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ERDMÖBEL - Nach Venedig nur mit dem richtigen Schatz

Liebeslieder im Gepäck der Erdmöbelbewohner. Wer runzelt da die Stirn? Das hört sich nur abschreckend an, die neuen Songs sind es aber nicht. Selbst wenn es so wäre: Es gibt immer jemand, der gerne Liebeslieder hört. Sogar unangepasste wie manche von Erdmöbel. Das Interview kreiste auch um diese Mitteilungsform auf der Gefühlsebene. Markus Berges schluckte, als er einige der Fragen hörte. Seine Antworten blieben jedoch nichts schuldig.

Das vierte Erdmöbel-Album erscheint bei Tapete Records. Warum der Wechsel von NRW zum neuen Label?

Bei NRW Records waren die Grenzen des Machbaren erreicht. Wir haben uns nach wie vor gut verstanden, aber Jürgen Czisch sagte selber, er würde noch eine kleine Schüppe drauf legen, aber mehr eben nicht. Weil NRW strukturell nicht mehr bringen kann. Wir wollten mehr drauf legen, vor allem von der Manpower her. Das bot sich bei Tapete an. Es war kein konzeptueller Gedanke dahinter.

Das neue Album heißt "Altes Gasthaus Love". Wollt ihr damit einen Blick in Ver-gangenes werfen oder gibt es dieses Domizil tatsächlich?

Ich habe das lange mit mir herumgeschleppt und war ganz unsicher, wie das Album heißen soll. Vor fast zwei Jahren habe ich in Münster eine Streichholzschachtel gefunden. Darauf stand: Altes Gasthaus Leve. Das ist dort eine Traditionskneipe. Obwohl ich daher komme, kannte ich diese Kneipe gar nicht. Auf den ersten Blick habe ich "Altes Gasthaus Love" gelesen und deshalb die Schachtel mitgenommen. Jetzt erst habe ich sie wiedergefunden und den Text am Computer bearbeitet. So wurde aus Leve eben Love, auch weil auf dem Album fast nur Liebeslieder sind.

Ist ein Titel wie "In den Schuhen von Audrey Hepburn" eine rückblickende Metapher im Sinne des CD-Titels?

Nostalgie ist für mich eher ein Spielball, denn ich gehe in den Texten damit um, weil ich darüber hinaus auch Freude an Relikten, an Sachen, die noch da sind, habe. Gleichzeitig möchte aber auch diese Stimmung brechen, weil es in diesem Song nicht wirklich um Audrey Hepburn geht und auch nicht um eine Frau, die so sein will, sondern wie so ein Geist noch in unsere Gegenwart hinein reichen kann.

Wie schon auf früheren Alben werden auch jetzt wieder Geschichten erzählt. Wie wichtig ist für euch Kontinuität?

Die Kontinuität besteht im Songwriting. Für mich ging es beim neuen Album vom Ansatz her um diese kontinuierliche Art, Songs zu schreiben: Bilder mit Geschichten zu verknüpfen, ein musikalisches Geschichtenerzählen. Sie so zu erzählen, dass sie noch Musik sind, die einen noch nicht so terrorisieren. Das man nicht wie gebannt davor sitzt und auf das Ende warten, wie das sonst bei einer guten Geschichte der Fall ist. Und die noch funktionieren, wenn man nur mit halbem Ohr hinhört. Uns ging es andererseits darum, etwas Neues zu machen, vor allem wollten wir ein leichtes Album machen. Die beiden letzten Alben waren doch recht melancholisch. Jetzt haben wir, jedenfalls für unsere Verhältnisse, etwas fröhliches hingelegt.

Ist Melancholie ein Schlüssel zum Erdmöbel-Kosmos?

Beim neuen Album sollte das nicht so ein, um Melancholie ging es mir nicht. Natürlich haben die Songs tendenziell etwas melancholisches. Beim "Delphine"-Album war das so, es hatte jedoch einen leichten Witz, der die Melancholie gebrochen hat. Jetzt ist es umgekehrt: Von der fröhlich-beschwingten Grundhaltung zur melancholischen Note.

Du sagtest bereits, dass viele Liebeslieder auf der CD sind. Der Titel "Mit dem falschen Schatz in Venedig" hört sich wie ein Antiliebeslied an.

Es ist ja in Venedig, deswegen ist es mit dem "nur" schon schwierig. Nach Venedig darf man ja nur mit dem richtigen Schatz. Die Frage ist, ob man den findet und ob es immer der richtige Schatz bleibt. In dem Song ist es so, dass die Frau trotzdem glücklich ist mit dem falschen Schatz in Venedig, also für sich dort offensichtlich einen wunderbaren Tag ha. Dieser falsche Schatz wird nicht näher beschrieben. Ich würde es nicht als Antiliebeslied bezeichnen, aber es ist ein seltsames Liebeslied.

Aktuelles Album: "Altes Gasthaus Love" (Tapete/Indigo)
© 01. April 2003  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner ||| Foto: Tapete
April 2003

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