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KINGS OF LEON - Angekommen im wahren Leben

Die spinnen, die Engländer! Da erscheinen vier junge Männer - eine echte Familie mit drei Brüdern und ihrem Cousin noch dazu - auf der Bildfläche und machen nicht viel mehr, als sich in puncto Musik und Frisuren an den Southern-Rock-Bands der 70er Jahre und damit an Feindbildern der coolen Indie-Crowd wie Creedence Clearwater Revival oder The Allman Brothers zu orientieren, und in Großbritannien zimmern sie um „Youth And Young Manhood“, das Debüt der teils dem Teeniealter noch nicht einmal entwachsenen Jungs aus Nashville, Tennessee, dennoch einen waschechten Hype.

Ganz geheuer ist ihnen das wohl selbst nicht. Deshalb hat das Quartett, das mit seinem sympathisch-normalen Auftreten beim Interviewtermin in Köln ganz nebenbei auch noch die Mär von der ach so arroganten Band widerlegt, nur rund ein Jahr nach dem Erstling nun bereits das zweite Album am Start – ganz ohne Pause. „Die Arbeit an der Platte WAR unsere Pause“, erklärt Bassist Jared Followill lachend. „Auf Tour hatten sich eine Menge neuer Songs angesammelt, also sagten wir der Plattenfirma: ‚Gebt uns zwei Monate zu Hause, dann nehmen wir eine neue Platte für euch auf.’ Es kam zunächst nur ein erstauntes ‚Wirklich?’ zurück, aber dann haben wir sie daran erinnert, dass die Rolling Stones ja auch lange Zeit jedes Jahr ein Album gemacht haben. Außerdem sind wir der Meinung, dass die Song des zweiten Albums viel besser als die des ersten sind, deshalb wollten wir so schnell wie möglich diese neue Platte machen.“



Keine Frage, die zweimonatige Auszeit haben die vier gut genutzt. „Zuerst hatten wir einen Monat daheim in Nashville, in dem wir zwei Wochen ausspannen und zwei Wochen in unserem Keller proben konnten. Danach ging es für vier Wochen nach L.A. für die Aufnahme“, erinnert sich Jared. „Am Ende waren wir selbst überrascht, dass wir 14 Songs so schnell einspielen konnten. Es ist nicht so, dass wir die Erinnerung an das erste Album so schnell wie möglich auslöschen wollten, aber die Zeit unterwegs hat uns zu einer völlig anderen Band gemacht, deshalb waren wir froh, so schnell die Chance zu bekommen, das unter Beweis stellen zu können.“
Mit „A-Ha Shake Heartbreak“ entfernen sich Kings Of Leon ein Stück weit von ihren 70s-Rock N Roll-Idolen, hin zu einem zeitgeistigeren, wenngleich weiterhin stark retro-geprägten Sound, der einen Kollegen von der schreibenden Zunft sogar an Interpol erinnert. „Ja, Interpol sind eine meiner Lieblingsbands, ihr Bassist ist einfach unglaublich!“, sagt Jared. „Natürlich habe ich nicht absichtlich versucht, wie er zu spielen, aber wenn du eine Platte so oft hörst wie ich die von Interpol, schleicht sie sich ohne Frage irgendwie in dein Unterbewusstsein. Manche Bassparts auf dem neuen Album habe ich auch unabsichtlich kopiert, zum Beispiel bei ‚Taper Jean Girl’. Drei Wochen, nachdem wir die Nummer aufgenommen hatten, hörte ich eine 80er-Jahre-CD mit ‚Come On Eileen’, und der Basspart ist fast identisch! Wie zur Hölle konnte das passieren? Es gibt auch einen Song, in dem mein Part einem Stück von The Cure ähnelt.“
Musikalische Querverweise gibt es also auch weiterhin, wirklich anders dagegen sind die Texte. “Wenn du ständig unterwegs bist, bekommst du natürlich einfach mehr mit, als wenn du alleine zu Hause sitzt. Vor unserer ersten Platte waren wir ziemlich ahnungslos, also mussten wir unsere Phantasie spielen lassen. Das war sicherlich auch einer der Punkte, warum die Platte so gut ankam. Also haben wir all diese Geschichten erfunden, die oft von Filmen inspiriert waren. Dieses Mal dagegen hatten wir unsere eigenen Geschichten zu erzählen. Die Texte sind deshalb dieses Mal ziemlich düster und manchmal richtig depressiv. Unsere Songs sollten allerdings eher Hymnen sein wie damals die Sachen von Tommy James And The Shondells oder The Ronettes. Die waren auch depressiv, aber letzten Endes haben sie dafür gesorgt, dass du dich besser gefühlt hast.“ Inzwischen sind die vier wieder auf Tour, um für neue Songideen zu sorgen, erklärt Jared grinsend: „Unser Leben in der Band würde einen guten Film abgeben. Es spielen sich viele kleine Dramen ab, weil wir uns ständig gegenseitig die Mädels ausspannen. Abgesehen davon haben wir eine gute Zeit!“
Weitere Infos: www.kingsofleon.com
© 01. November 2004  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: BMG
November 2004

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