi von Beggars France hat mir zu meinem Deal mit 4AD verholfen.“

Alles klar, so einfach ist das also in Frankreich! Was hat es mit dem rätselhaften CD-Titel auf sich?

„Also Lilien sind die Lieblingsblumen von Oscar Wilde und auch meine, weil sie kraftvoll und sinnlich duften“, führt Barbara aus, „die zerbrochenen Lilien sind ein sehr poetisches Bild. Meistens erzählen meine Songs von tragisch/schönen Liebesgeschichten. Ein wenig so wie gebrochene Lilien.“

Überhaupt scheinen Barbaras Songs vor allen Dingen poetisch zu sein - sowohl in der Wortwahl, wie auch in Bezug auf die verwendeten Bilder. Nicht umsonst erwähnt sie Wilde und zählt (neben Dylan und Gainsbourg) Lord Byron, Baudelaire und Scott Walker zu ihren Idole.

„Meine Texte sind oft autobiographisch und basieren zum großen Teil auf realen Erfahrungen und aufrichtigen Emotionen“, umschreibt sie das, „konkrete Orte und Namen sind mir sehr wichtig, weil diese an bestimmte Atmosphären gebunden sind. Ich bin in der wilden korsischen Natur aufgewachsen und ich denke, das hat auch seine Spuren hinterlassen. Und ich liebe symbolische Poesie. Die Themen sind dabei vielfältig. Im Liliensong geht es um eine Frau, die von ihrem Liebhaber nicht mehr berührt wird, ‚Une Rose Pour Emily' ist von William Faulkner inspiriert.“

Und stammt im Original von den Zombies.

„Ja, ich liebe ‚ ‚Oracle And Odyssey' von den Zombies und besonders Colin Blunstone! Und ich liebe es, wie mich dieser Song anspricht. Die Zombies sind zwar von Faulkner ausgegangen, haben aber die Geschichte nicht erzählt. Das wollte ich in meiner Version nachholen. Und ich wollte nicht einfach ein 1:1 Cover machen, weil ich das Original ja sowieso nicht verbessern könnte, deswegen habe ich einen neuen Text in meiner Muttersprache geschrieben.“

Was ist für Barbara Carlotti beim Songschreiben am wichtigsten?

„Alles“, meint sie bestimmt, „die Texte und die Musik sollten gleiches Gewicht haben. Ein Text muss präzise sein und etwas aussagen und die Musik sollte eine Atmosphäre erzeugen, die diese Aussage unterstützt. Es gehört zusammen und sollte aufrichtig sein.“

Wenn alles klappt, sollten wir von Barbara Carlotti in Zukunft noch viel zu hören bekommen. Sie hat bereits viele weitere Stücke geschrieben und träumt davon, so oft wie möglich aufzutreten, weil das das ist, was sie am liebsten tut.

Aktuelles Album: Les Lys Brises (4AD / Beggars / Indigo)
© 01. November 2006  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
November 2006

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