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JENS LEKMAN - Beziehungsstatus XY ungeklärt

Funkstille bis zuletzt und kaum Hoffnung auf ein neues Album. Jens Lekman hat sich aufgerappelt und mit ´I Know What Love Isn’t´ sein bislang bestes Stück Musik aufgenommen – durchzogen von einer Prise Sarkasmus, sind die Songs ein unheimlich offenherziges Statement über den Status Quo als Privatmann und öffentlicher Songwriter: Wie schwer es ihm fiel, an die Zukunft zu glauben und solide Demos zu fabrizieren, verschweigt er im Interview nicht. Fakten auf den Tisch, lautet das Motto - wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand.

Ein vorabendliches Konzert steckt ihm noch sichtlich in den Knochen und lastet auf seiner Stimme: „Es tut mir leid, dass ich so leise spreche“, entschuldigt sich Jens Lekman, „aber nachher muss ich zu einem TV-Auftritt und sobald meine Stimme versagt, werde ich unser Gespräch abbrechen.“

Dafür, dass er sich knapp fünf Jahre mit dem neuen Album Zeit ließ, muss man sich demgegenüber ganz schön beeilen und steigt sogleich tief in die Materie ein: Will wissen, warum überall steht, er wurde vor dem Traualtar abserviert und verließ seine Wahlheimat Australien wegen fehlendem Visums von heute auf morgen?

„Wie?“, kontert er „also da verwechselst du was, ich wurde nicht vor dem Traualtar stehen gelassen. Meinst du vielleicht euren deutschen Torwart Jens Lehmann, dem das passiert ist?!“

Gibt sich Lekman überrascht und es scheint, als sei dieses Thema etwas, über das er partout nicht sprechen möchte.

Obwohl es einigen Journalisten gesteckt wurde, denn die Geschichte ist viel zu abenteuerlich, als dass man sie sich kurzerhand ausgedacht haben könnte: „Jetzt weiß ich, was du meinst – ich wollte eine Scheinehe arrangieren und damit eine Aufenthaltsgenehmigung für Australien bekommen.“

„Was allerdings durch eine Absage meinerseits nichts klappte, weil mir die Prozedur zu hart erschien. Die Einwanderungsbehörde prüft das ja und zwei Jahre mit jemanden zusammenzuleben und ein Ehepaar abzugeben, ist echt nicht leicht und wäre den Stress in meiner Situation kaum wert gewesen.“

Haben wir das geklärt. Wobei man sagen muss, dass die Story vom Fast-Gatten zu gut zum neuen Album ´I Know What Love Isn’t´ gepasst hätte und nur deswegen auf die heutige Agenda kam: Liebevoller und zugleich zynischer hat in diesem Jahr noch niemand über die Liebe gesungen und das Ganze in solch tolle Popmelodien verpackt.

Als wäre es nach einer Trennung das Beste nicht zu trauern, sondern Tanzen zu gehen und das Leben zu genießen, zelebrieren die Songs eine unanfechtbare Aufbruchsstimmung, die Lekman wie folgt erklärt: „Es gab vor ein paar Jahren eine harte Phase nach einer Beziehung für mich.“

„Eine Situation, in der ich keine Songs mehr schreiben wollte, weil sie alle nur im eigenen Morast wühlten. Bis mir das Essentielle an meiner Situation auffiel – nämlich, die Dinge einfach zu halten: Mach keine großen Sachen, treib Sport oder so und betrachte das Ganze als Herausforderung zur seichten Unterhaltung.“

Für Lekman bedeutete dies: Raus aus der schwedischen Heimat, rein ins australische Outback und Spaß haben. Seine jetzige Rückkehr aufs europäische Festland stellt für ihn ein reinigendes Gewitter dar:

„Das Album ist durchzogen von Bildern des Alltags und sie zeigen deutlich, dass es mir wieder besser geht. Ich bin froh keine Platte in den vergangenen Jahren veröffentlicht zu haben, sie wäre mit ziemlicher Sicherheit schlecht gewesen – ‚I Know What Love Isn’t‘ hingegen, ist das, was mir vor Augen schwebte.“

Und beweist, welch wundervoller Songwriter Jens Lekman ist: Die gute Beobachtungsgabe zeichnet ihn aus und sein Gespür für zauberhafte Melodien gibt den Songs einen unverkennbaren Pop-Appeal. „Was mich glücklich macht und doch muss ich mich jetzt verabschieden, die Stimme, weißt du.“

Soll er sie für den Moment ruhig schonen. Ein Schelm ist, wer Böses denkt.

Aktuelles Album: I Know What Love Isn´t (Secretly Canadian / Cargo)
© 01. September 2012  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
September 2012

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