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MOGWAI - Live-Situation bevorzugt

Im Jahre 2005 haben die fünf Schotten von Mogwai bereits zehn vorwiegend instrumentale Jahre hinter sich gebracht. Das sollte mit einem zünftigen Konzert in Glasgow gefeiert werden. Doch just zu dieser Zeit verletzte sich Schlagzeuger Martin Bulloch den Arm. Später vergaßen sie ihren Geburtstag gar über die Arbeiten an ihrem nun erscheinenden fünften Album Mr. Beast.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, meint Gitarrist und Sänger Stuart Braithwaite. Geplant ist ein Festival mit zwei etwa gleich alten Bands, Arab Strab und Belle And Sebastian. „Auch wenn die Band da eigentlich elf wird. Aber das ist doch egal. Vielleicht macht es einen Unterschied, wenn wir 13 werden, dann sind wir eine Teenage-Band (lacht).“ Im Gegensatz zu diesem Synonym für das Erwachsen werden, für das Ausprobieren, hat die Band diese Phase offenbar hinter sich gelassen. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Publikum aufgefordert wurde, ihre Instrumente zu zerstören. Vorbei sind die Zeiten, in den die perfekte musikalische Harmonie von Geräuschgewittern unterwandert wird. „Ich denke, wir haben damit aufgehört, weil wir das ausgiebig gemacht haben. Eine Zeit lang fanden wir das sehr lustig. Aber auf der neuen Platte machen die Ideen ohne dieses Element mehr Sinn.“ Das bedeutet aber nicht, dass sie es nicht mehr richtig krachen lassen. Im Gegenteil, Mr. Beast scheint lauter und rockiger als die Vorgänger. „Wir genießen es richtig, die live laut zu spielen. Wir haben sogar extra ein paar alte, lautere Songs mit in das Live-Programm genommen. Da haben wir uns gedacht, machen wir ein paar neue für das neue Album. Es ist auch gut, einen Kontrast zu haben. Im Endeffekt ist aber gerade mal ein Viertel krachiger geworden.“
Die stete Triebfeder für Mogwai – persönliche Motivation und Kreativitätsbrunnen – da stimmen Braithwaite und Drummer Martin Bulloch überein, ist das Live-Spielen. „Jeder in der Band mag das am meisten. Es ist einfach gut, mit Leuten in einem Raum zu sein, die die Musik mögen – und mit denen die Musik zusammen zu erleben.“ Daher kommen auf den Touren 100 bis 150 Konzerte zusammen. Daher unterbrechen sie auch schon mal die Aufnahmen für ein Album, wenn im Sommer ein Anruf kommt. Dann fahren sie für ein paar Tage zu einem Festival nach Spanien. „Ist ja auch ein schönes Land. Das ist dann ein bisschen wie Urlaub. Aber es ist nicht nur Spanien. Ich liebe es, um die Welt zu reisen. Ich bin wirklich sehr glücklich mit meinem Job,“ stellt Bulloch verschmitzt grinsend fest. Das erklärt, warum im Schnitt zwei Jahre bis zur Veröffentlichung eines neuen Albums vergehen – die Studioarbeit ist eben der Pflichtteil: „Das macht nicht so viel Spaß, in einem Raum zu sitzen, mit Kopfhörern auf. Man ist so für sich alleine und kannst nicht wirklich hören, was passiert. Ich bevorzuge absolut die Live-Situation.“
In der Vergangenheit holten sich die Glasgower regelmäßig Unterstützung ins Studio, zum Beispiel den ehemaligen Long Fin Killie- und Bows-Kopf Luke Sutherland an der Geige oder es entstand eine Zusammenarbeit mit dem Chemical Brothers. „Das war ja durchaus auch gut, um die Platte zu verkaufen,“ gesteht Braithwaite ein. Dieses Mal haben sie soviel wie möglich selber gemacht. „Es ist einfach nicht gut, wenn man seine Musik live nicht spielen kann, weil man die Gastmusiker nicht 18 Monate mit auf Tour nehmen kann.“
Ganz nach alten Gewohnheiten haben sich anno 2006 wieder drei Stücke mit Stimme auf die Platte geschlichen. Mal eindringlich gesprochen, mal sonor gesungen, die „klassischen“ Songs fügen sich in das Repertoire nahtlos ein und fallen dennoch aus dem Rahmen. Denn den Schotten kommt es nur auf die Musik an. Ein Song ist immer erst als Instrumental gedacht. „Dabei produzieren wir im Studio manchmal auch ziemlichen Mist und können dann nur darüber lachen. Und manchmal merken wir, dass eine Idee ohne Gesang nicht funktioniert.“ Selbst in den Fällen steht hinter den Stücken keine besondere Aussage, auch wenn sie in ihren Anfängen schon mal außermusikalisch Stellung gegen eine geplante Sperrstunde für Jugendliche genommen haben. Was bedeuten also Titel wie Auto Rock, I Chose Horses oder Travel Is Dangerous? „Die sind nicht wichtig. Die haben eigentlich keinen Sinn.“ Bulloch ergänzt: „Die kommen oft von etwas lustigem, das einer sagt. Oder in der letzten Minute, bevor die Platte fertiggestellt wird, merken wir, dass wir noch keine Titel haben.“ So etwas kommt also vor? „Ja, das passiert meistens. Wir haben erst Arbeitstitel wie Three A, weil eine Dreierrhythmus in A ist. Später überlegen wir uns etwas lustiges. Wir sind keine ernsthaften Typen. Wir nehmen zwar unsere Musik sehr ernst, aber die Songtitel drücken unsere Art Humor aus. Wir wollen uns immerhin amüsieren und hoffen, auch andere Leute damit zu erfreuen.“
Hinter der oftmals als traurig oder melancholischen Musik stehen also keine traurigen Menschen. Und auch ihre Heimat sehen die Schotten nicht als Grund für ihre Stimmungsvorlieben. „Es gibt zum Beispiel Bands wie Explosions in the Sky, die machen ähnliche Musik wie wir und die leben in Texas. Ich glaube, Geographie hat nicht viel damit zu tun.“
Weitere Infos: www.mogwai.co.uk, www.pias.com
© 01. März 2006  WESTZEIT ||| Text: Ulf Kneiding
März 2006

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