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ALEX WINSTON - Hochstaplereien

Alex Winston stammt aus dem amerikanischen Herzland. Vielleicht interessiert sie sich deshalb so intensiv für amerikanische Subkulturen im weitesten Sinne. Auf ihrem Debüt-Album „King Con“ geht es nämlich um falsche Prediger, Elvis-Impersonatoren, Kultführer, religiöse Eiferer und ähnliche Hochstapler und Betrüger (im Slang sind das sogenannte „Con-Artists“ – oder eben „King Cons“).

Darum geht es in den Songs die Alex musikalisch alle in nette, gutgelaunte, tanzbare Pop-Arrangements verpackt zu denen sie mit klassisch trainiertem Opern-Sopran angenehme Melodien zwitschert. Wie passt das alles zusammen? Woher kommt Alex' Vorliebe für die weiche Unterseite der Gesellschaft, was die Inhalte ihrer Songs betrifft?

„Das liegt einfach daran, dass mich das Zeug interessiert“, meint sie unbestimmt, „ich schaue mir ständig Dokumentationen an um dazuzulernen. Ich mag unterschiedliche Leute in unterschiedlichen Situationen: Die Amischen-Kultur finde ich interessant, Religion im Allgemeinen, Sekten. Weißt Du, das Leben anderer Leute ist irgendwie meistens interessanter als mein eigenes.“ Wer wissen möchte, wie Alex an ihre Themen kommt der braucht nur auf ihre Website zu schauen, wo sie in ihrem Blog Rezensionen zu Dokumentationen schreibt, die sie selbst inspiriert haben.

„Ja, das sind die Dokus, die ich mag und die ich für wichtig halte“, erklärt sie, „manche davon haben ja auch direkten Einfluss auf meine Songs, wie etwa 'Velvet Elvis'. Ich möchte einfach diese Erfahrungen teilen.“

Was interessiert Alex musikalisch? „Ich weiß das selbst nicht, bis ich irgend etwas fertig habe“, führt sie aus – dazu muss man wissen, dass sie ihre Songs mit dem Programm Garageband komponiert, „wenn ich mit Sachen herumexperimentiere, dann ergibt sich daraus eine Situation. Nimm etwa 'Choice Notes'. Das schrieb ich, als ich deprimiert war, um mich aufzuheitern. Die erwähnten 'Choice Notes' sind die Töne, die den Harmonien des Songs zugrunde liegen. Im Prinzip ist das das Format, mit dem ich meine Songs aufbaue und so entsteht auch die fröhliche Musik. Und damit wären wir bei dem Spaß, den ich an Kontrasten habe – einmal davon abgesehen, dass ich einfach fröhliche Musik mag, was manche Leute schon wieder creepy finden.“

Nun, fröhliche Songs alleine sind ja vielleicht nicht creepy – wohl aber solche über Vielweiberei oder Leute, die sich in Objekte verlieben. Warum schreibt Alex denn nicht einfach über sich selbst?

„Ich schreibe schon aus meiner eigenen Perspektive und auch über persönliche Momente“, erklärt sie, „aber da ich nicht über Sonnenschein und Blümchen schreiben möchte, finde ich eben das Leben andere Leute, die viel extremer sind als ich schon interessanter als meine Person.“

Mal so gefragt: Geht es Alex überhaupt um die Botschaften der Texte?

„Also ich schreibe meine Songs ja eigentlich aus ziemlich eigensüchtigen Gründen“, überlegt sie, „einfach deshalb, weil mich das, worüber ich schreibe, selbst interessiert. Ich hoffe aber doch schon, dass die Songs, die sich um universellere Themen drehen auch für einzelne von Interesse sein können. Ich denke schon, dass man aus dem, was ich singe, etwas für sich mitnehmen kann.“

Und sei es auch nur, dass man auf Themen stößt, auf die man selbst gar nicht so ohne weiteres gekommen wäre. Alex Winston gelingt mit Ansatz jedenfalls etwas sehr ungewöhnliches: Pop-Musik, der man zuhören kann und von der man etwas lernen kann. Schön, dass es so etwas überhaupt noch gibt!

Aktuelles Album: King Con (V2 / Universal)
© 01. März 2012  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Guy Eppel
März 2012

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