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BUSH - Älterwerden ist schön

Bush? Da war doch was? Wurde nicht das Debütalbum ´Sixteen Stone´ der Alternative-Truppe mit Platin überhäuft? Waren sie nicht eine der kommerziell erfolgreichsten Rockbands der 90er Jahre? Hatten sie nicht einen monstermäßigen Erfolg in den Staaten, während er in ihrer Heimat England eher marginal ausfiel? Lang, lang ist es her. 1991 betritt Sänger und Gitarrist Gavin Rossdale gemeinsam mit Gitarrist Nigel Pulsford die Szene.

An ihrer Seite finden sich Schlagzeuger Robin Goodridge und Bassist Dave Parsons. Nach vier Alben, das letzte 2001, verschwinden Bush wieder. Gavin Rossdale tröstet sich derweil mit der Frontfrau der US-Band No Doubt, Gwen Stefani. Inzwischen ist sie seine Ehefrau.

Zehn Jahre sind vergangen, plötzlich Bush legen ein neues Album vor, ´Sea Of Memories´. Gavin Rossdale und Robin Goodridge sind von der Originalformation übrig geblieben. Ex-Helmet- und Rival-Schools-Gitarrist Chris Traynor ist neben The Calling-Bassist Corey Britz mit von der Partie. Doch aus den Händen gerissen wird ihnen die neue Platte nicht. Nach einjähriger Werbetour erscheint sie schließlich auf dem eigens gegründeten bandeigenen Label.



Ausbalancierter Pop-Alter-

native-Rock

´Sea Of Memories´ - klingt nach Erinnerungen und zwar nach einem ganzen Sack voll. Ist auch nicht ganz falsch; denn ein wenig fischen Bush schon in alten Gewässern und kultivieren ihre Stärke melodieverliebten Pop und Alternativerock gut ausbalancieren zu können. Grunge haben sie früher schon nicht wirklich gemacht und auf ´Sea Of Memories´ erst recht nicht. Auch hat das Alter nur geringfügig an Gavin Rossdales eindringlichem Organ genagt. Als er sich in Berlin den Interviewfragen stellt, hat er fast feuchte Augen.

„Berlin hat für mich eine gewisse Romantik wegen der ganzen Bowie/Eno-Geschichte und der langen Tradition von großartigen Musikern, die dort leben.“

Und die Hansa-Studios, die an der Bowie/Eno-Geschichte maßgeblichen Anteil hatten sind gleich um die Ecke des Hotels. Doch zurück zur neuen Bush-Platte. Gavin Rossdale weist gleich eingangs des Gesprächs auf das Dilemma hin, in dem sich Band befindet, als es an die Aufnahmen geht.

„Einerseits wollten wir das erfüllen, was unsere langjährigen Fans von uns erwarten, und andererseits wollten wir unsere Kreativität ausleben.“

Dieser Zwiespalt bleibt auch den Hörern der Platte nicht verborgen; denn nur aus ihm heraus ist es zu erklären, dass sich mit ´All Night Doctors´ eine ärgerlich kitschige Ballade mit jede Menge Streicherschmalz eingeschlichen hat.



Bessere Menschen und bessere

Gitarristen

Doch das könnte nur ein Ausrutscher sein; denn Gavin Rossdale ist Anhänger des lebenslangen Lernens.

„Ich habe über die Jahre in so vielen Studios der Welt und mit so vielen Musikern gearbeitet, dass ich doch sehr hoffe, dass ich mir da hier und da nicht nur etwas abgeguckt habe, sondern dabei auch ordentlich was gelernt habe. Als Gitarrist und als Sänger.“

Und damit ist er noch lange durch mit dem Thema. Gavin Rossdale will nicht nur ein besserer Künstler werden. Er will auch ein besserer Mensch werden. Da scheint sich ganz offensichtlich Altersweisheit Bahn zu brechen.

„Das Älterwerden ist doch schön“, sagt der Schönling ganz ohne dabei rot zu werden, „gerade für einen Mann. Besonders dann, wenn er eine gute Frau an Seite hat, die ihn einnordet. Ich habe so eine und bin längst nicht mehr selbstsüchtige Monster, das ich früher unbestreitbar einmal war.“

Da scheint in Gavin Rossdale noch Stoff für unzählige Platten zu schlummern, zumal dann, wenn er noch älter wird und dabei noch mehr lernt.

Aktuelles Album: Sea of Memories (Zuma Rock /Ear Music/Edel)
© 01. Dezember 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Dezember 2011

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