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KEREN ANN - Sound Imitationen

Eine Zeitlang schien es klar zu sein, in welche Richtung es für Keren Ann Zeidel gehen würde: Als Partnerin des neuen französischen Chanson-Gottes Benjamin Biolay schien sie direkt in die Fußstapfen von Jane Birkin zu treten. Zwei französisch-sprachige Scheiben unter eigenem Namen sowie eine für den Grandseigneur des klassischen Variete-Chansons, Henri Salvador, waren das Ergebnis dieser Liaison.

Doch schon die englischsprachige CD „Not Going Anywhere“, auf der die Biolay Elaborate auf englisch upgedated wurden, ließ vermuten, dass da noch mehr drin wäre. Mit der nächsten CD, „Nolita“, vollzog Keren Ann dann einen radikalen Schritt. Sie zog nach New York und löste sich allmählich von den Pariser Einflüssen. Das neue, selbstbetitelte Werk ist nun vollständig auf Englisch gehalten und geht auch musikalisch neue Wege. Waren Keren’s Songs bislang immer auch auf gewisse Art jazzy, so orientiert sie sich dieses Mal eher in Richtung Rock.

„Also ich denke nicht, dass ich jemals eine Jazz-Songwriterin war oder gar eine Jazz-Produzentin“, gibt sie zu bedenken, „aber das Jazz-Feeling habe ich schon – einfach deswegen, weil ich viel Billie Holiday und Chet Baker höre und weil ich die Freiheit des Jazz mag. Es ist aber wie mit der Rock-Musik. Ich bin auch keine Rock-Musikerin, aber ich mag die Möglichkeiten, die mir die Rock-Musik bietet. Die Möglichkeit, Dinge zu verbiegen, ein wenig psychedelisch zu werden – auch wenn es auf meine eigene Art ist. Ich denke also, man kann meine Musik nicht so kategorisieren. Ich mag zum Beispiel diesen New York-Ansatz auf meiner neuen Scheibe, der nun mal eklektisch ist und keine Kategorien braucht. Man braucht sich diesbezüglich nicht zu beweisen.“

Was genau macht denn diesen New York-Faktor aus? Geht es um musikalische Stile oder ein urbanes Feeling?

„Nun, das neue Album ist sogar weniger urban als ‚Nolita’“, meint Keren Ann, „aber der Sound ist typisch New York. Es geht dabei aber nicht um einen bestimmten Stil, sondern die allgemeine Freiheit, die in New York vorherrscht. Und Freiheit ist einer der Gründe, warum ich überhaupt Musik mache.“

Das bedeutet übrigens nicht, dass „Keren Ann“ eine besonders laute Scheibe geworden ist, sondern nur, dass sich die musikalische Basis verändert hat. Besonders wichtig war Keren Ann bei dem Album das Sound-Design.

„Ja, denn ich wusste von Anfang an genau, wie das neue Album klingen sollte“, berichtet sie, „ich mag Sound sehr gerne, denn ich bin nicht nur wegen des Songwritings, sondern auch wegen des Sounds und der Textur zur Musik gekommen. Wenn man etwa Piano, Streicher, Gitarre, Chöre oder Stimmen einsetzt, damit diese eine bestimmte Rolle übernehmen, dann sollte man besser eine bestimmte Vorstellung davon haben, wie das alles klingen soll, um eine bestimmtes Gefühl zu erzeugen. Ich wollte, dass mein Sound eine Spur meines melancholischen Songwritings hat, aber auch, dass es ein gewisses Licht gab.“

Wie kam es dann schließlich zu dem klanglich runden Gesamtbild – besonders unter dem Gesichtspunkt, dass Teile der Songs auf der ganzen Welt entstanden sind?

„Das liegt daran, dass Sound kein technisches Ding ist, sondern dass es hier um Emotionen geht“, meint Keren Ann, „es ist ein total emotionales Ding. Wenn es darum geht, wo man in einem Raum ein Mikro platziert, ist das mehr eine Frage des Geschmacks und eine künstlerische Entscheidung. Natürlich muss man wissen, wie man es verkabelt und einsetzt – das ist es dann aber auch schon.“

Mit der neuen CD macht Keren Ann konzeptionell, inhaltlich und stilistisch einen großen Schritt in Richtung Unabhängigkeit und festigt damit ihren Ruf als eine der eigenständigsten, ungewöhnlichsten Songwriterinnen unserer Tage.

Aktuelles Album: Keren Ann (EMI)
© 01. Juli 2007  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Juli 2007

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