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BLACK CAB - Taxi in den Summer Of Love

Mit „Altamont Diary“ erscheint ein bemerkenswertes Album. Verdrogte Hippiemusik zum abspacen von Leuten, die weder mit Hippies noch mit Drogen am Hut haben. Black Cab sind Australier und gehen mit entwaffnender Offenheit mit dem Traum einer Generation um. Wir fragten Andrew Coates, warum diese musikalische Retrospektive?

Warst du immer schon von den späten 60ern und den 70ern inspiriert?

“Seit ich vor etwa 10 Jahren den großartigen Konzertfilm „Gimme Shelter“ gesehen habe, bin ich besessen von der dunklen Seite jener Zeit. Der Film dokumentiert das Gratis-Konzert der Rolling Stones in Altamont, die „Evil-Version“ von Woodstock. Die 60´s sind einfach sehr interessant, weil dort zum ersten mal eine Jugendkultur gab, die wirklich ihre eigene Identität hatte - sie hatten andere Meinungen als die Älteren, und wenn das bedeutete, nicht nach Vietnam zu gehen, oder viele Drogen zu nehmen, dann war es cool.”

Warum macht ihr diesen Hippie-Kram. Ist das Euer Lifestyle?

„Wir sind weit weg davon, Hippies zu sein. Ich trage keinen Bart, rauche kein Gras und lauf auch nicht in Kleidern rum. Aber wir mögen die Idee, das die Leute machen können was sie wollen, vorausgesetzt, sie stören niemanden dabei. Das ist das beste am Hippie-Kharma: Die Leute das machen lassen, was sie möchten, ohne zu verurteilen.“

Das Album beschreibt ein Festival, welches „offiziell“ den „Summer of Love beendete. Wir seid ihr an die Thematik herangegangen?

“Wir haben versucht uns vorzustellen, wie sich die Kids auf dem Konzert gefühlt haben müssen, von der glücklichen Erwartung bei der Ankunft und all der „Summer of Love“-Happiness. Diese wechselt abrupt mit der Ankunft der Hells Angels - und dem gleichnamigen Track auf der Platte - die anfangen, Leute zusammen zu schlagen, die der Bühne oder ihren Maschinen zu nahe kamen. Das vorletzte Stück „1970“ versucht all diese Gefühle dann aufzuarbeiten, während die geschockten Kids in dunkler Nacht nach Hause gehen, nachdem sie gesehen hatten, wie ein junger Mann zu Tode kam, während die Band weiterspielte.”

Wieviel Rocker muss man sein, um ein Tune wie „Angels arrive“ zu schreiben?

“Wir sind tatsächlich sehr nette Jungs und schlagen uns nicht mit jemandem, den wir nie zuvor gesehen haben. Wir rocken gerne (wer nicht?), aber manchmal fehlt einem das Gefühl früherer Rock-Konzerte. Die Gefahr, das Gefühl, dass alles passieren könnte. Heutzutage sind die Shows voller Security, die Stars haben eine ganze Horde von Bodyguards und Fitnesstrainern. Iggy Pop, der sich mit dem Publikum anlegt, an sich rumschneidet und anschließend in Heroin-Zuckungen verfällt, das nenn ich einen Gig!”

Ist es auch ein politisches Album? Was verbindet Euch mit den Idealen dieser Zeit?

“Wir selber machen eigentliche keine politische Musik, aber wir lieben die Aussage der Musik von damals. Heutzutage sind wir doch alle mehr oder weniger zynisch. Wir wissen, dass die Welt sich nicht ändert, dass die, die die Macht haben immer noch tun können, was sie wollen. Ich denke, das ist der größte Unterschied zwischen heute und damals. Die Jugend war damals fest überzeugt, dass sie etwas verändern könne. Nur, wo stehen wir heute: Für Nixon gibt´s Bush, der Mittlere Osten immer noch ein Pulverfass, die Welt ist besessen vom Öl und die USA kämpfen immer noch beschissene Kriege am anderen Ende der Welt. Wenn ich heutzutage siebzehn wär, würde ich auch den ganzen Tag rumhängen, Gras kiffen und Musik machen. Was kann man auch sonst machen?”

Altamont Diary klingt wie ein Soundtrack, war das Ziel?

“Wir sind die Platte ein wenig wie einen Alternativ-Soundtrack zum Film „Gimme Shelter“ angegangen. Jede Szene hat uns praktisch die Stimmung für´s Songriting vorgegeben. Bei „The Killing“ zum Beispiel Chaos und Konfusion, wie der Moment, wo die ganze Crowd eines Rock-Konzerts auf die zukommt und du kannst sehen, dass was passiert ist, weißt aber nicht was.”

Wie sind eure Zukunftspläne?

“Zu Zeit nehmen wir das neue Album auf. Es wird sehr von den 70´s und großartigen deutschen Bands, wie „Can“ oder „Neu“ beeinflusst sein. Es wird mehr Songs beinhalten, als das letzte und auch so einige Leute überraschen. Natürlich würden wir auch gerne mal Live nach Europa kommen, aber da steht noch nichts fest.”


Aktuelles Album: Altamont Diary (Stickman / Indigo)
© 01. März 2006  WESTZEIT ||| Text: Andre Helfers
März 2006

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