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THE BIG PINK - Frische Luft, altes Theater

Obwohl The Big Pink mit ´Future This´ erst das zweite Album ihrer Karriere veröffentlichen, sind Robbie Furze und Milo Cordell längst keine Greenhorns mehr: Während erstgenannter bereits als Gitarrist für Alec Empire tätig war, entdeckte Cordell u.a. The Klaxons und verschaffte ihnen europaweiten Erfolg. Die Angst jedoch, nach einem gefeierten Debüt den Boden unter den Füßen zu verlieren und angesichts des nun erscheinenden Nachfolgers in die falsche Richtung abzubiegen, spürt das Duo schon. Wie gut, dass es Frauen gibt, die bei allem helfen.

Der Nebel sei schuld, erklärt Robbie Furze zur Begrüßung kurz und entschuldigt sich für die satte Verspätung von vier Stunden: Man sei pünktlich in der Homebase London losgefahren, doch als der Hinweis am Flughafen kam, die Abflugszeit würde sich verzögern, „da dachten Milo und ich uns schon: Die deutschen Journalisten, sie werden warten müssen!“

Haben sie natürlich und sicher auch gerne, denn zwei Jahre nach dem allerorts gefeierten Erstling ´A Brief History Of Love´ ist ein neues Lebenszeichen des Zweiergestirns eine kleine Wartezeit durchaus wert – allen voran im heimischen England wird die Nachricht über das neue Album bereits im großen Stil über den Äther gejagt.

„Genau genommen haben wir das gar nicht mitbekommen“, lächelt Furze verlegen, „wenn du seit fast zwei Jahren unentwegt auf Tour bist und parallel dazu noch an einem neuen Album tüftelst, dann nimmst du dein Umfeld nur noch mit Tunnelblick war – unsere erste Titelstory entdeckte ich an der Tankstelle, bei einem Zwischenstopp.“

Vielleicht ist diese Beiläufigkeit im Zusammenhang mit der Wahrnehmung des eigenen Erfolgs aber auch ein ungeheurer Vorteil für The Big Pink: Im Gegensatz zu den von ihnen entdeckten Kollegen von The Klaxons, die für ihre Exzesse wohlbekannt sind, scheint hier niemand den Boden unter den Füßen verloren zu haben:

„Logisch ist es irritierend, dass plötzlich Menschen in ganz Europa deinen Namen kennen und deine Songs mitsingen können – aber unsere beiden Freundinnen halten uns da schön den Spiegel vors Gesicht, sobald wir ein wenig übermütig werden“, versichert Furze und schaut auf sein MacBook, dass als Bildschirmhintergrund ein Foto von seiner Liebsten ziert.

Auf den sehr vielsagenden und leicht bedeutungsschwanger wirkenden Titel des neuen Albums ´Future This´ seien sie derweil eher beiläufig gekommen:

„Milo schleppte den Namen irgendwann an und meinte, er würde perfekt passen, weil es zum einen sagt, dass da noch was kommen wird und andererseits die Gegenwart betont.“

Die sich im Falle von The Big Pink schon ein wenig anders gestaltet, als manch Fürsprecher nach ´A Brief History Of Love´ von 2009 erwartet hätte: ´Future This´ stellt zu allererst die Beats und Samples in den Vordergrund und strickt die dichten Gitarren im Nachhinein ums elektronische Grundgerüst herum.

Die neuen Songs seien zum Großteil am Computer entstanden, gibt Robbie Furze auf Nachfrage zu Protokoll – den starken Hang zum Wave und 70’s Rock der beiden, den könne man aber genauso deutlich heraushören:

„Es ist keine 180 Grad-Wende, sondern eine konstante Weiterentwicklung, die niemanden verprellen soll.“

Wird sie wahrscheinlich auch nicht und doch geht „Future This“ mit Überraschungseffekten sehr offen um: Allein schon von der Optik her scheint sich das Duo umgestellt zu haben, die dunkle 60er-Jahre Film-Noir-Ästhetik ist kaum mehr vorhanden und ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt:

„Finden wir immer noch richtig, dass wir uns damals dafür entschieden haben“, kommt sofort die Rechtfertigung, „die Motive sollten einen Kontrast zur Musik darstellen, die stark von den späten Siebzigern und frühen Achtzigern geprägt war – dieses Mal ging es hingegen mehr um eine Symbiose aus Grafik und Musik.“

Kein schlechte Idee, denn wenn der Nebel sich lichtet, werden so manche Augen genauer hinschauen und The Big Pink sind mit ´Future This´und ihren beiden Damen an der Seite gut darauf vorbereitet.

Die Zukunft, sie möge kommen.

Aktuelles Album: Future This (4ad/Beggars/ RTD) VÖ 13.01.12
© 01. Dezember 2011  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Dezember 2011

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