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WOLFSHEIM - Pop in Moll

Im Bereich durchaus düsterer, tanzbarer elektronischer Musik ist Wolfsheim seit Jahren eine Bank. Unzählige Hits, die noch heute die Tanzflächen füllen und vergeblich Nachahmer suchen, gehen auf ihr Konto. So haben sie ihren Schatten geworfen, den sie wohl mit ihrem neuen Longplayer noch länger machen, als er ohnehin schon ist. Peter Heppner und Markus Reinhardt gaben gerne Auskunft über Zeit und Raum.

„Ob wir riesige Schatten geworfen haben, können wir so nicht sagen, es waren vielleicht eher viele kleine. Im Detail könnte das sein, dass wir vielleicht bewiesen haben, dass man auch ohne Major relativ weit kommen kann.“ Und das, ohne irgendwelchen Trends nachzujagen, sondern nur, weil sich Konstanz eben doch auszahlen kann. Trotzdem hat es vier lange jahre gedauert, bis der neue Longplayer reif zur Veröffentlichung war. „Wir haben nicht jeden Tag an irgendwelchen Sounds rumgeschraubt, waren aber wohl geistig ständig mit dem neuen Album befasst. Wir sind nach der „Spectators“ direkt wieder ins Studio gegeangen um an neuen Sachen zu arbeiten, haben aber direkt bei der zweiten Session gemerkt, dass wir im Begriff waren, „Spectators, Teil 2“ zu basteln. Das wäre vielleicht für den Hörer ganz toll und vielleicht auch recht erfolgreich gewesen, für uns aber total langweilig. Für uns ist es schließlich ein Erfolg, wenn wir damit zufrieden sind, da kümmern uns Chart-Platzierungen kaum. Uns war dann sofort klar, dass wir diesen Prozess sofort stoppen müssen und machten uns Gedanken, in welche Richtung die neue Scheibe überhaupt gehen sollte. Und das hat dann schon fast zwei Jahre beansprucht.“ Welche aber kreativ genutzt wurden und Markus zu einem Album mit Care Company sowie Peter zu der Kollaboration mit Stiller führte. „Das war eine gelungene Abwechslung, auch, um ein wenig Abstand von Wolfsheim zu gewinnen. Natürlich erkennt man bei diesen Dingen auch unsere Herkunft, umso weniger bringen wir aber davon wieder in unsere Band ein.“ Nun eröffnet ja ein gewisser Erfolg und Bekanntheitsgrad viel mehr Möglichkeiten, als am Anfang je geahnt waren. Dennoch bleibt das Duo bescheiden. „Natürlich können wir nun darüber nachdenken, welche Produzenten wir uns ins Haus holen oder Detlev Buck fragen, ob er unser neues Video dreht, das ist eine Frage der künstlerischen Verwirklichung. Aber wir gehen verschiedene Songs und ihre Themen eigentlich immer noch gleich an. Auch besitzen wir keinen riesigen Instrumenten- und Peripheriepark. Bei aller Technik, die hilfreich sein kann – es geht immer noch um den Song!“ Was man auch bei „Casting Shadows“ wieder eindeutig erkennen kann. Feinste Dynamiken, die bis ins Detail reichen und den Begriff Pop unumgänglich machen. „So sollte man das auch bezeichnen. Das schliesst nämlich andere, krude Formulierungen aus. Der einzige Unterschied zum „ordinären“ Pop ist, dass wir ein bisschen mehr in Moll zur Sache gehen und unsere Texte mehr Verstand haben.“ Ohne Zweifel ist dem so. Die erste Single „Kein Zurück“ mag auf den ersten Blick entmutigend wirken, drückt aber eigentlich das genaue Gegenteil aus. „Sicher ist die Realität manchmal ernüchternd, aber das Leben hat oftmals viel mehr positive als negative Seiten zu bieten. Wenn du Träume hast, die du verwirklichen möchtest, dann arbeite jetzt daran und warte nicht. Der Tenor mag zwar negativ klingen, aber der Ausblick ist dafür umso schöner. Es gibt zwar kein Zurück mehr, aber es geht immer noch vorwärts!“

Aktuelles Album: Casting Shadows (Strange Ways/Indigo)
Weitere Infos: www.wolfsheim.de
© 01. April 2003  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Stefano Boragno
April 2003

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