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SEPULTURA - Noch ein Klassiker

Album vier nach dem Ausstieg von Ex-Mastermind Max Cavalera ist das bislang wohl reifste Manifest der „neuen“ Sepultura. Die gesangliche Leistung und die Erscheinung von Derrick Green stand dem großen Vorgänger in nichts nach, doch nun steht mit „Dante XXI“ ein Album in den Startlöchern, das eine ähnliche Durchschlagskraft wie die großen Sepultura-Alben der Neunziger besitzt. Die Verbindung von Green und Sepultura hat schlussendlich höchst wirksam gefruchtet – und gipfelt in einem Klassiker der modernen Hardcore/ThrashMetal-Verbindung. Und nebenbei ist auch ein lyrischer Klassiker das Thema des Albums. Derrick Green, der als Student das Werk Dante’s verschlungen hat, stand Rede und Antwort.

Muss man Dante´s “Göttliche Komödie” gelesen haben, um das ganze Album zu verstehen?

„Ich denke nicht. Was wir mit „Dante 21“ gemacht haben ist ja keine 1:1-Umsetzung. Das würde auch viel zu lang werden. Es geht ja auch viel mehr um die Themen, mit denen auch Dante sich seinerzeit beschäftigt hat. Elend, Not, Korruption, Zerstörung und Schuld. Also eine sehr düstere, sinistre Stimmung. Dafür muss man das Buch nicht zwingend gelesen haben, schaden tut´s aber auch nicht. Vielleicht wird das Verständnis größer, ich kann das nicht beurteilen, das müssen die Leute draussen tun.“

Wo besteht die Verbindung, zwischen Dante´s Werk und dem 21. Jahrhundert? Was macht die einzelnen Stücke kompatibel zum täglichen Leben?

“Das sind die Themen über die wir eben sprachen: Nicht nur in Brasilien, auch weltweit herrscht Korruption, wohin man schaut. In Brasilien ist dieses Problem aber riesig und lähmend, deshalb waren die Korrupten und wie bei Dante mit ihnen verfahren wird ein besonderes Thema diesmal. Aber auch die Darstellungen von Himmel und Hölle, als emotionale Umsetzung von Hoffnung und Angst, sind im Alltäglichen immer wieder verständlich. So gesehen ist Dante allgegenwärtig.“

Wie viele Songs habt ihr chronologisch geschrieben, um die ganze Geschichte zu erzählen? Oder habt ihr Teile ausgelassen, ist das Album eher eine Ergänzung zu Teilen der Geschichte?

“Das ganze Geschichte chronologisch zu erzählen, würde uns Jahre beschäftigen. Wir haben uns Teile, die uns besonders wichtig waren herausgenommen, vertont und in einen neuen Zusammenhang gebracht, wollen so die Geschichte neu erzählen.“

Die Songs sind diesmal sehr kurz und haben auch keine allzu langen Parts mehr. Ist das eine Art Ehrlichkeit, nicht zu viel Zeit damit verbringen zu wollen?

“Genau. Wir wollten das RollerCoaster-Gefühl, das du bei Dante hast, übertragen. Wenn wir bis in alle Ewigkeit an den einzelnen Tracks gefeilt hätten, wäre das nicht mehr rübergekommen. Wir wollten schnell und heftig die Stimmungen wechseln. Auf Hölle folgt Paradies, folgt Fegefeuer etc.“

Die Mischung aus HC und Trash-Elementen scheint auf diesem Album perfekt zu sein. Ist das der „neue“ Sepultura-Sound?

„Möglicherweise ja. Wir waren diesmal sehr konsequent, mit dem was wir gemacht haben und haben uns dabei nur von unseren Instinkten leiten lassen.“

Wie werden die mystischen Elemente des Albums (Chöre, Bläser und Streicher) auf der Bühne umgesetzt werden?

“Das wissen wir noch nicht so genau. Zuerst wollten wir mit Samples arbeiten, aber um ehrlich zu sein, stecken wir da mitten in der Experimentierphase. Nach dieser Promotour werden wir uns mit diesem Problem aber beschäftigen müssen (lacht).”

Für mich ist der Unterschied zwischen eben diesen Elementen und der Urkraft Eurer Melodien der Schlüssel zum Erlebnis, so dass man die Platte immer wieder spielt. Wann wusstet Ihr, dass ihr diese Teile braucht?

„Eigentlich von Anfang an. Wir haben in letzter Zeit viel Filmmusik gemacht, keine kompletten Soundtracks, aber kleine Moviecasts. Und als ich die ersten Versionen von „Purgatory“ oder „Paradise“ hörte, war klar, dass da etwas passieren musste.“

Wo stehen Sepultura heute?

“Auf einem reifen, erwachsenen Level. Das tolle ist, dass die Band das zweimal durchgemacht. Vor mir und jetzt noch einmal mit mir. Das ist ein absolut sagenhaftes Gefühl, wenn man Teil von etwas ist, das so einen Stunt zweimal hinlegt.

Das glauben wir ihm gerne. Sepultura haben tatsächlich das Glanzstück vollbracht, mit dem wohl kaum einer gerechnet hat: Nach all den Querelen und vielen Missverständnissen ein Album und ein Bandgefüge zu präsentieren, das harmonischer nicht sein kann. Nicht, dass die letzten drei Alben mit Green schlecht waren – nur jetzt ist die Magie, die eine Band zu ganz besonderen Leistungen treibt, endgültig eingezogen. Ohne Zweifel ist „Dante XXI“ auch ohne die bedrückende Thematik ein Meilenstein des Metal. Eine schöne Überraschung!



Aktuelles Album: Dante XXI (SPV)
© 02. März 2006  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen / Andre Helfers
März 2006

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