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ERDMÖBEL - Für die sich ein bisschen bewegen

Die Schublade in die man die Kölner Band Erdmöbel stecken will, kann nur 'Erdmöbel' heißen. Seit über zehn Jahren arbeiten sie an ihrem Stil, an ihrer Vision von Musik. Auf dem vierten Studioalbum ‚für die nicht wissen wie’ schenken sie den willigen Zuhörern wieder poetisch feinsinnige deutsche Texte und sensibel-melancholische Musik ohne Furcht vor dem Schönen.

Bereits vor der letzten Scheibe war Bassist Maf Retter ausgestiegen. Dafür ist der Techniker Proppe als Keyboarder Teil des Teams geworden. Seither hat sich das Musikerkollektiv Erdmöbel, wie sie es selber nennen, immer besser aufeinander eingespielt. „Einer telefoniert vielleicht gerne, und sitzt auch gerne am Schreibtisch und füllt Formulare aus,“ spricht Ekki Maas die Vielschichtigkeit der Aufgaben an, die weit über das musikalische Schaffen hinausgehen. Er selbst ist Arrangeur und Produzent, sowie Videofilmer und -techniker. Das Musikerkollektiv ist also nicht nur Band, sondern Arbeitsgemeinschaft. Sie gestalten ihr Produkt und alles was damit zusammenhängt in Eigenregie. Da kommt es vor, dass zwischen den Studioalben mal drei Jahre vergehen. Texter, Komponist, Gitarrist und Sänger Markus Berges gesteht: „Ich bin auch ein sehr langsamer Songschreiber. Für ein neues Album muss ich eine neue Vision entwickeln, auch unabhängig von den Songs. Und das braucht einfach eine so lange Zeit.“ Diese neue Vision geht einher mit dem Willen, etwas Neues, etwas Anderes zu machen. „Das war bei dem letzten Album ‚Altes Gasthaus Love’ zum Beispiel dieser Schritt Richtung Leichtigkeit. Bei dem neuen Album nun ging es nicht darum, von der Leichtigkeit wegzukommen, sondern dem Ganzen auch eine gewisse unversöhnliche Note und mehr Aggressivität zuzumuten, und dadurch eine größere Spannung zu erzeugen.“
Um zu der gewünschten Veränderung zu gelangen, versuchen sie sich an der Gleichzeitigkeit von Bekanntem und Neuem. Eine Neuerung benennt Maas: „Ich bin jetzt Bassist. Mein ganzes Leben lang habe ich laut Gitarre gespielt. Und mir ist langweilig geworden. Bei uns spielt die Gitarre keine größere Rolle mehr als andere Instrumente.“ Stattdessen erklingen vermehrt Bläser, Tasten und dezente elektronische Sounds. Die Melodien und Kompositionen erinnern zum Teil an alte Zeiten. „Klar klauen wir Sachen vom 60er Easy Listening. Aber wir wollen auf keinen Fall dieselbe Musik machen.“ In dieses Konzept passen auch die Adaptionen zweier Songs der Legenden Burt Bacharach und Henry Mancini. Zu den Aufnahmen von ‚Nah bei Dir’ und ‚Nichts zu verlieren’ kam es, weil sie gefragt wurden, einen Beitrag für einen Sampler gegen die Deutschquote im Radio zu leisten. Ihre Versionen erklingen im neuen Arrangement, und die Texte sind mehr als Übersetzungen – es sind sinngemäße Übertragungen, auf der Suche nach der schönen Sprache.
Für Konstanten im Erdmöbel-Universum stehen der eigenwillige Gesang und die vermeintlich kryptischen Texte von Markus Berges. „Es ist für mich überhaupt kein Anliegen, kryptisch zu sein. Ich wundere mich sogar häufig, wenn jemand sagt, ich habe das nicht verstanden. Ich denke dann: ja, ich sag es doch, wie es gemeint ist.“ Die Texte sind demnach keine Plattform für Tieferes, sind weder Verschlüsselungen noch Metaphern. „Ich versuche etwas, was ich nicht genau benennen kann, möglichst genau auf den Punkt zu bringen – also auch musikalisch. Ich meine also gar nichts anderes, sondern ich meine den Text als Song, also nur in dem musikalischen Zusammenhang.“
Über das Verständnis ihres Schaffens herrscht in der Band größtes Einvernehmen: Letztendlich geht es um Gefühle, um rational nicht Erklärbares. Erdmöbel-Lieder haben keine konkrete Botschaft, wollen kein Lebensgefühl vermitteln. Sie sind eher Angebot und Aufforderung in einem. Wer die Songs schön findet, kann sie nutzen, wie er will. „Das schreiben wir nicht vor. Das macht jeder selber, das machen nicht die Songs.“ Dennoch wünscht sich Berges von seinen Zuhörern schon „eine gewisse Offenheit, dass sie sich selber in Bewegung setzen. Aber das ist auch schon alles.“
Weitere Infos: www.erdmoebel.de, www.tapeterecords.de
© 01. September 2005  WESTZEIT ||| Text: Ulf Kneiding
September 2005

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