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ESKIMO CALLBOY - Der Castrop-Rauxeler Katzensprung

Schon die Namenswahl ist aufregend, und der Sound dieser Burschen aus dem beschaulichen Castrop-Rauxel ist nichts anderes als purer Luxus: Mit der Rasierklinge geschnittener Metalcore gepaart mit Techno und Elektropop. Wer auf solche Ideen kommt, hat durchaus Lorbeeren verdient. Und vor allem: er verdient Gehör! Also: Augen und Ohren auf. Sänger Kevin stand uns Rede und Antwort

Von Castrop-Rauxel nach Las Vegas – für euch ein Lebenstraum oder ein Katzensprung? Seht ihr euch vielleicht selbst als Kunstprodukt inmitten der Einöde eines seit Jahren stagnierenden Musikbusiness?

“Wir glauben, jeder Künstler, der seine Kunst öffentlich aufführt, sieht sich als Kunstprodukt. Aber von Einöde und Stagnation kann im heutigen Musikgeschäft ganz bestimmt nicht mehr die Rede sein. Nie zuvor gingen Geschmäcker weiter auseinander, und nie zuvor bot die Musiklandschaft mehr Varietät an verschiedensten Genres, so dass man manche Bands gar nicht mehr einzuordnen vermag. Genau so eine Band wollen wir auch sein! Momentan ist der Versuch eines jeden Künstlers signifikant, sich vom geballten Rest abzuheben. Der eine schafft´s, der andere nicht. Die Entscheidung über das Gelingen tragen Zuhörer und Zuschauer. Und wer es schafft, in irgendeiner Form „anders“ zu sein, erreicht auch viele Menschen. Deswegen ist es zwangsläufig ein Lebenstraum für uns, unsere Musik weltweit zu verbreiten, und vielleicht sogar aufzuführen. Das Internet bietet hier natürlich facettenreiche Möglichkeiten, sich auf allen Kontinenten bemerkbar zu machen. Und so gesehen, ist die Strecke Castrop-Rauxel – Las Vegas zwar nicht geografisch, aber sicherlich menschlich und emotional ein Katzensprung.”

Ist es vielleicht gerade diese Weltoffenheit (auch im Sinne musikalischer Welten), die Euch so einzigartig macht?

“Wie gesagt, Einzigartigkeit ist doch der Wunsch jedes Musikers. Ob es tatsächlich bei uns so ist, möchten wir gar nicht mal beurteilen. Wir können aus unseren bisherigen Erfahrungen nur berichten, dass wir viel gute, aber natürlich auch schlechte Kritik von überall aus der Welt erhalten. Und das zeigt uns, dass man über uns redet, sich uns annimmt. Wir sind auf jeden Fall eine weltoffene Truppe. Wir hoffen, dass jeder, der uns kennenlernt, oder kennengelernt hat, dies bezeugen kann.”

Ganz ehrlich: Kennt man euch privat auch als Trendsetter? Hattet Ihr immer schon die Schuhe von morgen und die Frisuren von übermorgen?

“Trendsetter gibt es gar nicht. Nur Leute, die andere mit ihrem persönlichen Stil so begeistern, dass diese ihn adaptieren. Aber ganz klar, muss man ein wenig extrovertiert sein, um überhaupt den Anreiz zu verspüren, seine Musik auf großen Bühnen zu zeigen. Und vor allem, wenn man dies noch in Leggins und Kostümen macht. Dies zeigt sich dann vielleicht auch in Kleidungsstilen. Bis auf unseren Sushi (der 2. Mann am Mikro) haben wir aber alle ganz vernünftige Frisuren.”

Hört ihr privat denn mehr Metal oder mehr Elektro? Und woher kommt euer Verkleidungswahn? Castrop-Rauxel ist ja nun nicht gerade die Karnevalshochburg…

“Man muss zunächst sagen, dass wir in jeder Hinsicht sehr offene Menschen sind. Wir hören alles, was die Musiklandschaft so hergibt. Das hört man auch in unserer Musik. Nur war es uns enorm wichtig, dass die vermeintlich „bösen“ Parts in unseren Songs nicht auch mit „böser“ Miene und Einstellung erlebt werden. Wir wollten Spaß und gute Laune bringen, nicht grundlose Aggressionen. Die Musik liefert da teilweise also etwas, was wir durch unseren Bühnenauftritt durchbrechen wollen. Dies tun wir ganz einfach, indem wir uns selber nicht zu ernst nehmen. Denn dadurch fällt es auch den Zuschauern auf unseren Shows viel leichter, aus sich herauszugehen. Sei es durch unsere Offenheit, oder durch Verkleidungen, mit denen wir uns wohlwissend auch gerne selbst auf die Schippe nehmen.”

Was machen Eskimo Callboy in 10 Jahren?

“Vielleicht leben wir alle zusammen auf einem Hausboot, oder musizieren in der Castroper Fußgänger-Zone, vielleicht machen wir auch Musik und zeigen diese auf der ganzen Welt,… Man weiß es nicht genau. Klar ist, dass wir weiterhin unser Ding machen werden, ohne zu viele Gedanken über die Zukunft. Gedanken sind eine wichtige Sache, aber zu viele lassen gute Ideen gar nicht erst entstehen.”

Aktuelles Album: Bury Me In Vegas (Redfield / Alive)
© 01. März 2012  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
März 2012

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