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MAXIMO PARK - Neue Ideen, alte Qualität

"Quicken The Heart" heißt das neue, dritte Album von Maximo Park, mit dem die Ausnahmeband aus Newcastle den mit den ausgezeichneten ersten beiden Alben eingeschlagenen Weg weiterverfolgt, ohne dabei allerdings die musikalische Weiterentwicklung aus den Augen zu verlieren.

"Wir machen weiterhin ständig Fortschritte", ist sich auch Keyboarder Lukas Wooller beim Westzeit-Interview in Köln sicher. "Bisher ist noch nichts passiert, das uns hätte stoppen können, das uns dazu veranlasst hätte, zurückzuschauen und zu sagen: 'Oh, ja, wenn dies oder das anders gelaufen wäre, hätten wir schneller vorwärts kommen können'. Wir sind permanent auf dem Weg in die richtige Richtung, und mehr kann man nun wirklich nicht erwarten."

Will heißen: Maximo Park bleiben sich selbst treu, und das bedeutet, dass auch die dritte Platte des britischen Quintetts ihre ganz eigene Klangfarbe hat.

"Dieses Mal wussten wir sehr genau, was uns musikalisch vorschwebte, und wir haben alles dafür getan, das umzusetzen", erklärt Sänger Paul Smith. "Zuvor hatten wir uns eher treiben lassen und es war implizit, dass wir Popmusik machen würden. Das erste Album war sehr rau, das zweite arbeitet ständig auf Höhepunkte hin, und bei der neuen sind die einzelnen Parts simpler, aber dafür ist das Gesamtklangbild viel dichter, weil die Stimme mehr Raum hat und die Songs viel klarer sind. Gleichzeitig habe ich versucht, auch textlich direkter zu sein. Wenn du etwas sagen willst, schäme dich nicht dafür, es zu sagen. Wir alle haben Gefühle wie Lust, Liebe oder Scham in uns – und auch wenn sich diese Themen durch alle unsere Platten ziehen, hat der Groove uns doch erlaubt, dass sie dieses Mal stärker in den Vordergrund rücken."

Die besondere Akzentuierung der Rhythmusgruppe – Schlagzeuger Tom English und Bassist Archis Tiku – bedeutet umgekehrt natürlich auch, dass Gitarre und Keyboards an den Rand des Soundspektrums gedrängt werden und anstatt für die Melodieführung eher für die allgemeine Klangfarbe der Songs zuständig sind.

"Das ist sehr treffend beschrieben", bestätigt Smith. "Duncan [Lloyd, der Gitarrist] sagte: 'Je weniger ich spielen muss, desto besser!' Es ist ziemlich erfrischend, das von einem Gitarristen zu hören, der so viele Fähigkeiten besitzt. Musik ist eigentlich eine ziemlich simple Sache, die oft nur unnötig verkompliziert wird – vor allem von uns! Natürlich hat auch das neue Album seine subtilen komplexen Momente, aber wie schon unsere ersten beiden Alben ist auch das neue Album in gewisser Weise sehr direkt."

Wooller sieht das ähnlich und hat gleich noch ein Beispiel aus dem Studio parat:

"Die Aufnahme zu 'The Penultimate Clinch' war der Wendepunkt, denn dort sind Bass und Schlagzeug so etwas wie der Fels in der Brandung, und deshalb kommt den Melodieinstrumenten, Keyboards und Gitarre, viel weniger die Aufgabe zu, den Song mit Riffs nach vorne zu treiben. Deshalb steht die Stimme natürlich mehr im Mittelpunkt, denn sie muss nicht ständig mit den Melodieinstrumenten konkurrieren. Genau das war ja bei der vorherigen Platte passiert, auf der wir alle um unsere Positionen im Klangbild kämpfen: 'Ich hab 'ne Melodie! Ich hab aber auch eine!' Dieses Mal hatten wir dagegen etwas im Sinn, das simpler ist, körperbetonter. Deshalb auch die Betonung des Grooves." –

"Die letzte Platte klang etwas gezwungen, weil so viel Leidenschaft darin steckt und sie sehr dramatisch ist. Das war ein Album, das sich dem Hörer richtiggehend aufdrängte und ihn zum Zuhören zwang", glaubt auch Smith. "Die neue Platte ist entspannter. Wenn man sie nur im Hintergrund hört, denkt man vielleicht, dass sie wie ein typisches Maximo-Park-Album klingt, aber wenn du dich hinsetzt und die Platte richtig laut hörst, umschließt dich der Sound richtiggehend!"

Keine Angst also, wenn die Platte beim ersten Hören vielleicht etwas weniger eingängig oder stärker zerklüftet als "A Certain Trigger" und "Our Earthly Pleasures" wirkt. Das ist nicht nur Absicht, sondern auch gut so, denn es erhöht die Halbwertzeit des Albums ungemein. Schließlich sind Maximo Park nicht einer der vielen kurzlebigen Hypes von der britischen Insel, nein, sie sind gekommen, um zu bleiben.

Aktuelles Album: Quicken The Heart (Warp / RTD) VÖ: 08.05.
Weitere Infos: www.maximopark.com
© 01. Mai 2009  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
Mai 2009

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