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ARCTIC MONKEYS - Affen in der Wüste und bei Diddy

Der Legende nach ist das dritte Album für jede Band das schwierigste. Ob das nun Fluch oder Segen, Wahrheit oder Mythos ist, können selbst solch ausgebuffte Kerle wie die Arctic Monkeys nicht sagen. Denn das, was wirklich zählt und fetzt, erlebt man auf Partys bei P. Diddy – alles andere ist doch Humbug!

„Manche Leute sagen das über ihre zweite Platte, andere wiederum über die fünfte. Die schwierigste Platte ist eigentlich immer deine nächste. Wir hatten für unser neues Album endlich mal mehr Zeit, aber eben auch nur, weil wir uns diese ganz bewusst genommen haben. Und das hat für uns einiges sehr viel einfacher gemacht.“

So einfach ist das also, wenn man dem Affen-Schlagzeuger Matt Helders Glauben schenken kann. Er redet gern, viel und schnell, kommt dabei aber auch stets gezielt auf den Punkt, um zur nächsten Frage zu gelangen. Bevor diese gestellt werden kann, schlurft aber plötzlich Bassist Nick O'Malley noch in das Gespräch. Er ist etwas gemütlicher, ruhiger, ausgeglichener und sagt: „Es lag aber auch ein wenig an Josh, dass sich die Arbeit an dem neuen Album gar nicht wie eine solche anfühlte. Josh ist nämlich ein extrem lustiger Typ“.

Mit Josh ist der Homme gemeint, dieser Queens Of The Stone Age- und Eagles Of Death Metal-Hüne, der die Arctic Monkeys in die kalifornische Wüste einlud, um dort gemeinsam deren drittes Studioalbum zu produzieren. Die Möglichkeit zu haben, mit solch einem Typen aufzunehmen, ist auch für diese mit allen Wassern gewaschenen Affen von der arktischen Insel etwas Besonderes. Nicht nur, weil es der Homme ist, sondern auch, weil er von Anfang an die alten Wege und Ziele der Arctic Monkeys umgehen wollte. Er wollte den Briten eine andere Herangehensweise bieten, die eine Veränderung der gewöhnlichen Melodie in eine ungewöhnliche, sprich Affen-untypische bietet. Denn ganz ehrlich: So konnten sie auch wirklich nicht mehr weitergehen!

„Wir lernten sehr viel durch ihn“, bestätigt Nick. „Er hat uns gezeigt, mal über den eigenen musikalischen Tellerrand zu schauen. Denn da liegt viel mehr, als man sich vorstellen kann.“ Ohne beim anfänglichen Songwriting im heimischen Proberaum zu wissen, wo es mit dem Drittwerk hingehen sollte, war es genau dieser Homme’sche Ansatz, den die Band für sich und „Humbug“ gesucht hat: Sie wollten ohne Masterplan an etwas arbeiten, wollten schauen, was passiert, wenn man einfach loslegt, immer in der Hoffnung, dabei auf Neuland zu stoßen.

Fern von diesem musikalischen Neuland, aber nicht minder spannend beim erstmaligen Betreten, war Matts spontaner Besuch bei P. Diddy. Natürlich klingt das wie ein schlechter Scherz, wie ein Fake, wie ein ADS-Symptom, aber Matt selbst ist heute noch so fassungslos wie begeistert, dass er vor geraumer Zeit daheim bei P. Diddy herumlungerte. Denn als die Band für die Albumproduktion bei James Ford (Simian Mobile Disco) in New York war, hing Matt für einen Kurztrip in Miami ab. P. Diddy, der - von welchem Promi-Convention-Gelage auch immer - die Mobilfunknummer von Matt abgespeichert hatte, klingelte durch und lud zur kleinen Feierei ein. Selbstredend ist Matt dort in Diddys Dollhouse vorstellig geworden und textet aus der bizarren Höhle des feiernden Löwen: „’Jungs, ich bin gerade bei Puff Daddy, Busta Rhymes ist auch da.’ Das hat ihm natürlich keiner abgenommen – bis er uns das Video zeigte, das er dort gemacht hat“, erinnert sich Nick. „Ja, es war wirklich so! Und es ist genauso verrückt, wie es auf diesem Video ausschaut. Noch verrückter ist eigentlich nur, dass ich noch immer mit ihm in Kontakt stehe. Ich könnte dir seine Nummer geben, wenn du sie haben willst...“

Verrückt! Dieses Wort nimmt hingegen der britische NME, der die Arctic Monkeys in der Vergangenheit selbstredend beständig lobte, im Zuge von „Humbug“ nicht in den Mund. Vielmehr fragt sich das Blatt, ob die Jungs im Zuge ihres neuen Albums wohlmöglich ihre jugendliche Ungezähmtheit verloren haben und nun schon in die Jahre gekommen sind.

„Nein, bloß nicht! Wir haben noch ziemlich viel Zeit vor uns. Viel Zeit, um erwachsen und langweilig zu werden. Natürlich, unser neues Album erschließt sich nicht sofort in Gänze, geht nicht so nach vorne und ist nicht so für den Dancefloor gemacht, wie unsere Alben davor es vielleicht waren. Es hat mehr Tiefen, mehr Weite, mehr Instrumente und neue Harmonien. Es ist vielleicht sogar ein sehr launisches, irgendwie mürrisches Album, ohne dabei total düster zu sein.“

Matts Beschreibungen sind absolut treffend, aber vielleicht auch etwas missverständlich. Denn man könnte vermuten, dass hier mehr auf die Veränderungen im eigenen Kosmos, als auf den Spaß an der Freude geachtet wurde. Dem ist nicht so, denn so viel Spaß wie bei diesem „Humbug“ hatten die Arctic Monkeys noch nie bei der Arbeit:

„Yes, we had a lot of fun doin’ it.“ Nick nickt und lacht, weil er Matt so verstanden hat: „Yes, we had a lot fondue while we`re doin’ it....“. Sie schmeißen sich weg und gehen zu Tisch. So viel Spaß und Zeit muss eben sein.

Aktuelles Album: Humbug (Domino / Rough Trade)
© 01. September 2009  WESTZEIT ||| Text: Björn Bauermeister ||| Foto: Guy Aroch
September 2009

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