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BRYAN DAVIS - Nothing But The Truth

Wohl kaum eine Subkultur wird von der Öffentlichkeit so misstrauisch beäugt, wie die der Skinheads. Unwissenheit und vorschnelle Verurteilung machen es gerade dieser Szene schwer. Das hatte auch Bryan Davis satt, der sich deswegen mit seinem Film 'Skinhead Cross Culture' entschloss, ein Porträt über eine der ältesten Undergroundbewegungen überhaupt zu drehen. Dass es für diesen Streifen internationale Nominierungen hageln würde, liess nicht nur Mr. Davis vor Verblüffung verstummen.

I wanted to tell the fucking truth about Skinheads!

Mehr als 20 Jahre nachdem Skinhead hier in den Staaten bekannter wurden, gibt es immer noch Zeitungen und Fernsehsender, die Gefängnisinsassen, Gang Mitglieder und militante Gruppen über 'Skinhead Sein' interviewen. Was wissen den diese Vollidioten über unsere Kultur?

“Die haben doch einfach nur irgendetwas, was sie mal im Fernsehen oder im Internet gesehen haben kopiert und für ihre Zwecke missbraucht. Hirnlose Schwachköpfe, deren Hirn mit Propaganda, Lügen und Fehlinformationen vollgestopft ist. Das ist armselig! Sucht Euch einen ordentlichen Job, kriegt Euren Arsch aus der Gosse und hört auf Leute zu hassen, die hart arbeiten, Steuern zahlen und mit ihrem Leben etwas anzustellen.

Zugegebenerweise haben mich auch Filme wie 'This is England' und 'Punk's Not Dead' sehr inspiriert.”

Was, denkst Du, ist der Grund warum die Skinheadszene authentischer geblieben ist, als beispielsweise Rockabilly oder Punkrock?

“Skinhead ist nie zum Mainstream verkommen, aufgrund der Kontroversen, die sich um dieses Movement ranken. Die Leute wissen die Attitude und den Spirit nicht einzuordnen und wenden sich lieber Nischen zu, die einfacher zu kategorisieren sind.

Der Stil hingegen ist mittlerweile definitiv Mainstream: Überall sieht man rasierte Köpfe, Ben Sherman Hemden, Jeans ohne Gürtel, aber keine Hosenträger und Puma Turnschuhe anstelle von Stiefeln. Die Casual-Version sozusagen. Selbst bei H&M gibts es Porc Pies (melonenartiger Hut) zu kaufen. Die Musik jedoch ist echt geblieben, edgy Melodien, Texte, die man verstehen kann und Singalongs zum Mitsingen. Der klassische Oi hat sich nicht viel verändert. Warum auch? Der Sound ist großartig, so wie er ist!”

Wie fühlt man sich, wenn auf einmal ein Projekt, dass ja eher dem Selbstzweck dienen sollte, einschlägt wie eine Bombe?

“Ich hatte ehrlich gesagt, überhaupt keine Erwartungen. Ich reichte meinen Film bei mehreren Film Festivals ein und glaubte noch nicht mal daran, dass er dort überhaupt angeschaut werden, geschweige denn nominiert oder einen Preis bekommen würde.

Die meisten Festivals akzeptierten ihn überhaupt nicht, was ziemlich normal ist, aber die, die ihn sich ansahen waren begeistert. Ich dachte, eine Handvoll Leute würden ihn bestimmt gerne sehen - dass ich jedoch die Möglichkeit haben würde, Aufmerksamkeit in Europa zu erregen oder in Vegas gar auf der gleichen Bühne wie einst Elvis stehen würde, um meine Dankesrede zu halten, da hätte ich im Traum nicht dran gedacht.

Als der Film in Vegas aufgerufen wurde, war das Publikum mucksmäuschenstill. Die Leute wussten einfach nicht, was sie davon halten sollten. Dass da draußen Tausende von Skinheads existieren, die einfach nur gute, hart arbeitende Leute, aller Hautfarben und Herkunft sind, haute die Meisten einfach um.  Manche erzählten mir später, dass sie Begriffe, wie 'Trojan Skins" etc. bei Google eingaben, um sich zu informieren.”

Was ist für Dich das Wichtigste an dieser Kultur?

“Ich selbst zu sein! Das klingt vielleicht wie ein Klischee, ist es aber nicht. Es gibt keinen Skin-Prototypen. Ich liebe den Stil und die Musik, ich glaube an den Stolz der arbeitenden Klasse (egal ob Skinhead oder nicht), ehrlich zu sein und für sich selbst gerade zu stehen, meine Freunde und Familie sind das Wichtigste auf der Welt. Rassismus ist idiotisch und  Politik für Politiker. Lasst Euch von niemanden sagen, was Ihr zu denken habt. Auch nicht von mir!”

Aktuelle DVD: Skinhead Cross Culture (Sunny Bastards / Broken Silence)
© 01. Juli 2010  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
Juli 2010

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