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LOW - Papa, töte den Affen nicht!

Von einem Jubiläum wollen Low nichts wissen – oder es zumindest nicht feierlich begehen. Seit nunmehr zwanzig Jahren schickt das Trio seine Songs in eine Dunkelheit, die aus süßlicher Melancholie und pechschwarzem Glück besteht: Ihr neues Album ´The Invisible Way´ macht keine Ausnahme und lässt ebenso Licht am Ende des Tunnels zu. “Ich würde meinen, wir werden mit dem Alter immer optimistischer und erkennen, warum es sich zu leben lohnt”, lacht Sänger Alan Sparhawk und schaut seiner Frau und Kollegin Mimi Parker tief in die Augen. Die beiden verstehen sich bestens und niemand scheint das jahrelange Vertrauen der Eheleute zerstören zu können – wären da nicht ihre Kinder, die für allerhand Unruhe sorgen.

Stimmt, nickt Alan Sparhawk, zuletzt sei er nur alleine zu sprechen gewesen. „Er ist schon ein kleiner Kontrollfreak“, erklärt Mimi Parker und bekommt einen skeptischen Blick vom Ehemann zurück. „Du kannst eben schwer loslassen“ – „Mag sein, aber andere Gründe führten dazu, dass wir hier zu zweit sitzen, Mimi.“

Um einem Krach vorzubeugen, erwähnen wir gleich selbst, dass Low zum ersten Mal seit zwanzig Jahren ein Album aufgenommen haben, das Songs mit sich bringt, die beim Gesang vollkommen gleichberichtigt aufgeteilt wurden. Nicht allein Sparhawk hat die Hosen an, Mimi Parker kam nie besser zur Geltung.

„Sie ist die künstlerische Kraft im Studio und kann den Dingen sehr gut freien Lauf lassen. Während ich manchmal über technische Mittel versuche, diesen oder jenen Sound zu kreieren und so ergänzen wir uns ganz gut, man bewegt sich aus verschiedenen Richtungen aufeinander zu.“

Womit ein Stichwort fällt, das dem Ergebnis deutlich anzuhören ist: Der Zeitlupen-artige Pop wurde entgegen vieler Erwartungen auf einem Instrument verwirklicht, dass sonst eher nicht ins Low-Repertoire passt: Das Klavier erlebt seine Quasi-Geburtsstunde auf ´The Invisible Way´.

Einen Verantwortlichen dafür gebe es nicht, meinen beide, sind sich aber ziemlich sicher, dass der eigene Nachwuchs was damit zu tun haben könnte:

„Unser Ältester ist jetzt in seiner pubertären Abgrenzungsphase, hört im Gegensatz zu vielen Freunden keine Indiemusik, sondern will.i.am und wollte wahrscheinlich mit dem Piano ein Instrument lernen, dass wir eher seltener verwenden. Sein Plan ging nach hinten los.“

Wohl wahr und natürlich verpasst der Sohnemann durch die Verweigerungshaltung einiges: Die gekonnt platzierte Destruktion der frühen Low-Alben zum Beispiel, das Zerworfene der mittleren Phase und letzten Endes auch die Hoffnung der letzten zwei Platten, die wesentlich optimistischer in die Zukunft schauten.

„Ich erinnere mich noch gut, wie einst unsere Tochter nach einem Konzert auf mich zukam und mit Tränen in den Augen fragte, warum wir im Song ‚Monkey‘ einen Affen umbringen wollen: ‚Papa, töte den Affen nicht‘, forderte sie mich auf und klar, für ein Kind ist das schwierig, wenn die Eltern solche Sachen singen.“

Wobei Sparhawk auch darüber schmunzeln muss und Verständnis hat, dass seine Kids lieber R’n’B als Low hören.

„In der Schule geben sie überhaupt nicht an, ganz im Gegenteil. Und zum Glück sind ja wir nicht die einzigen Musiker, die Dulath bzw. Minnesota hervorgebracht hat – Bob Dylan ist weit berühmter.“

Stellt sich trotzdem die Frage, wo der unsichtbare Weg im Titel des Albums das Trio demnächst hinführen wird?

„Es gibt kein Best Of zum Jubiläum. Darauf haben wir uns bereits geeinigt, denn solche Sachen fügen dem Gesamtbild nichts Neues hinzu.“

Mit inzwischen zehn Longplayern im Katalog würde sich dies zwar anbieten, die Produktivität im Hause Low kann sich aber auch ohne Rückschau sehen lassen. Richtig planen sei dabei nicht ihr Ding, aber drei, vier Jahre ohne Studiowerk vergehen zu lassen ebenso wenig: „Ich bekäme es glatt mit der Angst zu tun“, ergänzt Mimi Parker lächelnd.

Verheißt für die Zukunft nur Gutes und wie der Ex-Nachbar Bob Dylan mit seiner „Never Ending Tour“ seit Jahren beweist:

Es geht immer weiter, oft ganz von allein.

Aktuelles Album: The Invisible Way (Subpop / Cargo)
© 31. März 2013  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
März 2013

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