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VEGAS - Flirt mit Elektrobeats

Das kleine Belgien schickt aktuell eine neue Band nach der anderen ins Rennen. Beispielsweise Girls In Hawaii oder Wallace Vanborn - um nur mal zwei zu nennen. Und jetzt Vegas, eine Formation aus dem Städtedreieck Namur-Charleroi-Brüssel. Ihr ganz großes Steckenpferd sind kraftvoll aufgepumpte Klänge und weit greifende Melodiebögen.

Raus aus Frittenland

´Everything You Know Is Wrong´ ist das dritte Album der Truppe und das erste, das offiziell außerhalb von Belgien veröffentlicht wird.

„Das ist eine Konsequenz daraus, das Belgien letztlich ein kleiner Markt ist“, erklärt Gitarrist Sébastien Gerard, „und da wir schon seit geraumer Zeit auch erfolgreich durch die belgischen Anrainerstaaten touren, sollte dort auch unsere neue Platte erhältlich sein. Und so segeln wir derzeit unter der Fahne mit der Aufschrift, ‚Raus aus Frittenland’.“

Schnell wird Vegas eingängige Vision des modernen Indie Rock in der Schnittmenge aus Bush, Nine Inch Nails und Coldplay hoch gelobt. Diese Klänge entstehen auf eine nicht alltägliche Art und Weise - großen Anteil daran hat der Schlagzeuger David Renard aka Fox.

„Er hat das Ohr“, gibt der Gitarrist zu Protokoll, „das hat er daher, dass er als Kind klassisch an der Oboe ausgebildet wurde und zudem in einem klassischen Ensemble spielte.“ Zu Beginn der Karriere waren Vegas ein Trio. Bassist Olivier André kommt später dazu und mit ihm der Flirt mit den Elektrobeats.

„Die Fähigkeit des Bassisten als Elektrofrickler lassen ganz andere Möglichkeiten beim Schreibprozess zu“, führt Sébastien Gerard weiter aus, „und vieles, was bisher nur im Studio möglich war, geht jetzt auch live auf der Bühne.“

Vegas schaffen es so Melodien und Elektroklänge mal kontrastreich, mal ineinander greifend zu verbinden. Immer eingeflochten in die große Melodie. Vegas treten mit ihren Stücken den Beweis an, wie überraschend gut sanfte Melodien und Elektro-Beats zusammen passen können.



Edle Piano-Ballade

„Aber die elektronischen Aspekte bei Vegas werden nie zum Selbstzweck“, bekräftigt Sébastien Gerard, „wenn ein Stück eine vornehme Piano-Ballade sein will, dann darf es das auch. Hör dir nur mal ‚I Don´t Really Care’ an.“

Das Album ´Everything You Know Is Wrong´ ist einerseits geprägt von den Erfahrungen der vergangenen Jahre, andererseits gewinnen die Klänge durch den spielerisch-neugierigen Ausbau der Elektrobeats-Anteile an Spannung und Dynamik. Die hypnotischen Melodiebögen wachsen sich so zu großen, raumgreifenden Pop-Momenten aus. Und in und zwischen diesen Momenten kann vieles seinen Platz finden: Das Naive und Verträumte, die Dunkelheit und das Licht oder das Pflaster und der Strand.

„Es geht ja im Grunde darum, sich treu zu bleiben auch, wenn wir uns verändern“, sagt Sébastien Gerard, „sich nicht verstellen zu müssen, sondern sein Ding durchzuziehen. Und dabei immer im Kopf zu haben, dass Stillstand der kreative Tod ist.“

Es ist ein Genuss, den leichten, aber immer sehr eingängigen Melodien, gepaart mit den kantigen elektronischen Beats, zu lauschen. Vegas liefern so eine einmalige Klangmischung, die unweigerlich zum Erkennungszeichen für das Quartett geworden ist.

„Für uns ist es eigentlich die Musik, die wir selber gerne hören möchten. Es ist genau die Klangkombination, die wir uns immer gewünscht haben und da wir sie nirgendwo gebündelt finden konnten, haben wir irgendwann angefangen, sie selber zu machen“, schließt Sébastien Gerard das Gespräch.

Aktuelles Album: Everything You Know Is Wrong (Moonzoo Music / Membran)
© 01. Dezember 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Dezember 2014

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