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RAY LAMONTAGNE - Spektakulär Unspektakulär!

Ray Lamontagne ist vielleicht seltsam, aber sehr bodenständig. Rockstar-Attitüde turnt ihn völlig ab, dass Business ist nicht seine Welt. „Ich bin eine ordentliche Person,“ sagt er. „Und ich unterhalte mich gerne mit ordentlichen Personen!“

Leicht hat er es nie gehabt. Heimat? Hatte er nicht. Seine Familie wohnte in New England, Utah, Maine, Nebraska. Er wuchs mit vier Schwestern und einem Bruder auf. „Als wir jung waren, standen wir uns sehr nahe. Es waren harte Zeiten für uns, wie für so viele Menschen in der Welt. Wir waren sehr gute Freunde!“ Verschiedene Väter haben sie gehabt. Der 31-jährige Ray hat keine guten Erinnerungen an seinen Erzeuger, darum kam er relativ spät zur Musik. „Ich begann die Musik zu lieben, als ich ungefähr 21 war. Meine ersten Demo´s nahm ich 1999 auf. Natürlich hörte ich als Kind Musik, aber es war seltsam. Mein Vater verließ uns, als ich 4 war. Er war Musiker, spielte in Blues-Bands, in Bars. So wuchs ich bei meiner Mutter auf. Mein Vater war ungestüm. Er war kein guter Vater, sondern sehr gewalttätig. Als ich ein wenig älter war, erzählte meine Mutter, er wäre sehr talentiert gewesen. Er war kein guter Mensch, aber talentiert! Ich spielte ein wenig Schlagzeug, Saxophon, Harmonika. Aber ich wollte nicht wie mein Vater sein, wollte keine schreckliche Person sein. All diese Zweifel konnte ich erst überwinden, als ich 21 Jahre alt war.“ Lamontagne sitzt in seinem Hotelzimmer. Er spricht leise, sehr leise. Und zwischen den Worten sind Pausen, manchmal gar sehr lange Pausen. Dieser Mann muß sehr gelitten haben. Das macht seine Musik intensiver. „Trouble“, sein Debut-Album, setzt musikalisch um, was o.g. Statements verbal ausdrücken. „Dann erkannte ich, wie kraftvoll Musik sein kann. Bob Dylan, Joni Mitchell, Ray Charles, Otis Redding, Stephen Stills, Crosby, Stills & Nash. Es war eine Endeckungsreise, es war neu für mich.“ Ihm wurde bewußt, wie wichtig Musik für ihn ist.
Im September spielte er seine ersten europäischen Konzerte, in London. Unterschiede zu seiner amerikanischen Heimat konnte er nicht feststellen. „Ich habe dort einfach nicht genug Zeit verbringen können. Im November komme ich für 3 Wochen nach Europa zurück, vielleicht kann ich dann ein genaueres Bild zeichnen.“ Aktuelle Strömungen in der Musik nimmt er nicht wirklich wahr. „Doch ich mag Gomez. Sie schreiben tolle Melodien, machen Spaß, sind sehr sehr freundlich. Ich hatte das Glück, diese wunderbaren Leute kennen lernen zu dürfen. Sie waren immer sehr nett zu mir, was mir sehr viel bedeutet.“ Rockstar-Attitüde turnt ihn völlig ab. „Ich bin mit meinem Gitarren-Spiel sehr nah an der Basis, betrachte mich nicht als einen sehr guten Musiker, sondern hoffe, mit der Zeit zu lernen, wie man einen guten Song, eine gute Melodie, gute Lyrics schreibt, und das alles noch gut performt. Ich betrachte mich nicht als Musiker, denn ich kenne einige. Ich bin definitiv keiner! Ich schreibe Songs. Bevor ich sterbe, werde ich hoffentlich einmal einen richtig guten Song verfassen. Einen, der eine gewisse Zeit bestand hat, den die Leute erinnern. Einen, der nicht jetzt hier, und dann gegangen ist!“ Welch eine Melancholie sich aus diesen Worten erhebt. Sollte das abgegriffene Prädikat `Singer / Songwriter´ jemals auf eine Spezies von Mensch gepaßt haben, dann muß Ray Lamontagne sicher zu dem Kreis der Erlauchten zählen. Daran führt kein Weg vorbei!
Weitere Infos: www.raylamontagne.com
© 01. November 2004  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
November 2004

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