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MARIA TAYLOR - Damenglück

Bislang hatte Maria Taylor eigentlich immer dieses Image von der nachdenklichen, melancholischen Songwriterin, die in ihren Songs zerbrochenen Liebschaften nachtrauert. Und das, obwohl auch immer schon Pop-Songs im Gepäck hatte und im richtigen Leben – wie sie selbst sagt - auch mal richtig albern sein kann.

Vielleicht hängt dieses Image immer noch mit dem Azure Ray Projekt zusammen, in dem Maria mit ihrer Partnerin Orenda Fink für musikalische Nachtschattengewächse stand.

Wie dem auch sei: Mit "Lady Luck", ihrem dritten Solo-Album möchte Maria – nachdem sie durch einen Umzug ins sonnige Kalifornien einen neuen Lebensabschnitt beginnt - dieses Image abschütteln. Nicht nur das haarsträubend komische Video zur ersten Single "Time Lapse Lifeline" trägt dafür Sorge.

Hat der Tapetenwechsel das Songwriting beeinflusst?

„Nun, ich habe eine starke emotionale Beziehung zu den Songs, weil ich von Nebraska nach Los Angeles umgezogen bin“, verrät Maria, „ich habe auch das Label gewechselt, eine neue Wohnung gefunden und neue Freunde gemacht. Das waren schon große Veränderungen. Ich betrachte es als Neuanfang.“

Es gibt dieses Mal auch mehr Melodien auf dem neuen Werk – hat das auch damit zu tun?

„Das war jetzt nicht direkt beabsichtigt“, räumt Maria ein, „aber ich hoffe doch, dass ich mich als Songwriterin in dem Maße weiter entwickle, wie ich mich mit meinen Fähigkeiten weiter entwickle. Ich hoffe, es wird besser. Ich denke, aber, dass ich mich inspirierter fühlte, weil in meinem Leben mehr passiert – da fallen Dir dann auch mehr Melodien ein – einfach, weil man mehr auszudrücken hat.“

Gibt es denn wieder eine Geschichte zum Titel des Albums – so wie beim Vorgänger „Lynn Teeter Flowers“?

„Nein, ich fühle mich momentan einfach in einer sehr glücklichen Position. Und ich fühle mich stark als Frau. Das ist der Grund, warum ich das Album 'Lady Luck' genannt habe. Ich bin geradezu überwältigt von meinem Umzug, weil ich denke, dass ich eine richtige Entscheidung getroffen habe.“

In den neuen Songs verarbeitet Maria auf direktem Wege das, was sie gerade beschäftigt. Stücke wie "Green Butterfly" darf man dabei wörtlich nehmen, denn die Schmetterlinge und Hummeln, die durch den Song schwirren, kann sie von ihrem Balkon aus sehen. Es gibt aber auch allgemeinere Themen.

„Ja, '10.000 Times' zum Beispiel handelt einfach davon, dass das Schöne am Mensch sein ist, dass man seine Fehler eingestehen kann, weil wir schließlich alles menschlich sind. Wir haben halt immer alle eine zweite Chance. Es ist also nicht so wichtig, immer die richtige Entscheidung zu treffen. Mir hilft diese Erkenntnis.“

Welche musikalischen Inspirationen gab es denn dieses Mal?

„Ach das ist immer das Gleiche“, gesteht Maria, „ich musiziere ja, seit ich drei bin und denke nicht so sehr darüber nach. Das ist für mich so natürlich wie reden oder laufen.“

Der letzte Track des Albums ist als Kollaboration zwischen Maria, ihrem langjährigen musikalischen Partner Andy LeMaster (Now It's Overhead) und Michael Stipe von REM entstanden, den Maria schon seit 10 Jahren kennt. Er war gerade zugegen, als Maria und Andy an dem Song arbeiteten und half mit ein paar Textzeilen und Gesangspartien aus. Hoffentlich bringt Maria das mehr Glück als damals Kristin Hersh. Es ist aber nicht so, dass Maria sich langweilt: Mit Andy LeMaster will sie demnächst eine Band gründen, für die bereits Songs geschrieben werden und dann wird es auch wieder ein neues Azure Ray-Album geben - was auch eine Folge des Umzuges ist. Maria ist halt zur Zeit eine glückliche Dame.

Aktuelles Album: Lady Luck (Nettwerk / Soulfood)
© 01. Mai 2009  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2009

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