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KATHLEEN EDWARDS - Der Fluch des Ghettos

Nach der Tour zu ihrem letzten Album ´Ask The Flowers´ sang die Kanadierin Kathleen Edwards auf dem Bryan Adams´ Album ´11´ und ging auch mit ihrem Landsmann auf Tour. Das eröffnete ihr die Möglichkeit, sich und ihre Musik einem neuen Publikum vorzustellen. Danach gab es erst einmal eine kreative Auszeit – bevor sie dann eine musikalische Zusammenarbeit mit dem neuen Schrullen-Wunderkind Justin Vernon (Bon Iver) begann, die zunächst dazu führte, dass sie eine Single ´Wapusk / Change The Sheets´ herausbrachte, die Vernon produzierte und später dann gar eine privatromantische Liaison einläutete, die dann wieder in einer gemeinsamen Tour endete.

Das neue Album ´Voyageur´ schlägt nun musikalisch ein neues Edwards-Kapitel auf, in dem sie sich – unterstützt von Vernon - von ihrer Americana-Vergangenheit absetzt. Trotz des Titels handelt das neue Album aber interessanterweise gar nicht vom Reisen, wie viele Scheiben der fernwehgeplagten Nordamerikaner, oder?

„Sagen wir mal es geht um Orte, an denen ich gewesen bin und dem, was ich dort erlebt habe“, meint Kathleen hierzu. Das mag zwar sein – zunächst einmal geht es aber hier doch um Kathleen Edwards selbst, oder?

„Also wenn ich nicht ausdrücklich über mich selbst schreibe, dann versuche ich doch zumindest, mich in die Person, über ich singe dergestalt hineinzuversetzen, dass ich das, was sie fühlt, selber fühlen könnte. Es ist so, dass ich in der Vergangenheit auch mal Story-Songs hatte, wie zum, Beispiel 'Six O'Clock News’ (ihr bekanntester Titel), die ich auch gerne heute noch spiele, weil sie den Leuten gefallen, was dann auch mir wieder viel gibt. Ich muss aber zugeben, dass es auf der neuen Scheibe aber tatsächlich ausschließlich um mich geht. Ich muss ja schließlich auch meine Songs glauben können, um sie vortragen zu können.“

Musikalisch geht das neue Album – mit abwechslungsreichen Songstrukturen, poppigen Melodien und vielseitigen Arrangements mit einer besonderen Betonung des Einsatzes der Keyboards - einen Schritt weiter als Kathleens bisherige Alben, die eher noch im klassischen Americana-Setting angesiedelt waren. Dies ist für Kathleen allerdings ein wunder Punkt, wie sie deutlich macht.

„Ich weiß, dass ich bisher immer als Americana-Künstlerin gesehen wurde“, räumt sie ein, „das ist aber wie ein Fluch für mich, denn dadurch werden mir immer wieder Türen verbaut. Es ist mir nämlich klar geworden, dass das Label 'Americana' viele davon abhält, meiner Musik überhaupt eine Chance zu geben, weil sie zu wissen glauben, welche Art von Musik ich mache und sich meine Songs dann gar nicht mehr anhören.“

Nun war aber Kathleen dabei keineswegs so schlimm, wie manche ihrer Landsleute, die die Americana-Klischees zum Teil ernster nehmen, als ihre amerikanischen Nachbarn.

„Mag sein“, zögert sie, „mein Ziel bei der neuen Scheibe war aber eindeutig, mich zu öffnen, und etwas Neues zu versuchen – denn ich wollte mich nicht wiederholen.“

Was macht denn eigentlich einen guten Song für Kathleen aus?

„Ein guter Song ist einer, von dem Du, nachdem er zu Ende ist, weißt worum es geht“, meint Kathleen bestimmt. Hilft es dabei, auf die Meinung anderer zu hören – wie z.B. Justin Vernon?

„Sicher“, bestätigt Kathleen, „Justin ist unglaublich gut darin, die wichtigen Dinge zu erkennen und entsprechend zu betonen oder zu verbessern.“

Das Ergebnis dieser Kollaboration ist ein Album zwischen den Genres, das Kathleen Edwards auf melodisch und strukturell neuem Terrain zeigt. Sollte doch klappen, damit aus dem Americana Ghetto auszubrechen!

Aktuelles Album: Voyageur (Zoë / Rounder / Universal) VÖ: 13.01.
© 01. Dezember 2011  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Dezember 2011

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