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CLOUDBERRY - Potente Personalunion

Marco Pleil kennt die Mühlen des Musikbusiness ganz genau. Diese sind hart und mitunter extrem gemein, wie er es am eigenen Leib erfahren musste. Dabei sollte es doch eigentlich immer nur um die Musik gehen und nicht um strategisch gute und profitable Ergebnisse. Da ist die Antwort in Form seines Solo-Debuts "Elijah" mehr als deutlich. Es geht auch ohne. Ohne was?

Zum Beispiel ohne Band. Nun ja, nicht ganz. "Ich wollte eigentlich nur spaßeshalber die Songs einmal live ausprobieren, da sie eigentlich gar nicht dafür konzipiert waren. Jeder der Musiker bringt seine Ideen ein und es klingt im Endeffekt nicht so steril wie auf Platte. Sagen wir einfach, es ist eine interessante Variation der Songs." Nicht, dass das Album, welches Marco quasi im Alleingang geschrieben und aufgenommen hat, schlecht wäre. Der Musiker hat seine Ideen gut durchdacht und konsequent produziert, so dass ein abwechslungsreiches und doch homogenes Album entstanden ist. Der Computer diente dabei als einziger Mitmusiker und exekutives Arbeitsgerät. "Spielst du in einer Band mit Bass, Schlagzeug und Gitarre, bist du irgendwie schon limitiert, was das Sound-Spektrum angeht. Mit dem Rechner hast du viel mehr Möglichkeiten, die Songs durch Samples etc. ein bisschen zu verfeinern. Ich wollte halt unbedingt mein eigenes Ding durchziehen und habe mir mit Hilfe von technisch versierten Freunden alles angeeignet, was ich dazu brauchte. So kam ein Computer ins Haus, ein Sampler, und ich habe fast ein halbes Jahr nichts anderes getan, als mich damit und Gitarren- und Keyboardspiel zu beschäftigen, bis ich mit mir selbst zufrieden war." Durch die mehrmalige Live-Präsentation hat sich das Songwriting Marcos ein wenig verändert. "Ich achte unterbewusst schon darauf, wie man sie live verwirklichen könnte und plane für mein nächstes Album auch ein, zwei Nummern von einer ganzen Band einspielen zu lassen. Aber von den Samples lasse ich auf keinen Fall die Finger." In Punkto Abwechslung schlagen sich die Songs nahezu selbst: Alle sind sehr kurz und knackig und lassen im Albumkontext kaum Zeit zum Luftholen, bevor es auch nach einer knappen halben Stunde schon vorbei ist. Weniger ist eben manchmal wirklich mehr. Die große Lüge des Pop? "Ich mag diesen ganzen Etikettenschwindel der im Moment durch die Szene geistert überhaupt nicht. Wie definiert man denn nun NuRock oder NuDivas? Die Musik tritt dabei in den Hintergrund. Das war auch ein Grund, warum ich dem Album einfach einen Namen gegeben habe. So ist die Angriffsfläche, bei der man meinen könnte, der Name sei Programm, nicht gegeben. Jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden. Für mich ist es Pop mit einem Schuss Indie, 80er und Schrammelgitarre." Ein Kontext, in den seine drei Favoriten Joy Division, The Cure und New Order gut hineinpassen. Um die Kontrolle perfekt zu machen, gründete Marco noch kurzerhand sein eigenes Label "A Cloudberry Release". "Eigentlich besetze ich im Moment so viele Jobs, die bei einer Plattenfirma auf drei Leute aufgeteilt wären. Ich koche mir sogar meinen Kaffee selbst." Ein "Fremdrelease" auf seinem label kommt erst einmal nicht in Frage. "Ich weiss es nicht. Das ist natürlich auch eine finanzielle Fragestellung. Im Moment möchte ich mir erst einmal ein kleines Polster schaffen, einen kleinen Backkatalog aufbauen und als nächstes eine EP veröffentlichen. Diesen Rhythmus "Album – ein Jahr Ruhe – Album" usw. mag ich nicht. Ich möchte schon konstant am Ball bleiben. Eigentlich ist dieser Status des kleinen Indie-Label-Bosses nur eine Begleiterscheinung, die sich einfach so ergeben hat." Wie so vieles, was wir nun einfach mal so stehen lassen.

Aktuelles Album: Elijah (A Cloudberry Release/K‘s Music/Alive)
Weitere Infos: www.cloudberry.de
© 01. April 2003  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Achim Kroepsch
April 2003

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