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T.RAUMSCHMIERE - Ambient-Wurst

Marko Haas aka T.Raumschmiere, Shitkatapult-Labelchef, Musiker und DJ, ist beileibe kein Träumer sondern derjenige, der auch für diejenigen Menschen Träume produziert, die zwar mit beiden Beinen im Realismus stecken, ohne Träume allerdings diesen Realismus gar nicht leben könnten. Nach der Kurzgeschichte „Die Traumschmiere“ (The Dream Cops) von William S. Burroughs nennt Haas sich seit 1997 T.Raumschmiere. Sein aktuelles Album trägt auch diesen schlichten Titel und weist darauf hin, dass es sehr persönlich geworden ist.

Existieren heute im Bereich Ambient Music eigentlich noch Nischen, in denen man Neues entdecken und erfinden kann?

„Zu entdecken gibt es auf jeden Fall etwas, was neue und frische Künstler angeht. Ob das nun technisch oder sounddesignerisch neu ist, steht auf einem anderen Zettel Darum geht es bei mir im Augenblick auch nicht wirklich. Bei mir kommt es eher auf das Resultat und die Wirkung an als auf den up to date-Stand.”

Woher kommen denn die Ideen? Und wo findest Du Inspiration?

„Meistens finde ich beides im Studio. Wenn ich da alleine oder mit meinem Partner an den Maschinen arbeite, ohne Plan, neue Geräte verkabele, herum schraube und drehe. Wir nehmen ungeheuer viel auf, das komplette Album ist in Sessions entstanden. Nach diesen Sessions haben wir das Material gesichtet und die besten Stellen herausgeschnitten.“

Im Verhältnis zur Ambient Music hat die sogenannte Gebrauchsmusik ja eigentlich einen negativen Touch. Spielt das für deine Arbeit eine Rolle?

„Nein, überhaupt nicht. Ich strebe nicht an, in irgendeine Schublade hinein zu passen. Es ist ja auch nicht alles Gebrauchsmusik, andere Künstler nehmen Heavy-Metal-Musik und machen damit für Volvo Werbung. Diese Musik wird dann auch gebraucht. Wenn ich mich zuhause hinhocke, gebrauche ich auch Musik. So habe ich noch nie gedacht oder bin so an meine Arbeit herangegangen. Ich produziere meine Musik auch nicht so, dass sie für dies und das zu gebrauchen wäre.“

Wie produzierst du deine Musik, benutzt du vorgefundene Klänge?

„Das ist ein großes Durcheinander, würde ich sagen. Ich arbeite wenig mit dem Computer und benutze ihn im Wesentlichen zum Aufnehmen. Es steht auch viel analoges Equipment herum, das leise vor sich hin knuspert. Wir nehmen auch viele Klänge mit der Hand auf, also wir klopfen auf Gegenstände, rascheln damit, oder nehmen Field Recordings, die wir draußen aufgenommen habe und bauen sie in unsere Musik ein. Dann kommt alles einmal kurz durch den Fleisch wolf und am Ende kommt die Ambient-Wurst heraus.“

Ist die T.Raumschmiere ein ein- oder mehrköpfiges Projekt?

„Eigentlich ist es ein einköpfiges Unternehmen, ursprünglich war es ein mehrköpfiges. Ich habe auch mehrere Metamorphosen durchgemacht und mit meiner Band gespielt. Das war 2008/2009. Wenn ich live spiele oder als DJ auftrete, bin ich immer allein. Im Studio arbeite ich seit Jahren mit meinem Partner, Kollegen und Freund Ben Lauber zusammen. Das war auch beim aktuellen Album der Fall. Wir arbeiten auch für andere Projekte, im letzten Jahr haben wir zum Beispiel Dieter Meier und das neue Album von Fraktus produziert, das demnächst erscheint. Ben und ich arbeiten fast an allen Projekten gemeinsam. Andererseits gehen wir uns nicht auf die Nerven und lassen uns Freiheiten und schaukeln uns die Bälle zu. Die Zusammenarbeit mit Ben ist sehr harmonisch und effektiv. Rocko Schamoni sagte einmal: 'Hey, ihr seid ja ganz krass. Ihr kommt morgens um elf ins Studio und sagt um drei erstmals Hallo zueinander.' Bis dahin hatten wir schon vier Songs fertig.”

Aktuelles Album: T.Raumschmiere (Album Label)
© 01. Dezember 2015  WESTZEIT ||| Text: Klaus Hübner
Dezember 2015

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