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PHOTONENSURFER - Die Hohe Kunst der tiefen Schläge

Es ist nicht Dirks Tag, denn erst bleibt sein Wagen liegen, dann stellt sich heraus, dass an Weiterfahrt nicht mehr zu denken ist, was wiederums zur Folge hat, dass unser Interview abschmiert. Genauso fies schmieren die neuen Stars am noch neueren Britrock-Himmel a la germany in Internet-Foren ab. In diesen Tagen erscheint ihr Debüt „Neue Weltordnung“ und das wird im Vorfeld entweder ganz ignoriert oder wie im Internet übelst auseinandergenommen. Wir haben mit Sänger Dirk Jahrens über Kritik gesprochen.

Wie steht es um Euren Bandnamen- Photonensurfer. Photonen sind Licht und wenn man darauf surfen wollte müsste die Masse, die das kann, oder in eurem Fall der Photonensurfer, nach Einstein unendlich groß sein. Ist das nicht als Bandname ein wenig arrogant?

„Als wir uns für den Bandnamen Photonensurfer entschieden hatten, ging es uns nicht um Arroganz. Photonen sind ja wie gesagt Licht und in der Forschung gewann man in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse über die Materie Licht. Licht ist zum Beispiel auch Träger von Informationen. Das sind wir ja im Prinzip als Band die was mitzuteilen hat auch.“

Die Kritik im Internet ist vernichtend. Da ist von unerträglichem Gejaule die Rede. Wie steht ihr zu dieser Form von Kritik und wie geht ihr damit um?

„Sicher haben wir von diesen ganzen Kritiken auch was mitbekommen. Der Großteil der Kritiken über uns war jedoch positiv. Manche der harten Kritiken sind für mich auch substanzlos. Man merkt dass die entsprechenden Schreiber nicht bei den Konzerten gar nicht vor Ort waren und sich die Kritik so ausgelegt haben wie sie diese haben wollten.“

Einige Kritiker kamen sogar aus eurer Heimatstadt Berlin und hatten Euch im Vorprogramm von Elbow gesehen. Tut diese Kritik besonders weh?

„Bei unserem Berliner Konzert wo wir die Vorband von Elbow waren, sind wir kurzfristig eingesprungen. Bei einer Band wie Elbow, die wir wirklich mögen und die ja auch in aller Munde sind, hat man dann keine Zeit für einen Soundcheck. Auf der Bühne gingen dann ein paar technische Sachen schief. Als unbekannte Vorband ist es ja auch schwer das Publikum für sich zu gewinnen. Alle warten auf den Hauptact. Daher halten wir uns nicht an den Kritikern auf, sondern freuen uns über den Zuspruch den wir von anderen auch nach diesem Konzert bekommen haben.“

Im Bericht zum Kölner Konzert in der Intro wird von Dir als extrem verkrampfter Typ wie von der Mannheimer Popakademie gecastet berichtet. Deine Hemdsärmel hättest Du so weit hochgekrämpelt, dass sie den Fitnesscenter-gestählten Bizeps umspannen. Satire darf ja alles, wie weit darf Kritik gehen?

„Als wir das Kommentar gelesen haben, mussten wir als Band erstmal drüber lachen. Mit der Popakademie haben wir alle nichts zu tun. Wir machen seit mehreren Jahren Musik und auch Musik zusammen. Das mit dem Hemd war Zufall und hatte nichts damit zu tun meinen Bizeps zu präsentieren. Mein Hemd war am Ärmel zerrissen, also habe ich es hochgekrempelt.“

In einer weiteren Kritik heißt es, dass Pop und Germany einfach nicht zusammen gehen. Seht ihr das auch so?

„Absolut nicht. In Deutschland gilt es noch immer nicht als normal Popmusik mit deutschen Texten zu machen. Für uns ist es selbstverständlich, unsere Musik in der Sprache in der wir denken und fühlen zu machen. In den letzten zwei Jahren schien sich der deutsche Pop ja mehr und mehr zu etablieren. Ich habe lange Zeit in England gelebt und die These „Pop und Germany passt nicht“ ist da an mir vorübergegangen. Es sind doch früher auch schon tolle Sachen auf Deutsch verfasst worden, zum Beispiel die Literatur der Sturm und Drangzeit. Warum soll man dass jetzt anders machen?“

Meine Kritik wäre, dass ihr musikalisch und Du gesanglich stark bei Radiohead abkupfert. Wieso?

„Das finde ich nicht. Wenn man musikalisch genau hinhört merkt man dass es nicht so ist. Eine Parallele beim Gesang ist dass ich Wörter auch gedehnt singe, also zum Beispiel deren Mittelteil länger betone. Das mache ich als Sänger der Band, der Sänger von Radiohead, aber sicherlich auch viele andere Bands ohne dass ihnen vorgeworfen wird sie würden bei jemanden abkupfern.“

Du hast die Band gegründet und im Vorfeld zur Albumveröffentlichung wurde deine Person stark in den Vordergrund gestellt. Wie steht es um das Bandgefüge?

„Ich selber habe mich nicht in den Vordergrund gestellt. Das Bandgefüge ist super, wir machen gerne Musik zusammen und mögen uns auch alle. Bevor wir zu Motor kamen habe ich mich um viele Dinge gekümmert. Ich habe gute Musiker gesucht, die mit uns auf Tour gehen könnten, bin mit den Plattenfirmen in Kontakt getreten und uns als Band promotet. Deshalb sah es vielleicht eine Weile so aus, als ob ich im Vordergrund der Band stehe.“

Welche Rolle spielt Eure Heimatstadt Berlin für Eure Musik?

„Berlin ist eine tolle Stadt und im Moment auch für uns auch die Heimat. Das Umfeld in dem man lebt fließt bei uns auch mit ein Musik.“



Aktuelles Album: Neue Weltordnung (Motor)
© 03. März 2006  WESTZEIT ||| Text: Tobias Hinkes
März 2006

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