interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
GET WELL SOON - Stoisches Geklöppel

Mit seinem Debütalbum schuf Konstantin Gropper aus Mannheim etwas sehr seltenes: Ein international anerkanntes, englischsprachiges, orchestrales Indie-Pop-Album aus Deutschland. Damals spielte Konstantin das Material noch alleine, im heimischen Studio ein, während er im Folgenden mit seiner Band Get Well Soon auch live überzeugen konnte. Auf dem mit großer Spannung erwarteten Nachfolgewerk ´Vexations´ wächst nun auch zusammen, was zusammen gehört, denn obwohl Konstantin die Stücke wieder alleine schrieb, durfte dieses Mal die Band mit ins Studio.

“Das war für mich ein großer Schritt nach vorne und das wird auch in Zukunft sicher so bleiben”, beschreibt Konstantin den Prozess, “ich muss auch dazu sagen, dass ich das beim ersten Album vermutlich auch schon gemacht hätte, wenn es sich ergeben hätte. Das erste Album war dann so gesehen nicht ganz fertig. Ich war mir nicht so ganz sicher, ob das wirklich so einen Riesen-Unterschied macht – es war dann aber doch so.”

Der Titel des Albums, ´Vexations´, bezieht sich auf ein Piano-Stück von Satie, das Konstantin auch zitiert, und bildet in der freien Übersetzung ´Reibungen´ auch das Thema des Albums. Konstantin bezieht sich hier auf eine von dem Philosophen Seneca mit begründete Thematik, den Stoizismus. Ein Stoiker ist jemand, der das Schick-sal annimmt, der aber auch unerbittlich sein Ziel verfolgt.

„'Unerbittlich' ist ja eher negativ besetzt“, meint Konstantin, „ich würde es eher 'zielstrebig' nennen. Ich habe mir schon frühzeitig eine Arbeitsweise angeeignet, an der ich mich orientiere. Und man kann schon sagen, dass dieses gewisse Regelwerk etwas mit Stoizismus zu tun hat.“

Konstantin erweist sich auf ´Vexations´ als wahrer Meister der Andeutungen und Zitate – sowohl musikalisch, wie auch inhaltlich. Dabei bezieht er sich auch auf Werner Herzog – seines Zeichens ja auch ein großer Stoiker vor dem Herrn.

“Es gibt da dieses Buch von Herzog über die Dreharbeiten zu Fitzcarraldo”, erklärt Konstantin, “'Die Eroberung des Nutzlosen'. Und man kann ja meine Art zu arrangieren durchaus auch als verschwenderisch bezeichnen. Ich sehe das eher im positiven Sinne. Mir ist da manchmal auch jedes Mittel recht um eher über die Stränge zu schlagen als mich etwa zurückzuhalten.“

Was vielleicht auch damit zu tun hat, dass Konstantin zwischenzeitlich mit Filmmusik (z.B. für Wim Wenders) seine eh vorhandene cineastische Ader ausleben konnte. So finden sich auch auf dem neuen Album wieder Orchester, Chöre und haufenweise geschichtete Instrumente – darunter die von Konstantin neu entdeckten ´Klöppel-Instrumente´ wie Xylophon, Glockenspiel oder Steel Drum. Nur kann man Musik wie die, wie Konstantin sie macht, ja nicht bis ins Unendliche steigern. Welche Pläne gibt es denn für die Zukunft?

„Es ist natürlich richtig, dass ich das nicht ins Unendliche steigern kann“, räumt Konstantin ein, „das will ich aber auch gar nicht. Und das ist der Grund dafür, dass es auch auf 'Vexations' schon sehr reduzierte Momente gibt. Man kann ja beide Wege gehen. Es könnte also sein, dass das nächste Album sehr reduziert ist – oder andererseits mit vollem Orchester. Ich mache mir darüber aber noch keine Gedanken. Ich versuche, mir immer alles offen zu halten.“

Mit ´Vexations´ ist Konstantin Gropper vor allen Dingen eines gelungen: Die Versprechungen, die er mit seinem Debütalbum machte, souverän einzulösen – und zwar auf allen Ebenen und anscheinend mühelos. (Er sagt noch, dass in dem Prozess da eine Menge mehr Spaß drinstecke, als man vielleicht heraushören könne). Nicht schlecht, für das gefürchtete zweite Album.

Aktuelles Album:Vexations (CitySlang / Indigo)
© 01. Februar 2010  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Jens Oellermann
Februar 2010

Links

suche