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GET WELL SOON - Die Einfachheit der Dinge

Konstantin Gropper ist einer der begabtesten Songwriter, den die deutsche Musiklandschaft derzeit zu bieten hat – und doch wurde es zuletzt arg verkopft in seinem Schaffen: Seneca und der Stoizismus hielten als Inspirationsquelle her, die Songs schienen an den Inhalten schwer zu kämpfen und nur logisch ist es, dass sich sein Projekt Get Well Soon im Zuge des neuen Albums ´The Scarlet Beast O‘ Seven Heads´ von einer zugänglicheren Seite präsentiert: Der schwere Ballast wurde auf halber Strecke abgeworfen und doch bleibt der eigentliche Charakter Groppers auf der gesamten Distanz erhalten.

Von Mannheim nach Berlin und zurück. Konstantin Gropper hat als einer von wenigen Musikern genug von der deutschen Hauptstadt und kehrt dorthin zurück, wo er vor einigen Jahren seine Karriere begann. Die Gründe allerdings sind eher praktischer Natur, wie er betont:

„Ich fand Berlin immer schön und kann nichts Schlechtes darüber sagen. Irgendwann ergab sich aber der Umzug und die neue Platte entstand wieder in Mannheim.“

Wobei es egal sei, ergänzt Gropper, wo die Songs von Get Well Soon herkommen – da er bekanntlich eher der Typ sei, der sich allein ins Zimmer einschließt und dort an der Musik herum schraubt.

Was ihn 2007 zum Kritikerliebling und zum der Newcomer der Stunde machte. Im Anschluss folgten größere Hallen, solide Plattenverkäufe und selbst die britische Presse erkundigte sich nach dem Wunderkind aus der baden-württembergischen Provinz. Alles lief nach Plan – obwohl die Musik für die breite Masse ein Stück zu speziell war.

Der Nachfolger ´Vexations´ legte vor zwei Jahren dann noch einen oben drauf: Gropper holte zum Rundumschlag aus, schichtete mehr Sounds übereinander und verhob sich inhaltlich ein wenig am wuchtigen Werk. Das keineswegs schlecht war, aber zu verkopft und komplex wirkte.

Für den Wahl-Mannheimer ist diese Kritik jedoch nicht weiter schlimm: „Ich habe etwas ausprobiert, mich inspirieren lassen und finde nicht, dass ich irgendwas hätte anders machen sollen. Ähnlich wie jetzt, spielten wir damals ein Album ein, dass wir genauso machen wollten.“

Die oben bereits erwähnten Schlüsselreize sind derweil nicht die römische Philosophie oder der Stoizismus im Speziellen – anspruchsvoll allerdings schon, denn Soundtracks italienischer Filmklassiker liefen bei Gropper zuletzt öfter in der heimischen Anlage rauf und runter.

Im vergangen Jahr versuchte Danger Mouse diese bereits ins Hier & Jetzt zu befördern und schaffte den Spagat kaum: „Ich war neugierig, was er aus den Vorlagen macht und bin ein wenig enttäuscht – gerade weil Danger Mouse Hilfe von einem ehemaligen Arrangeur bekam, klang das Ganze recht nüchtern.“

Damit Gropper nicht derselbe Fehler unterläuft, hielt er seine Songs schlichter, orientierte sich mehr an den eigenen Qualitäten und probierte nicht auf Teufel komm raus all das, was in einer völlig anderen Zeit entstand – eine Herangehensweise, die funktioniert: Verschachtelt oder gar anstrengend ist hier nichts, der Zugang fällt erstaunlich leicht.

Trotzdem: Ein Risiko ist er für ´The Scarlet Beast O‘ Seven Heads´ eingegangen – wenn auch nur ein kleines, fällt es durchaus ins Gewicht: Im Mittelteil wird an ruhiger Stelle der Satz ‚Hitler in a car crash‘ vorgetragen und dass sich einige darauf stürzen könnten, ahnt der Macher freilich schon:

„Es ist auffällig, wenn deutsche Künstler den Nationalsozialismus thematisieren und dies nicht allein als reinen Protest formulieren. Andererseits romantisiert oder verklärt man nichts, wenn die Vision eines Autounfalls von Hitler mit einbaut wird“, bemerkt Gropper richtig.

Mit dem dritten Album ist ihm gelungen, was viele sich erhofft haben: Die Unbeschwertheit des Debüts mit der anspruchsvollen Aura von ´Vexations´ zu kombinieren. ´The Scarlet Beast O‘ Seven Heads´ ist verglichen mit den Vorgängern das stärkste Werk im Katalog von Get Well Soon.

Im Sommer veröffentlicht, wird es den Herbst 2012 bis zur Abenddämmerung begleiten.

Aktuelles Album: The Scarlet Beast O‘ Seven Heads (City Slang / Universal)
© 01. September 2012  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth ||| Foto: Jan Windszus
September 2012

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