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FESTLAND - Kompositionskartell aus freien Stücken

Nach ihrem 2006er Debut "An euren Fenstern wachsen Blumen" gibt es vom Essener Trio festland ein zweites Album, "Welt verbrennt". Mit 11 neuen Songs tanzbarer Leichtigkeit im Gepäck machen sich die Drei auf den Weg zum Traumzeit Festival nach Duisburg, um dort am Samstag, den 03.07.2010, vor bizarr schöner Kulisse ihre musikalischen Visionen vor Augen und Ohren zu führen.
Es bleibt noch immer fraglich, warum derartige Musik es nicht in die Spiellisten der Radiosender schafft – wer jedoch bisher gezielt oder auch zufällig in den Genuss der Musik dieser Band kam, live oder in Studioversion, der war berührt. Sei es von der Poesie des Berliner Malers Fabian Weinecke, von dem Texte und Artwork der Alben stammen, oder von der mitnehmenden Musik – bei der programmierte, elektronische Klänge auf handgemachte Spielkompetenz treffen. Auf der Suche nach dem deutschen Blues und in musikalischer Dekonstruktion, die auf das Wesentliche besinnt, und doch viel Spielraum für Fantasie lässt; die zwar nachdenklich aber nicht traurig macht, eher zum Träumen und Tanzen anregt. Sphärische,und durchdachte Sound-Arrangements umtreiben einen steten, klaren Beat, begleitet von einem Herz und Beine bewegenden Bass. Joachim Schaefer alias Yoshino an Keyboards und Gesang, Thomas Geier am Schlagzeug und Gesang und Dietmar Feldmann aka DDFM am Bass. Der eine studierte klassische Komposition, der andere doziert als Erziehungswissenschaftler an der Uni Essen, der dritte im Bunde erwarb in Holland seinen Bachelor of Music Arts-Schwerpunkt Jazz. Yoshino spielte bereits Ende der 80er in der Folk-Punk-Band 'Marilyn's Army', war mit seinen Deep House Projekt Lorenzo erfolgreich, veröffentlichte 2 Soloalben und startete 2000 mit Thomas Geier das Gesamtkonzept "Freischwimmer". Unter diesem Namen produzierten sie Musik, machten eigene Veranstaltungen und riefen u.a. die legendäre Radio Gruga Reihe ins Leben. Thomas Geier, in den 90er Jahren Mitbegründer und Resident DJ des Essener Kultclubs "Rote Liebe", blickte zudem auf erfolgreiche Jahre als Schlagzeuger der Band 'Die Regierung' zurück. Die Texte des befreundeten Fabian Weinicke existierten bereits, so traf man sich und “probierte zunächst herum”. Gerade Thomas und Yo kamen aus der House- und Minimal Techno inspirierten Ecke, sampelten bei Ihren Produktionen und Kreationen leidenschaftlich gern John Cage, Wagner oder Schubert. Im Zuge der Entwicklung der ersten festland Platte lag der Schwerpunkt jedoch immer mehr auf einer „radikalen Reduktion der Mittel“, wie Thomas es umschreibt. In angestrebt schlanker Arrangement-Struktur trafen klassische Musik- und Kompositionstechniken auf fundierte Jazz- und Bass-Kompetenz und kombinierten sich mit leidenschaftlichen House Club-Beats.

“Wir finden's gemeinsam geil, wenn's wie programmiert klingt oder entsteht - aus abstrakter und programmierter Musik. Über die elektronischen Klänge an sich natürlich, aber auch in dem, was wir spielen“, erzählt DDFM. Schnittmenge der Inspiration war zudem der Disco Sound der 70er Jahre sowie die alten Blumfeld Songs oder New Yorker Noise-Rock und Jazzcore. Man übergab sich dem Fluss der Musik in ihrer gemeinsamen Entstehung aus Kombination der Ideen und Empfindungen: „So dass wirklich ein Kompositionskartell da war und wir uns das Ganze zu dritt ausgedacht haben“, fügt DDFM hinzu. Heraus kamen schon beim Debut mit „Nachts bei den Schiffen“ und „Nowhere bei Mir“ eingängige Songs voller Leichtigkeit und Tiefe, die nun in Stücken wie „Es gibt keinen Weg“ oder „Wintertime“ ihre Fortsetzung finden.

„Die Ich-Leute, die da in den Songs auftauchen, sind eher so n bisschen desorientiert, verloren oder neben der Spur, sehnen sich nach Gemeinschaft, stehen aber immer so ein bisschen draußen, sind Beobachter der Szenerie – wünschen sich, da reinzukommen, hinterfragen aber gleichzeitig, ist das dann wirklich das Tolle, was mich da erwartet“, erläutert Thomas, was es textlich für sie so interessant macht. Der Taumel des Individuums zwischen schön und falschen Versprechungen oder Illusionen. Sprachlich kombinieren festland dabei auch gern die deutsche mit der englischen und französischen Sprache. Die „Matrosen der Nacht“, oder „partisans de l'amour“, wie sie sich in zwei ihrer Songs besingen, möchten sich da ungern beschränken und ziehen stetig Energie und neue Ideen aus ihrem Zusammenspiel.

Aktuelles Album: Welt verbrennt (Zick Zack / What's So Funny About)
© 01. Juli 2010  WESTZEIT ||| Text: Regina Schier ||| Foto: Sascha Kreklau
Juli 2010

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