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RACHAEL YAMAGATA - Elefantiöse Aufrichtigkeit

Den Namen Rachael Yamagata werden aufmerksame Leser von Credits vielleicht sogar weniger von ihrer Debüt CD ‘Happenstance’ kennen, die immerhin bereits im Jahre 2004 erschien, sondern von den Werken mehrerer angesagter Songwriter wie Conor Oberst, Ryan Adams, Jason Mraz oder Ray LaMontagne; auf deren Alben Rachael - einer Reihe glücklicher Umstände wegen - als Harmoniesängerin tätig ist. Vielleicht kennt man sie aber auch aus diversen US-Fernsehserien oder Filmen, in denen ihre düster-romantischen Balladen reißenden Absatz finden.
Wie dem auch sei: Mit dem in die beiden Teile "Elephant" und "Teeth Sinking Into Heart" aufgegliederten neuen Werk legt Rachael ein beeindruckendes Konzeptalbum vor, auf dem sie quasi den Zerfall einer Beziehung dokumentiert. Eher zufällig, wie Rachael erzählt:

„Das war jedenfalls kein Konzept, mit dem ich begonnen hatte“, erzählt sie, „das kam erst während des Mix-Prozesses zu Tage – aber nachdem wir die Aufnahmen vollständig beendet hatten. Da wurde mir klar, wie unterschiedlich die Vibes der verschiedenen Tracks waren. Als diese in der Reihenfolge mischte, war das für mich so, dass ich persönlich immer das Gefühl hatte, aus der Stimmung herausgerissen zu werden. Obwohl ich das raue Feeling der Rocksongs durchaus mag. Ich spiele live schließlich ziemlich viel Rock. Ich hatte aber den Rock-Sound für die Scheibe nicht extra weichgespült. Als ich mir die Trennung in zwei Teile überlegte, erschien mir das dann am Folgerichtigsten. Textlich funktioniert das Ganze auch zusammen – die Trennung in zwei Teile wird dabei berücksichtigt.“

So geht es auf dem ersten Teil um die Schwierigkeiten, die eine komplexe Beziehung nun mal mit sich bringt und im zweitem eher um das Aufrappeln und Weitermachen. Für eine Scheibe, auf der es um eine kaputte Beziehung geht wird aber vergleichsweise wenig mit dem moralischen Zeigefinger gedeutet.

„Ich bin ja auch voller menschlicher Fehler”, erläutert Rachael dies, „und alles, was ich selbst erdulden musste, habe ich sicherlich auch anderen zugefügt. Also geht es in meinen Songs um Hoffnung und Optimismus. Ich glaube auch gar nicht daran, dass man mir in Beziehungen besonders übel mitgespielt hat. Ich finde es immer effektiver, sich das ganze Bild anzuschauen und sich auch an die schönen Seiten und Facetten einer Beziehung zu erinnern. Das ist irgendwie realistischer.”

Musikalisch schwelgt das von Mike Mogis (Bright Eyes) produzierte Werk zwischen düster-dramatischen, z.T. reichhaltig arrangierten Balladen und vergleichsweise ruppigen Rocknummern. Wie entstehen denn die Songs?

„Wenn ich schreibe, kommt immer alles zusammen – Texte und Melodien. Ich bin ziemlich schlecht, was musikalische Theorie angeht”, meint Rachael fast entschuldigend, “weil ich aber so viel nach Gehör mache, erlaubt mir das, mit Ideen aufzuwarten, die unüblich sind – weil ich einfach nicht weiß, was ich tue. Das gilt auch für die Gitarre, die ich erst seit kurzem spiele – es geht einfach darum, Instrumente auf eine andere Art wahrzunehmen. Und wenn man die Musik und die Texte zusammen schreibt kann man diesem Prozess auf ziemlich natürliche Weise folgen – ohne auf Akkordfolgen oder so etwas achten zu müssen.“

Gerade das macht Rachaels Musik auch so lebendig und – im Vergleich zu klassischen Mainstream-Produktionen – ungeschliffen. Obwohl Rachael also mittlerweile bei der Industrie gelandet ist und auch offensichtlich Soundtrack-Würdiges produziert, ist sie auch für Indie-Freunde interessant geblieben. Was will man eigentlich mehr?

Aktuelles Album: Elephants/Teeth Sinking Into Heart (Warner)
© 01. Mai 2009  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2009

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