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BOOZED - Hat den Blues

Bis zur Unkenntlichkeit verkleideter Blues, der findest sich ja nun in jedweder mit Rock´n´Roll-Attitüde vorgetragener Songlandschaft. Aber sich darauf zu berufen, dies tut dann nur ein Fähnlein Aufrechter. Die Kerle von Boozed, die gehören dazu. Und die sind auch noch verdammt jung. Keiner älter als mitten in den Zwanzigern. Den englischen weißen Blues aus der Vor-Beat- und der frühen Beat-Aera, den können sie nicht kennen. Den übergehen sie geflissentlich. Deshalb berufen sich Boozed auf den echten, puren Blues. Den schwarzen Blues.
Genug der Erklärungen? Nein. Noch nicht. Offen bleibt bisher die Frage, wie kommt der Blues nach Bramsche? Aufs platte Land. Denn von dort stammt die Combo. Und wem wird diese Schuld zugeschoben? AC/DC dürfen sich diese Plakette an die Brust heften. Markus, der Sänger erinnert sich noch an die Zeiten, als eine Handvoll Schulfreunde AC/DC nachspielten und ganz schnell feststellten: „Das klingt Scheiße, das kriegen wir so nicht hin.“



Bluesjunkies

Eins aber, das lässt die Mannen nicht mehr los. Die Blueswurzeln, von denen auch AC/DC eine Megaportion geknabbert haben. Folgerichtig heißt das erste Album von Boozed auch „Acid Blues“ und beweist einmal mehr, dass die Traute in die eigenen Möglichkeiten und jugendlicher Vorwärtsdrang fünf eingeschworener Freunde viel mehr zu leisten vermögen, als der banalste Nachspielversuch fremder Stücke. Der Erfolg bleibt nicht aus. Immer mehr Bluesjunkies vereinigen sich und bevölkern die Boozed-Konzerte. Das zweite Album, „Tight Pants“ folgt. Es geht ein paar Sprossen höher auf der Erfolgsleiter. Auch tourtechnisch. So eröffnen Boozed eine ganze Reihe Shows von The Hellacopters. Und doch. Das Ende der Teeniezeit dräut am Horizont. Auch Boozed werden älter, ob sie wollen oder nicht. Studium und Jobs fressen Tageszeit nicht zu knapp. Und in der Saison 2007 belegen Boozed nur die unteren Tabellenplätze. Krisengerede macht die Runde. Dann erinnern sich Boozed an die Geschichte vom Phoenix aus der Asche. Trennen sich schweren Herzens von Gitarrist Marvin.



Phoenix aus der Asche

Mit neuem Mann Nico an Bord nimmt das Boozed-Schiff wieder flotte Fahrt auf. Studiotermine werden gebucht. Doch das Ganze zieht sich. Wochenlanges mühsames Werkeln.

„Plötzlich wissen wir, dass Rock´n´Roll Arbeit macht. Verdammt viel Arbeit“, vergegenwärtigt sich Markus diese Zeit, „und wie schmerzvoll Kreativität sein kann.“

Doch das neue Werk „One Mile“ macht deutlich wie scharf die Messer sind, die Boozed gewetzt haben. Der Angriff steht wieder. Wie nie zuvor. Da krachen Gitarrenriffs in die Stücke, dass sie lauthals aufschreien. Die Stimme lodert, wie eine Stichflamme, bis zum Himmel. Und die Rhythmusgruppe treibt beide vor sich her, wie der Cowboy einst eine Horde Bisons. Das wirbelt Staub auf. Und so haben die Stücke eine Menge dreckige Erde geschluckt. Blues pur und obenauf eine Prise Funk. So macht das Erwachsenwerden Spaß. Diesen Eindruck hatte wohl auch Nicke Andersson von The Hellacopters.

„Wenn ihr ein neues Album macht“, hatte er Boozed auf der letzten gemeinsamen Tour geflüstert „da bin ich dabei. Lasst es mich einfach wissen.“

Gesagt, getan. So kam die Boozed-Scheibe zu einem strahlenden Solo, das in „Circus“ die Ohren wild macht.



Zurückgelehnt und entspannt

Wenn neues Blut geleckt hat, erweist sich Güte dieses Saftes in den ruhigen, etwas zurück-genommenen Stücken. Qualitätstest bestanden. Denn was Boozed mit den Stücken „Easy“ und „Asphalt´s Burning“ auffahren, sind zwei Fast-Balladen, die The Rolling Stones auch gerne geschrieben hätten. Das passt einfach alles. Da fehlt nichts, da muss aber auch nichts mehr dazu. Boozed sind wieder starklar und die neue Angriffslust, die wird jedes Live-Ambiente in seine Grundfesten erschüttern.

Aktuelles Album: One Mile (Checkers 74/FDI Music/Soulfood)
© 01. Mai 2009  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Mai 2009

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