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THE CARDIGANS - Back To Basics

Obwohl sich die Cardigans schon länger von ihrem fröhlichen Schwedenpop-Image distanziert haben und wir spätestens seit Nina Perssons Soloplatte ganz genau wissen, dass die Zeiten von „Rise And Shine“ und „Lovefool“ der Vergangenheit angehören, hat das harmlose, poppig-süße Bild der fünf Schweden einen solch starken Eindruck hinterlassen, dass mich das leicht hippiemäßige Auftreten der Schweden irritiert. Beim Gespräch über ihr neues Album haben sich die fünf auf den Couchen und Sesseln ihrer Suite verteilt. Sie liegen ungezwungen herum oder sitzen in schneidersitzähnlichen Positionen und schauen aus, als ob sie nichts in der Welt aus der Ruhe bringen könnte. Nina Persson, ungeschminkt, in Cowboystiefeln und Palästinenser-mäßigem Tuch, und Peter Svensson mit langen Haaren, Stirnband und Wildlederweste - da fehlt nur noch der kreisende Joint.

Das Erscheinen ihres letzten Albums ist fünf Jahre her, und es hat sich seitdem nicht nur äußerlich einiges bei den Cardigans verändert. Ihre Lieblingswörter sind neuerdings „laid back“, „intimate“ oder „mellow“.

Ihr hattet die Songs für die neue Platte schon komplett fertig, sie aber dann noch einmal ganz neu aufgenommen. Magnus (Bassist): „Bei den ersten Versionen haben wir den menschlichen Touch vermisst. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass moderne Aufnahmetechnik alles Persönliche verschleiert und haben uns für die Rückkehr zum organischen Sound und zu einfachen Songs entschieden. Die ursprünglichen Aufnahmen werden wir als B-Seiten auf den kommenden Singles veröffentlichen. So kann man die Umarbeiten im direkten Vergleich hören.“

Wie empfindet Ihr dann im Rückblick Eure ersten Alben?

Nina: „Man soll ja nichts Vergangenes bereuen, denn es gibt immer Gründe für das, was man getan hat. Aber so richtig nachvollziehen kann ich die ersten drei poppigen Alben nicht mehr. Und das vierte, „Gran Turismo“, scheint mir in der Rückschau sehr zerfahren und unentschlossen. Das ist nun anders. Gestern in Cannes, auf einer Pop Convention, haben wir „My Favourite Game“ akustisch gespielt. So gefällt mir das besser.“

Spiegelt der sehr relaxte, natürliche Grundton Eures neuen Albums - viele Balladen und Songs, die eine starke Eigenständigkeit ausstrahlen - eine bestimmte Entwicklung Eures Lebens wieder?

Nina: „Das hört sich abgedroschen an, aber wir sind nun mal älter geworden, auch bewusster und introvertierter. Das merkt man schon an den Songs.“

Peter: „Wobei ich finde, dass wir schon immer mehr Balladen als Uptempo-Songs hatten. Früher sind wir die Stücke nur krampfiger angegangen als heute. Wir hatten bisher bei jedem Song alle Möglichkeiten erwägt und uns immer gefragt „Was kann man aus diesem Stück alles machen?“ Bei der neuen Platte hat sich unsere neue, entspanntere Denkweise auf die Musik ausgewirkt. Dieses Mal haben wir den Song für sich sprechen lassen und ihn nicht in eine Richtung gezwängt, in die er nicht gehört.“

Magnus: „Ein wichtiger Punkt ist auch, dass wir uns auf der Bühne mit flotten Songs wohler gefühlt haben. Wir hatten Angst Balladen live zu spielen.“

Nina: „Das änderte sich, als wir merkten, dass die Leute wirklich in der Lage sind, einfach zuzuhören. Vielleicht haben wir als Teenager zu viele Rockkonzerte gesehen und dachten daher, dass auf der Bühne immer was los sein muss.“

Bei den Cardigans ist natürlich immer noch was los, und ungeschminkt sehen und hören wir sie ja auch ganz gern.

Aktuelles Album: Long Gone Before Daylight (Stockholm/Motor/Universal)
Weitere Infos: www.cardigans.com
© 01. April 2003  WESTZEIT ||| Text: Kristina Koch ||| Foto: Motor
April 2003

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