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INTERPOL - Almost too perfect

„Ein Musiker möchte stets wachsen und seinen Horizont erweitern“, sinniert Interpol-Schlagzeuger Sam Fogarino beim Gespräch mit der Westzeit. „Aber es wird immer bestimmte Leute geben, die nicht wollen, dass das geschieht. Sie möchten dieses kleine kostbare Etwas bewahren, das sie entdeckt haben. Aber das lebt und atmet. Es wird wachsen und sich entwickeln.“

Interpol sind gewachsen. Entsprechend inszeniert sich das New Yorker Quartett neu: Auf der Konzertbühne sehen sich die Musiker vom Licht umzingelt, die Mienen klar zu erkennen, und Frontman Paul Banks bleiben nur die ins Gesicht geworfenen Haare, um wenigstens ein bisschen Distanz zwischen sich und das Publikum zu legen. Konsequenterweise wurde auch für das Artwork des dritten Albums „Our Love To Admire“ eine neue Stilrichtung eingeschlagen: Ein konkretes Szenario löst die schwarz-rote Ästhetik ab. Zwar ist die Platte wie schon die vielgelobten Vorgänger „Turn On The Bright Lights“ und „Antics“ vom so typischen Post-Rock-Sound inspiriert, doch die Auszeit vor den Aufnahmen dazu – nach rund drei Jahren fast ununterbrochenen Tourens redlich verdient – brachte wichtige Veränderungen und neue Formen des musikalischen Dialogs mit sich.



Interpol begannen die Aufnahmen in Manhattans The Magic Shop, wo Blonde Redhead just ihre Energie hinterlassen hatten. Vollendet aber wurde die Platte nur wenige Blocks weiter, im legendären, einst von Jimi Hendrix eingerichteten Studio. „Ich war recht niedergeschlagen, denn als wir ins Electric Lady umzogen, hatte ich alle meine Schlagzeugaufnahmen bereits fertig“, erinnert sich Sam. „Doch dann fragte mich unser Co-Produzent Rich Costey, ob es mir wohl etwas ausmachen würde, einige Parts neu einzuspielen. Ich durfte ganz alleine im Studio A aufnehmen! Die Chance, zu bereits fertigen Gitarren- und Bass-Spuren zu spielen, habe ich ja normalerweise nicht. Das war schon sehr aufregend!“
Dies war allerdings längst nicht die einzige Neuerung. Hatte Gitarrist Daniel Kessler bei den vorangegangenen Platten die meisten Ideen eingebracht und Carlos „D.“ Dengler die Keyboard-Parts und Arrangements gesondert entwickelt, so wurden letztere für „Our Love To Admire“ bereits während des eigentlichen Schreibprozesses eingefügt und diskutiert. Auf diese Weise wurden sie zu integralen, nicht bloß zusätzlichen, ausschmückenden Bestandteilen der neuen Songs.

Als besonders hilfreich erwiesen sich dabei die Errungenschaften moderner Technologie. „Es ist großartig, wie viel Persönlichkeit man heute in Songs legen kann, obwohl sie aus dem Sequencer kommen. Vor zwanzig Jahren war Sequencing so etwas, wie man es von Kraftwerk kennt, sehr straight. Heute kann man dagegen das Feinsinnige einfangen. Deshalb war es uns so wichtig, dass Carlos diese Parts in den Computer einspielte. Er war es, der sie geschrieben hat, und dadurch, dass er sie nun selbst aufgenommen hat, werden er und sein Gefühl ziemlich gut eingefangen.“
Für die Live-Umsetzung bedeutet dies, dass der für die Bühnenshow zusätzlich engagierte fünfte Mann an den Keyboards (David Scher alias Farmer Dave von den Beachwood Sparks) bei vielen neuen Songs plötzlich essenzielle Parts übernimmt. „Das stimmt, aber es war uns dennoch wichtiger, einen lebenden, atmenden Menschen diese Teile spielen zu lassen, keinen Sequencer. Diese Person mit auf der Bühne zu haben, erzeugt die notwendige Dynamik“, meint Sam und fügt lachend hinzu: „Ganz abgesehen davon mögen wir ihn!“ Im kreativen Prozess selbst habe man hingegen ganz bewusst die Entscheidung für die Technologie und gegen ein fünftes Bandmitglied getroffen. „Leider ist da kein Platz für eine weitere Stimme“, erklärt Sam und muss schon wieder lachen.

Musikalisch ist also nach wie vor die Dynamik der vier offiziellen Bandmitglieder untereinander wesentlich. „Die Band ist meiner Meinung nach kurz davor, zu tight zu sein“, beschreibt Sam das interne Zusammenspiel. „Aber genau das mag ich. Das ist exakt der Moment, bevor es zu perfekt wird.“
Weitere Infos: www.interpolnyc.com/
© 01. Juli 2007  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld & Stephanie Schorre ||| Foto: Sumner Dilworth
Juli 2007

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