interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
BRENDAN BENSON - Solo, aber nicht allein

Vier Jahre ist es her, dass Brendan Benson auf seinem letzten Alleingang die "Alternatives To Love" besang, doch eine Pause hat der Amerikaner trotzdem nicht gemacht: Als Frontmann von The Raconteurs machte er an der Seite von Jack White von sich reden, mit der Country-Hoffnung Ashley Monroe nahm er ein Duettalbum auf, das im kommenden Frühjahr erscheinen soll, und außerdem schrieb er Dutzende von Songs für sein neues Soloalbum. Elf davon erscheinen nun auf "My Old, Familiar Friend".

Für sein ausgezeichnetes neues Werk wendet sich Benson vom erdig-amerikanisch geprägten Sound der Raconteurs ab und kehrt zu den eher britisch inspirierten Klängen zwischen klassischem Pop mit unterschwelligem 70s-Flair und wuchtigem Power-Pop zurück, die seinen drei vorangegangenen Soloveröffentlichungen Kultstatus beschert hatten.

Der wichtigste Unterschied zu Bensons bisherigen Alben ist sicherlich, dass ‘My Old, Familiar Friend’ den DIY-Charme früherer Platten gegen eine muskulösere, aber dennoch nicht zwangsläufig hochglänzende Produktion eintauscht, für die der Brite Gil Norton verantwortlich zeichnet, der einst den Klassiker ‘Doolittle’ der Pixies betreute und seitdem auch mit Jimmy Eat World, Foo Fighters oder Maximo Park zusammengearbeitet hat.

“Gil ging sehr akribisch vor”, blickt der gut gelaunte Benson beim Westzeit-Interview auf seine erstmalige Zusammenarbeit mit einem externen Produzenten zurück.

“Er machte sich umfangreiche Notizen zu den winzigsten Details und war wirklich ungemein engagiert. Anfangs war ich richtig begeistert, wie organisiert er war, und ich war mir sicher, dass die Aufnahmen sehr fruchtbar sein würden. Gegen Ende dachte ich allerdings manchmal: 'Mein Gott, kannst du mal für 'ne Sekunde aufhören zu schreiben und einfach zuhören?'”

Auch wenn Benson Letzteres lachend sagt, ist die Kritik am Produzenten unüberhörbar, zumal Norton für einen streckenweise etwas überfrachteten Sound berüchtigt ist, in dem die einzelnen Instrumente um Aufmerksamkeit beim Hörer ringen. Der Grund dafür ist denkbar einfach:

“Auf der Platte hört man letztlich alle Optionen, die wir aufgenommen haben, denn Gil schaffte es oft nicht, sich zu entscheiden. Immer wenn ich ihn um seine Meinung bat, bekam ich seine Standardantwort zu hören: 'Ich bin mir noch nicht ganz sicher!'”

Obwohl das sicherlich das Letzte ist, was ein Künstler von seinem Produzenten hören möchte, nahm Norton nicht nur maßgeblich Einfluss auf den Sound des Albums. Er war es auch, der Benson davon überzeugte, auf befreundete Gastmusiker zurückzugreifen, anstatt wie bisher sämtliche Instrumente selbst einzuspielen. Darüber hinaus traf der Produzent auch die Auswahl der Songs, an denen er arbeiten wollte.

“Das waren nicht immer die, die ich am meisten mochte”, verrät Benson und muss schon wieder lachen. Kein Wunder also, dass in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft ein weiteres Album (Arbeitstitel: ‘The Other Record’) erscheinen soll, auf dem die restlichen Stücke zu finden sein werden – aufgenommen im Heim- studio, ohne Produzent und ohne Band.

Besagtes Heimstudio steht inzwischen in Nashville, nachdem Benson, der übrigens im November für drei Konzerte nach Deutschland kommen wird, unlängst seine Zelte in seiner langjährigen Heimatstadt Detroit abgerochen hat. Wirkte der Tapetenwechsel inspirierend auf die neue Platte?

“Oh, die Umgebung hat ohne Frage Einfluss, allerdings ist das rückblickend immer etwas einfacher zu sagen”, antwortet Benson. “So kann ich zum Beispiel sagen: In Detroit klangen meine Songs irgendwie depressiver.”

Na ja, wirklich glücklich klingt der offenbar weiterhin von der Liebe gebeutelte Sänger auch auf ‘My Old, Familiar Friend’ nicht, oder?

“In dem Moment, in dem ich das gerade gesagt habe, ist mir das auch aufgefallen”, kichert er. “Zumindest klanglich finde ich meine alten Stücke dennoch düsterer. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil ich weiß, unter welchen Umständen sie damals entstanden sind, aber für mich klingen sie anders.”

Anders im Sinne von Kein-Licht-am-Ende-des-Tunnels?

“Nein”, erwidert Benson schelmisch, “eher auf Smooth-Jazz-Art.”

Aktuelles Album: My Old, Familiar Friend (Echo/Cooperative Music/Universal)
Weitere Infos: www.myspace.com/brendanbenson
© 01. September 2009  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Cooperative Music
September 2009

Links

suche