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DUM DUM GIRLS - With a little help from my friends

Kaum wurden die Dum Dum Girls zu einer richtigen Band, sind sie es schon nicht mehr. Sängerin Dee Dee Penny schickte während der Arbeiten am neuen, dritten Album ´Too True´ alle Kollegen nach Hause und machte einfach alleine weiter. Ein ungewöhnlicher wie konsequenter Schritt für die Chefin, da sie das Projekt im Eigenbetrieb startete und jetzt genauso fortsetzt: „Ich verstehe die Meinungen, wir hätten den Weg des letzten Albums beibehalten sollen – da wir zu einer echten Einheit heranwuchsen, bei der sich jeder ins Songwriting einbrachte und niemand ausgeschlossen fühlte. Wenn es aber im alles entscheidenden Moment nicht meiner Vorstellung entspricht, was soll ich machen?“, rechtfertigt sie die Entscheidung und muss trotzdem einsehen: Ganz ohne Unterstützung geht es nun auch nicht.

Nur die Harten kommen in den Garten. Weil es in der Hotellobby zu laut für ein Interview ist, fängt einen Dum Dum Girl Dee Dee gleich an der Rezeption ab und fragt, ob es okay wäre, wenn wir fix nach draußen gehen, um im Hofe des Ladens das Interview zu führen – bei knapp zwei Grad über Null stellt sie auf dem Weg nach draußen fest, dass das ganz angenehm sei, oder?

Und so sitzt man kurzerhand vor der Tür, will fragen, ob Dum Dum Girls noch einen Schritt weiter Richtung „engerer“ bzw. „intensiverer Zusammenarbeit“ gegangen sind, da poltert es sofort aus ihr heraus:

„Das Thema kam schon öfter auf und deswegen erkläre ich es gern noch einmal: ‚Too True‘ ist am ehesten mein Album und es kostete mich einiges an Überzeugungsarbeit, um es so aufzunehmen. Was nicht heißen soll, dass die anderen Mitglieder der Band keinen Anteil daran haben – ganz im Gegenteil, das Verständnis für meinen Weg ist mindestens genau soviel wert, wie es eine erneute Zusammenarbeit gewesen wäre.“

Dankenswert, dass erste Frage gleich ohne irgendwelches Drumherumgerede beantwortet wurde. Kommen wir zum nächsten Punkt – das Artwork von ´Too True´, dass Dee Dee im Gegensatz zu den ersten beiden Dum Dum Girls-Releases als Vamp in Hot Pants zeigt, warum eigentlich?

„Mode war immer ein Bestandteil unserer Performance“, lächelt sie vielsagend, „als All-Girl-Band merkst du auch, dass gerade der männliche Teil im Publikum checkt, was du trägst – und wo bei Bands wie Pink Floyd bei YouTube & Co. ‚nettes Gitarrensolo‘ unter den Videos steht, schreiben die Leute bei uns: ‚Hübsche Beine‘.“

Eine Tatsache, die nicht von der Hand zu weisen ist und Dum Dum Girls seit ihrer Gründung von vor über sechs Jahren stets begleitete.

Der Blick hinter die Fassade ihres selbstbewussten Auftretens zeigt jedoch auch eine andere Seite – eine, die verletzlich, manchmal zerbrechlich ist und sich oft nur in der Musik widerspiegelt.

„Es ist ein bisschen verrückt“, stellt sie fest und zieht sich die Jacke über ihre nur mit einer Leggings bedeckten Knie, „im Prinzip sind die neuen Sachen die poppigsten, die wir je aufgenommen haben und doch transportieren sie sehr dunkle Inhalte.“ Was stimmt und dem nach den ersten Eindrücken von „Too True“ kaum zu widersprechen ist.

Ist es deswegen ein Album über Beziehungen, Trennungen und die Einsamkeit danach geworden?

„Kann sein, meine Freunde meinen dies zumindest und wunderten sich auch, ob meine Ehe noch in Ordnung sei oder ich demnächst plane, mich scheiden zu lassen – was natürlich quatsch ist.“

Es zeigt vielmehr, dass sich Dee Dee eine Vorstellung davon machen kann, wie es sich für sie anfühlen müsste, wenn eben nicht alles in bester Ordnung wäre und genau diese Abstraktionsgabe stellt ihr außergewöhnliches Songwriter-Talent erneut unter Beweis – sowie: Dass der Alleingang bei der Produktion von ´Too True´ definitiv kein Fehler war.

„Ich will nichts in Stein meißeln, vielleicht ändert sich die Arbeitsweise mit dem kommenden Album wieder – man darf das nicht absolut sehen. Der Titel ‚Too True‘ stammte zum Beispiel auch nicht von mir, da haben zwei Freundinnen Mithilfe geleistet. Ich bin also kein Eremit, der niemanden an sich ranlässt, sondern arbeite gerne mit anderen zusammen.“

Nur in Sachen Kälte scheint sie resistent zu sein, denn nach mehr als einer halben Stunde friert sie trotz knapper Kleidung überhaupt nicht. Im Gegenteil: ginge es nach ihr, könnten wir noch Stunden lang im Hof plaudern.

Über ihre Songs und ihre Band, ohne die sie niemals da wäre wo sie heute ist – Eigensinnigkeit hin oder her, Dee Dee Penny trägt ihr Herz am rechten Fleck.

Aktuelles Album: Too True (Sub Pop / Cargo)
© 01. Februar 2014  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Februar 2014

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