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THE POLYPHONIC SPREE - „Eine völlig eigenständige Sache“

Eines ist sicher, eine ganz normale Band sind The Polyphonic Spree bestimmt nicht. Das texanische Musikerkollektiv um Mastermind Tim DeLaughter zählt 23 (!) Mitglieder, die bei ihren Auftritten stets in farbenfrohe Roben gekleidet sind und aus einem gewöhnlichen Konzert mit Orgel, Harfe, Querflöte, Triangel, Bläsern und einem vielköpfigen Frauenchor eine Gospel-Messe machen, die musikalisch dem Musical „Hair“ ebenso viel zu verdanken scheint wie den Beach Boys, den Zombies, David Bowie oder den Carpenters. Kurz gesagt: The Polyphonic Spree sind einzigartig und unbeschreiblich und verbreiten positive Energie en masse.
„Ich werde immer wieder gefragt, wie man es schafft, dass sich 23 Leute in einer Band verstehen. Wir sind wie eine Schulklasse. Seine Mitschüler kann man sich nicht aussuchen, aber man lernt, sich mit ihnen zu arrangieren“, erklärt Tim der Westzeit. Als „Lehrer“ sieht er sich dennoch nicht, eher schon als „Anstifter“. „In gewisser Weise bin ich aber auch einer der Schüler. Gerade auf dem Gebiet der sozialen Kontakte lerne ich ständig dazu - bei uns kommen ja eine Menge unterschiedlicher Persönlichkeiten zusammen. Anfangs war ich nur auf den Sound fokussiert, deshalb war es mir egal, wen ich mir in die Band holte, solange dieser Jemand das Instrument beherrschte, nach dem ich suchte, und improvisierwillig war. Das Schöne ist allerdings, dass wir die Musik als Gemeinsamkeit haben, bei der wir alle an einem Strang ziehen. Das gibt uns diese besondere Energie. Deshalb heißt die neue Platte auch ‚Together We’re Heavy’. Das ist wie bei einer Protestbewegung, wo die Menschen ihre Unterschiede vergessen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.“ Die spirituellen Untertöne sind nicht wegzudiskutieren, allerdings ist es Tim wichtig zu unterstreichen, dass seine Band nichts von einer Sekte hat. „Ich glaube schon, dass unsere Musik für unsere Hörer eine spirituelle Erfahrung sein kann, aber es ist nicht so, dass wir als Band eine bestimmte Glaubensrichtung vertreten oder eine bestimmte Religion angenommen hätten.“
Schließlich ist Tim in erster Linie Musiker, auch wenn er mit seiner alten Band seine Vision nicht erfüllen konnte. „Ich suchte nach der vollkommenen Energie, die ich mit einer gewöhnlichen Rockband wie Tripping Daisy nie erreichen konnte. The Polyphonic Spree sollte eine völlig eigenständige Sache sein!“ Waren die Lieder der Debüt-LP, passend „The Beginning Stages“ betitelt, von „Section 1“ bis „Section 10“ durchnummeriert, folgen auf „Together We’re Heavy“ nun „Section 11“ bis „Section 20“. Sind Alben für die Texaner also nichts anderes als Schnappschüsse, die lediglich Momente eines größeren Ganzen abbilden? „ Ja, das trifft es ganz genau“, stimmt Tim zu. „Wir lassen den Hörer einfach an unserer Suche nach dem Polyphonic-Spree-Sound teilhaben.“ Ausgerechnet ein Auftritt in der niederrheinischen Kleinstadt Weeze beim Terremoto-Festival 2003 wäre The Polyphonic Spree auf ihrem Weg zum Ruhm beinahe zum Verhängnis geworden, als Tim mitten im Konzert plötzlich von der Bildfläche verschwand. Was für die meisten im ersten Moment nach einer Stagediving-Einlage aussah, war in Wirklichkeit ein nicht geplanter Abflug aus rund vier Metern Höhe! „Ich bin nicht gesprungen, ich bin gefallen!“, erinnert sich Tim. „Da ich allerdings geradezu katzenhafte Reflexe besitze, bin ich halbwegs gut gelandet. Dass dort auf dem Boden ein wenig Heu lag, hat ein bisschen geholfen, aber das Ganze hätte auch als furchtbares Desaster enden können!“
Weitere Infos: www.thepolyphonicspree.com
© 01. November 2004  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Label
November 2004

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